Schorndorf Karl-Otto Völker ist Ehrenbürger

Oberbürgermeister Matthias Klopfer hat den 72-jährigen Karl-Otto Völker zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Schorndorf ernannt. Foto: Habermann/ZVW

Schorndorf. In Anerkennung seiner besonderen Verdienste als Kommunalpolitiker und auf vielen anderen ehrenamtlichen Betätigungsfeldern sowie in Würdigung seines jahrzehntelangen unermüdlichen Einsatzes für das Wohl seiner Heimatstadt Schorndorf ist Karl-Otto Völker von Oberbürgermeister Matthias Klopfer zum Ehrenbürger ernannt worden. „Ich kümmere mich“ war in Schorndorf ein geflügeltes Wort, wenn es darum ging, das Wirken des 72-jährigen Sozialdemokraten auf einen kurzen Nenner zu bringen.

Gemeinderat, Kreistag, Awo, Landesseniorenrat, Bürgerstiftung, Freunde der Rems-Murr-Klinik, „Hardware4Friends“, Ochsenberg-Weihnacht, Gottlieb Daimler – die Reihe der Ehrenämter, die Karl-Otto Völker im besten Sinne ausgefüllt, der Initiativen, die er gestartet und begleitet, und der Impulse, die er in der Stadt und darüber hinaus gesetzt hat, ist lang und könnte beliebig verlängert werden. „Du hast immer versucht, dich mit deinen Möglichkeiten in die Gesellschaft einzubringen und die Stadt mitzugestalten und wolltest die Entscheidungen über die Entwicklungen deiner Stadt nicht anderen überlassen“, sagte Klopfer über seinen Parteifreund und nannte ihn in den Überschriften in seinem Redemanuskript „einen Sozialdemokraten durch und durch, einen Kommunalpolitiker durch und durch, engagiert durch und durch und Daimler durch und durch“. Mit Letzterem übrigens verbänden den neuen Ehrenbürger durchaus einige Charaktereigenschaften: schwäbischer Dickkopf, chronischer Workaholic, treuer Freund, fürsorglicher Familienmensch, Visionär.

38 Jahre lang hat Karl-Otto Völker, der 1978 für Werner Schretzmeier in die SPD-Fraktion nachgerückt ist, dem Gemeinderat angehört, 30 Jahre lang war er Vorsitzender der SPD-Fraktion und hat sich in dieser Zeit ungeachtet manch harter Auseinandersetzungen, die er sich vor allem mit Oberbürgermeister Winfried Kübler und dem damaligen CDU-Fraktionschef Werner Lempp geliefert hat, zunehmend zu einem Brückenbauer über Fraktionsgrenzen hinweg entwickelt. Manchmal habe ein Blick oder eine hochgezogene Augenbraue genügt, um sich bei einem Thema auf einen Kompromiss zu verständigen, sagte in einer kurzen Filmsequenz FDP/FW-Fraktionschef Gerhard Nickel und bezeichnete Völker als „verlässlichen Partner“. Und auch CDU-Fraktionschef Hermann Beutel blieb seinem langjährigen Gegenüber Karl-Otto Völker den gebührenden Respekt nicht schuldig: Auch wenn man nicht mit allem einverstanden sein müsse, was er im Lauf der Jahre im Gemeinderat so von sich gegeben habe, so habe er sich die Ehrenbürgerschaft doch vor allem durch sein vielfältiges und vorbildliches ehrenamtliches Engagement außerhalb des SPD-Kosmos verdient.

Erfolgsrezept: „Man muss Menschen mögen und auf sie zugehen“

„Du hast andere Meinungen akzeptiert und auch immer um Akzeptanz für Deine eigene Meinung geworben. Dein Weg war es immer, Mehrheiten zu finden und dabei auch Kompromisse einzugehen“, sagte der Oberbürgermeister zu und über Völker, der in diesem Sinne ein Paradebeispiel für einen gewesen sei, der im Sinne des alttestamentarischen Auftrags „Suchet der Stadt Bestes“ gehandelt habe und der dabei immer ganz nah bei den Menschen gewesen sei. „Man muss Menschen mögen und auf sie zugehen“: Das sei das Erfolgsrezept des 72-Jährigen gewesen, der selber aus einfachen Verhältnissen stammt und dem seine Mutter den wohlmeinenden Rat auf den Lebensweg gegeben hat, Politik sei „nichts für kleine Leute“. Was Völker nach ehrenamtlichen Anfängen beim CVJM und beim Stadtjugendring zunächst in die kommunalpolitische Kulturszene und dann in die Kommunalpolitik geführt hat.

„Du hast es immer als eine kommunalpolitische Aufgabe verstanden, Plätze zu schaffen, an denen sich Menschen begegnen können“, sagte Klopfer mit Blick unter anderem auf die Manufaktur, in der auf Karl-Otto Völkers ausdrücklichen Wunsch hin auch das Fest zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde stattfand. Und sein spezieller Wunsch war auch der musikalische Auftritt der Band „Groove Inclusion“, die Völker vor ein paar Jahren als Abgesandter der Sparkassenstiftung zu einem internationalen Behinderten-Kongress in Jekaterinburg begleitet hat und deren Auftritt sich kurz und knapp so beschreiben lässt: „Zum Heulen schön.“ Kein Wunder, dass auch Karl-Otto Völker damals Tränen in den Augen hatte.

Überraschung gelungen: die Gratulation der ASV-Familie

Rührend auch der ebenfalls per Videobotschaft eingespielte Glückwunsch des ASV Schorndorf, bei dem Karl-Otto Völker ein regelmäßiger und gerngesehener Zuschauer ist. Erst sang ihm ASV-Urgestein Hans Kern ein Ständchen, anschließend gratulierte ihm die ganze ASV-Anhängerschaft im Chor und mit Transparenten. Eine Überraschung, die nur gelingen konnte, weil Völkers Frau Renate das Spiel mitgemacht und ihren Mann just am vergangenen ASV-Heimkampfabend zum Essen einlud.


Im Gespräch mit Felix Huby

Allein schon dafür, dass er die Band „Groove Inclusion“ kennengelernt habe, habe sich die Reise von Berlin ins Remstal gelohnt, sagte der Journalist, Drehbuchautor und Schriftsteller Felix Huby, der ein langjähriger Freund der Familie Völker ist und als solcher ein Gespräch mit Karl-Otto Völker führte, in dem manches von dem vertieft wurde, was zuvor in der umfangreichen Laudatio des Oberbürgermeisters angesprochen oder auch nur angedeutet worden war. Wobei Huby, der mit Schorndorf (und dem damaligen Oberbürgermeister Kübler) erstmals im Rahmen der Mundartserie „Der König von Bärenbach“ in Kontakt gekommen ist, auch mit dem OB insofern gute Erinnerungen verbinden, als der Oberbürgermeister-Wahlkampf, in dem er Klopfer seinerzeit auf Bitten seines Freundes Karl-Otto Völker unterstützt habe, so ziemlich der einzige erfolgreiche SPD-Wahlkampf gewesen sei, den er jemals mitgemacht habe.

Ob es ihn denn, abgesehen von einer gescheiterten Landtagskandidatur, nie über die Kommunalpolitik „hinausgetrieben“ habe, wollte Huby von Völker wissen. Nein, weil nur Kommunalpolitik so nah bei den Menschen stattfinde, sagte Karl-Otto Völker und erzählte von der alten Frau Kächele vom Ochsenberg, die ihn nach Gemeinderatssitzung immer gleich ganz früh am nächsten Tag angerufen und ihn gefragt habe, was sie „denn da schon wieder für einen Scheiß beschlossen“ hätten.

Angesprochen von Felix Huby auf seinen Markensatz „Ich kümmere mich“, legte Völker Wert auf die Feststellung, dass man dazu kein Stadt- oder Gemeinderat sein müsse. „Das beweisen täglich ganz viele im Ehrenamt“, sagte der 72-Jährige, der zuvor im großen Saal der Manufaktur und von der Empore aus mit stehenden Ovationen beglückwünscht worden war.

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