Schorndorf Kostenloser Haarschnitt für Bedürftige

Bei Rockabillys & Gents können sich Bedürftige umsonst die Haare und den Bart schneiden lassen. Foto: Büttner / ZVW

Schorndorf. „Ich könnte mehr machen“, sagt Dominik Sardella – und tut schon mehr als viele andere: Männern, die einen Einkaufsausweis des Tafelladens haben, schneidet der 37-jährige Friseurmeister umsonst Bart und Haare. Vor einem Jahr hat er den Barbershop „Rockabillys & Gents“ übernommen. Und seitdem er Renate Frank vom Tafelladen kennt, hat er auch eine Handvoll bedürftiger Kunden, die vor allem eines sind: sehr dankbar.

Das volle Verwöhnprogramm mit Haarschnitt und Nassrasur samt heißen und kalten Kompressen, mit Männergesprächen bei einer Tasse Kaffee, bei Whiskey oder Gin, das kommt bei Dominik Sardellas Kundschaft gut an. Bis auf Wochen ist der Barbershop ausgebucht. Die Stammkunden fühlen sich wohl. Es läuft, das lässt sich nicht verbergen, gut im „Rockabillys & Gents“.

So gut, dass Sardella etwas abgeben kann: Schon in seinem ersten Herrenfriseursalon in Stuttgart-Zuffenhausen hat er über die Caritas Bedürftigen zum Nulltarif Bart und Haare geschnitten. Seitdem er das Thema in seinem Schorndorfer Barbershop zur Sprache gebracht hat und über seine Kunden mit Renate Frank, die gemeinsam mit Helmut Topfstedt den Tafelladen in Schorndorf leitet, in Kontakt kam, bietet er diesen besonderen Service auch in der Daimlerstadt an.

Fünf, sechs Kunden, die einen Einkaufsausweis des Tafelladens haben, kommen seitdem regelmäßig in den schicken, in dunklen Holz- und Ledertönen gehaltenen Barbershop an der Schlichtener Straße. Leisten könnten sie sich schon den einfachen Haarschnitt, der im „Rockabillys & Gents“ 35 Euro kostet, nicht. „Das sind vor allem Flüchtlinge“, sagt Sardella.

Umso größer ist die Dankbarkeit. „Ein Mann“, sagt der 37-jährige Friseurmeister, „war schon zweimal mit seinem Sohn da“. Ein anderer hat sich von ihm zeigen lassen, wie er seinen Kindern die Haare schneiden kann. Sie sind glücklich, dass sie diesen Service zum Nulltarif bekommen: „Da ist echte Dankbarkeit“, sagt Sardella, dem es ein Bedürfnis ist, anderen zu helfen – und dann auch zu sehen, wo die Hilfe ankommt.

Auch schon von fünf Euro am Tag gelebt

Denn nur einen Geldbetrag zu spenden, das wäre dem Friseurmeister zu wenig. Darum hat er Obdachlosen auf der Straße schon Essen gekauft oder bei Minus fünf Grad Kleider geschenkt. 2020 wird er bei der Wohltätigkeitsveranstaltung „Cook meets Rock“, die sein Kunde Jörg Widlicky mitorganisiert, dabei sein und Haar- und Bartschnitte zum guten Zweck anbieten. „Wenn ich helfen kann“, sagt Sardella, „helfe ich gern“ – und sieht im kostenlosen Haareschneiden aber sowieso „nur einen kleinen Beitrag“. Vielleicht, weil er selbst auch Zeiten erlebt hat, in denen es bei ihm nicht so gut lief: „Ich hab auch schon von fünf Euro am Tag gelebt.“


„Entweder ich tu’ was oder ich lass es“

Schorndorf. Zweimal hatte Daniel Rosner schon 60 Frühstücksgäste aus dem Tafelladen, für ein Weihnachtsessen mit Ente, Rotkraut und Knödeln im Café Hallo hat der 33-jährige Wirt fast 90 Gutscheine übers Sozialamt ausgegeben. „Entweder ich tu’ was oder ich lass es“, das ist Rosners Devise.

Dass junge Geschäftsleute an Bedürftige aus dem Tafelladen denken – Renate Frank ist begeistert. Und auch Daniel Rosner, gelernter Marketing- und Kommunikationskaufmann und seit Juli 2017 Betreiber des Café Hallo, strahlt übers ganze Gesicht, wenn er an die Herzlichkeit und Dankbarkeit denkt, die ihm von den Menschen entgegenkommt, die einmal im Quartal bei ihm umsonst frühstücken können oder zum Weihnachtsessen eingeladen waren: „Das ist was anderes als einfach 100 Euro zu spenden.“

Und bei 100 Euro bleibt’s ja auch nicht: Ein Frühstück mit Kaffee, Brötchen, Fruchtaufstrich, Wurst und Käse kostet an die zwölf Euro, für das Weihnachtsessen hat Rosner mit 20 Euro pro Person kalkuliert. Doch das ist es ihm wert: „Uns geht’s doch allen blendend.“ Darum – und weil es für ihn nicht sein kann, dass jeden Tag Berge von Lebensmitteln vernichtet werden – schenkt er dem Tafelladen auch immer wieder Backwaren und Milch. In den Anfangszeiten war er beim „Zauberfaden“ in der Manufaktur dabei und hat das Logo für die Nähwerkstatt mit Flüchtlingen entworfen. Für Rosner macht direktes Engagement einfach Sinn: „Man sieht, was mit dem Geld passiert.“

So gibt er einmal im Quartal einen ganzen Stapel Frühstücksgutscheine an den Tafelladen und das Sozialamt aus; für Montagvormittag, wenn sein Café eigentlich geschlossen ist: „Wir möchten die Leute ja auch nicht zur Schau stellen.“ Vor Weihnachten hat er mit dem Schornbacher Grillmeister Benjamin Hehn 70 Bedürftigen ein opulentes Weihnachtsessen aufgetischt – mit Punsch am Weihnachtsmarktstand zur Einstimmung. Ein Abend, der auch dem Gas

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