Schorndorf Kommentar: Schorndorf ist nicht Köln

Ein Polizist im Einsatz bei der SchoWo. Foto: Gabriel Habermann

Eines vorneweg: Nichts von dem, was in den ersten beiden SchoWo-Nächten passiert ist, darf verharmlost oder beschönigt werden – nicht die Krawalle im Schlosspark mit den tätlichen Angriffen auf Polizeibeamte und erst recht nicht die sexuellen Übergriffe auf zwei SchoWo-Besucherinnen. Aber es gilt auch zu differenzieren und sauber zu trennen, was zum Beispiel allein schon von den Tatzeitpunkten und von den Örtlichkeiten her getrennt werden muss. Und dazu gehört auch, dass bestimmte Ursachen für die Gewalteskalation, nicht zuletzt, was die beteiligten Gruppen angeht, und bestimmte im Polizeibericht vom Samstag genannte Sachverhalte wie etwa der angebliche Zug von teilweise mit Messern bewaffneten Jugendlichen durch die Innenstadt noch einmal kritisch hinterfragt werden. Polizeipräsident Roland Eisele kann sich da bislang nur ganz vage auf Zeugenaussagen berufen, denen noch nachgegangen werden müsse.

Den Wellen, die die Schorndorfer Vorkommnisse bundesweit geschlagen haben, und dem Medieninteresse bei der Pressekonferenz am Montag (17.7.) zum Trotz sei gesagt: Schorndorf ist – bezogen auf die sexuellen Übergriffe – nicht Klein-Köln, und Schorndorf ist – bezogen auf die Krawalle im Schlosspark – nicht Klein-Hamburg. Und Schorndorf befindet sich auch nicht im Ausnahmezustand: Diese Titelzeile hat sich nämlich auch auf die Stimmung und den Besuch der SchoWo am Samstagabend bezogen.

In Schorndorf ist vor allem in der Nacht von Samstag und Sonntag einiges aus dem Ruder gelaufen – teils weil die Eskalation der Gewalt so noch nicht vorgekommen ist und deshalb auch nicht vorhersehbar war, teils, weil die Sicherheitskräfte mangels ausreichendem Personal nicht in der Lage waren, schneller und konsequenter zu reagieren. Da muss für die Zukunft ganz sicher einiges auf- und manches nachgearbeitet werden – in enger Kooperation mit der Stadt und mit der VG, deren ansonsten bestens organisiertes Stadtfest durch solche Vorfälle natürlich gehörig in Misskredit gerät. Was dann auch auf die Besucherzahlen und die Stimmung durchschlägt.

Es ist nicht nur das berühmte Pfeifen im Walde, wenn der Oberbürgermeister feststellt: „Die SchoWo ist sicher.“ Die SchoWo und diese Stadt sind auch nach den Vorfällen vom Wochenende das, was sie auch vorher waren: fröhlich, liebenswert und immer einen Besuch wert.

(Foto: Hans Pöschko, Quelle: Bernhardt/ZVW)

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