Schorndorf Gottlieb’s macht nach 30 Jahren zu

Das Café Gottlieb’s hat am Samstag, den 19. Januar, zum letzten Mal geöffnet. Damit geht eine ziemlich genau 30-jährige Café- und Bartradition in der Höllgasse zu Ende. Foto: Habermann/ZVW

Schorndorf. So schnell kann’s gehen: Als an Heiligabend Hunderte von Menschen in der Höllgasse und an der Ecke Höllgasse/Konstanzer-Hof-Gasse mit Sekt und Glühwein „Heiligmorgen“ gefeiert haben, da war das Netz aus Geschäften und Gastronomiebetrieben in diesem Bereich noch eng geflochten. Zu Beginn des neuen Jahres sieht’s schon anders aus: Iris Greiner hat über Weihnachten ihren Gärtnereibetrieb von der Konstanzer-Hof-Gasse 14 in die Schulstraße 37 verlegt, und Ende der kommenden Woche (19.1.) stellt nach 30 Jahren das „Gottlieb’s“ seinen Café- und Barbetrieb ein. Was kommt, ist in beiden Fällen unklar.

Die Informationen zum „Gottlieb’s“ fließen nur spärlich. Via Facebook übermittelt Inhaber Gerhard Blechert, der den Gastronomiebetrieb seit 1989 betreibt, seiner Kundschaft die „bedauerliche Mitteilung“, dass die Ära Gottlieb’s am 19. Januar mit Auslaufen des Pachtvertrags endet. Er selber werde sich erst einmal einer längst fälligen Knieoperation unterziehen, und sei dann, wenn er mal wieder normal gehen könne, „offen für neue Aufgaben“.

Mehr will Blechert auch auf Nachfrage zu seinem Abschied nicht sagen. Ein bisschen konkreter äußert sich Verpächter Karl Wirth.

Sein langjähriger Pächter habe aus gesundheitlichen Gründen den Wunsch geäußert, den ursprünglich bis Ende 2019 laufenden Pachtvertrag vorzeitig auflösen zu dürfen. Und weil das Verhältnis zwischen ihm und Gerhard Blechert immer ein ausgesprochen gutes gewesen sei, habe er diesem Wunsch entsprochen, sagt Karl Wirth, der durchaus zu einer Verlängerung des Pachtvertrags über 2019 hinaus bereit gewesen wäre. Wie’s weitergehe und ob nach der geplanten Sanierung wieder eine gastronomische Nutzung geplant sei, lässt Wirth offen: „Dazu kann und will ich jetzt nichts sagen.“

Das Ein- oder Ausladen vor dem Geschäft wurde immer mühsamer

Wesentlich auskunftsfreudiger als Gerhard Blechert ist Iris Greiner, die Inhaberin der Gärtnerei Greiner. Unter diesem in Schorndorf seit 1925 eingeführten Namen ist sie über Weihnachten vom absoluten Innenstadtstandort Konstanzer-Hof-Gasse 14 an die Innenstadtrandlage Schulstraße 37 umgezogen – und die schon jetzt das ihr auch von Kunden bereits bestätigte Gefühl hat, „alles richtig gemacht“ zu haben. 15 Jahre lang hatte Iris Greiner ihren Blumenladen in der Konstanzer-Hof-Gasse.

In dieser Zeit hat die Innenstadt eine Entwicklung durchgemacht, die für so ein Geschäft bezüglich der Besucherresonanz und Kundenfrequenz zwar überaus gut ist, die aber gleichzeitig zu Erschwernissen und Einschränkungen führt, wenn jemand darauf angewiesen ist, dass er oder sie – und sei es auch nur mit einem Kleintransporter – vor seinen Laden fahren und dort eine Zeit lang stehenbleiben kann, um ein- oder auszuladen. Ohne das es nicht geht, wenn man, wie Iris Greiner und ihr drei Generationen abdeckendes Team – außer ihr gehören auch ihre über 80-jährige Mutter Margret („Die gute Seele des Geschäfts“) und ihr Sohn David zum Personalstamm – auch Veranstaltungen beliefert und den Blumen- und Kranzschmuck für Trauerfeiern und Beerdigungen liefert. Nicht nur einmal sei es vorgekommen, dass sie vor dem Rangieren mit ihrem Fahrzeug erst einmal benachbarte Außenbewirtschaftungen habe beiseiteschieben müssen, sagt Iris Greiner – von der Sorge, ein Kind oder eine alte Frau umzufahren, ganz zu schweigen.

Für den neuen Laden gib es sogar noch eine Schankkonzession

Dazu kam der Umstand, dass der Mietvertrag zum Ende des Jahres 2018 ausgelaufen ist und dass der neue Hauseigentümer – das Gebäude wurde vor zwei Jahren verkauft – nicht bereit war, das Gebäude barrierefrei umzubauen und die eine oder andere technische Modernisierung vorzunehmen. Just zu dieser Zeit machte Greiners CDU-Fraktionskollege im Gemeinderat, Hans Böhringer, ihr das Angebot, in das ihm gehörende Gebäude Schulstraße 37, in dem früher einmal eine Videothek und zuletzt die Raucherkneipe „Come in“ residiert haben, umzuziehen und auch den angrenzenden Innenhof als bespielbaren Außenbereich mitnutzen zu dürfen. Wobei die ehemalige Raucherkneipe für Iris Greiner den Vorteil hat, dass es für die Räumlichkeiten noch eine Schankkonzession gibt, die jederzeit aktiviert werden könnte.

Die in den Laden integrierte Theke, gebaut von Sohn David aus Glasbausteinen, gibt’s schon – sogar mit ein paar Barhockern davor. Wie das neue Geschäft überhaupt einen sehr gemütlichen, luftigen und geräumigen Eindruck macht. „Das ist jetzt alles viel entspannter“, sagt Iris Greiner und schwärmt von der Helligkeit und der guten Luft, die alles zum (Auf)blühen bringe – einschließlich des Personals. Und wenn dann noch Hans Böhringer hereinschneit mit ein paar Glasballons, die er bei sich im Keller entdeckt hat und die sich wunderbar als Dekoelemente eignen, dann ist die Welt in der Schulstraße 37 vollends in Ordnung. Und der Bantel-Parkplatz nebenan ist auch nicht zu verachten und ist auch etwas, was Iris Greiner so an ihrem alten Standort nicht hatte. Dort hatte sie nicht einmal einen Parkplatz für ihren eigenen Wagen.

„D’ Schorndorfer kennad ons“

Sorge, dass sie in dieser Innenstadtrandlage abgehängt sein könnte und dass Kunden wegbleiben könnten, hat Iris Greiner keine. Dazu habe die „Gärtnerei Greiner“, die ihren Ursprung in der Aichenbachstraße hatte, einen zu bekannten Namen. „D’ Schorndorfer kennad ons“, ist Iris Greiner überzeugt. Und wenn einer doch noch nicht mitbekommen hat, dass das Geschäft umgezogen ist, dann liest er halt das Hinweisschild am alten Geschäft und nimmt die 250 Meter Fußweg in die Schulstraße in Kauf - so wie der Oberberkener Ortsvorsteher Siegbert Doring.

Mehr Sorgen macht Iris Greiner da schon, wie sie das in diesem Jahr – vor allem auch personell und mit dem Urlaub – mit der Gartenschau hinkriegen soll. Schließlich wird von ihr wie von allen anderen Schorndorfer Gärtnereien und Blumenhäusern auch erwartet, dass sie möglichst regelmäßig über die verschiedenen Phasen und Themen hinweg die große Blumenhalle im Schloss bespielen soll. Aber letztendlich überwiegt auch da die Vorfreude und die Überzeugung, dass das eine tolle Sache werden wird. Wie der neue Laden, an dem nur noch das schon lange bestellte große Schlossportal fehlt. „Ich bin mal gespannt, ob das noch irgendwann kommt“, sagt Iris Greiner, die gehört hat, dass als Nachfolgenutzung am alten Standort „etwas mit Mode“ im Gespräch sein soll.

Problemzonen

Wenn die Leiterin des städtischen Fachbereichs „Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr“, Gabi Koch, nach derzeitigen Problemzonen in der Innenstadt gefragt wird, dann fällt ihr nicht in erster Linie der Bereich Höllgasse/Konstanzer-Hof-Gasse ein. Dort hofft sie in den beiden oben genannten Fällen auf gute und ins Ambiente passende Nachfolgelösungen. Sie denkt eher an den Bereich untere Kirchgasse/Neue Gasse, wo es nicht nur die große offene Wunde der ehemaligen Deutschen Bank gibt, sondern immer wieder auch die eine oder andere (Nach)nutzung, die sich Gabi Koch anders wünschen würde. Und ganz allgemein stellt sie mit Blick auf die Innenstadt fest, dass das, was eine Zeit lang die Optikergeschäfte waren, derzeit die Kosmetikstudios zu sein scheinen.

Eine bessere Steuerung bei der Nutzung und Nachnutzung von Ladenflächen verspricht sich die Fachbereichsleiterin vom schon seit länger geplanten Innenstadtforum, das jetzt aber in nächster Zeit endgültig ins Leben gerufen werden soll. Dieses Forum soll den Verantwortlichen bei der Stadt die Möglichkeit bieten, mit allen Innenstadtakteuren und vor allem mit den Gebäudeeigentümern ins Gespräch zu kommen und durch regelmäßigen Informationsaustausch so viel wechselseitiges Vertrauen aufzubauen. So sollen bei Leerständen nicht die nächstbesten Interessenten genommen werden, sondern auch die Wünsche der Stadt und diejenigen Interessenten berücksichtigt werden, die sich regelmäßig bei der Stadt nach Flächen erkundigen.

„Der Sortimentsmix muss uns noch etwas besser gelingen“, meint Gabi Koch, die darauf verweist, dass die Stärke der Stadt die Atmosphäre ist und dass die nun einmal auch davon lebt, dass man Flanieren und sich in einer Stadt wohlfühlen kann – was natürlich mehr Spaß macht, wenn man nicht nur an Wettbüros und Kosmetikstudios vorbeiläuft.

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