Schorndorf Linienbus-Betreiber Knauss ist insolvent

, aktualisiert am 12.08.2019 - 17:27 Uhr
Die Linie 249 ist eine von acht in und um Schorndorf, die von Knauss-Linienbusse betrieben wird. Das Unternehmen hat dieser Tage Insolvenz angemeldet. Foto: ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Schorndorf. Die Knauss-Reisen Dieter Frank GmbH & Co. KG., Schorndorf, hat Insolvenz angemeldet. Der Betrieb der von Knauss betriebenen Buslinien in und um Schorndorf ist nicht in Gefahr, teilt das Landratsamt Rems-Murr mit. In keiner Weise betroffen von der Insolvenz ist das Reisebüro, also die Firma Reisebüro Knauss Reisen D. Frank GmbH & Co. in Schorndorf.


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Am 8. August haben die Knauss-Reisen Dieter Frank GmbH & Co. KG, Betreiber der Schorndorfer Linienbusse 242 bis 249, und die Shuttle + Tour GmbH & Co. KG, Schorndorf, beim Amtsgericht Stuttgart einen Insolvenzantrag gestellt. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Dr. Wolfgang Bilgery von der Stuttgarter Anwaltskanzlei Grub Brugger. Für die 56 Knauss-Beschäftigten, darunter rund 50 Busfahrer, kam die Insolvenz völlig überraschend, sagt Andreas Schackert, Landesfachbereichsleiter Verkehr bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Stuttgart. Per Aushang habe die Geschäftsleitung am Mittwochfrüh die Mitarbeiter und den Betriebsrat informiert.

Warum ist Knauss-Reisen in finanzielle Schieflage geraten?

Wenig überraschend sind für Schackert jedoch die Probleme vieler baden-württembergischer Busunternehmen im Linienverkehr. Knauss sei nicht das erste Unternehmen im Land, das in finanzielle Schieflage geraten ist, und es werde nicht das letzte sein. Firmen, die sich wie Knauss an die Tarifverträge für private Omnibus-Unternehmen halten, ziehen den Kürzeren gegenüber den Unternehmen, die den Tarifvertrag unterlaufen und nur auf dem Papier tariftreu sind, sagt Schackert über den zunehmend unfairen Wettbewerb in der Branche. Vor Jahren haben die Landkreise die Busverkehre europaweit ausgeschrieben. Dabei sei es hauptsächlich um günstige Preis gegangen und nicht um die Qualität, völlig abgesehen von den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung der Busfahrer.

Grund für die finanzielle Schieflage ist der starke Preiswettbewerb im öffentlichen Personennahverkehr bedingt durch öffentliche Ausschreibungen, die europarechtlich vorgeschrieben sind, sagt Nora Sickeler, Rechtsanwältin in der Anwaltskanzlei Grub Brugger, über die Ursache der Insolvenz. Zuletzt mussten die Busfirmen Preise akzeptieren, die nicht kostendeckend seien.

Wie geht es mit den Buslinien weiter?

„Für den Monat August ist der Busverkehr vollumfänglich zugesichert“, teilt das Landratsamt Rems-Murr auf Anfrage mit. „Und auch für die Zeit danach sind wir bemüht, den ÖPNV aufrechtzuerhalten“, versichert eine Sprecherin der Behörde. Der Betrieb sei auch heute wie gewohnt aufgenommen worden.

Der Geschäftsbetrieb beider Unternehmen soll fortgeführt werden, schreibt der vorläufige Insolvenzverwalter, Dr. Wolfgang Bilgery von der Stuttgarter Anwaltskanzlei Grub Brugger. Wie Rechtsanwältin Nora Sickeler betont, ist es bislang zu keinen Einschränkungen im Busverkehr gekommen. Die Insolvenzverfahren sollen genutzt werden, zusammen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter nach Möglichkeiten einer Sanierung der Unternehmen zu suchen, um sie dauerhaft zu erhalten. Auch eine Veräußerung der Geschäftsbetriebe an Investoren komme in Betracht.

Busverkehre sind Sache der Landkreise. In den vergangenen Jahren sind im Rems-Murr-Kreis die Verkehre neu ausgeschrieben worden. Knauss hat den Zuschlag für die angestammten Schorndorfer Stadtverkehre erhalten, musste sich dafür aber finanziell ziemlich nach der Decke strecken, wie es dem Vernehmen nach heißt.

Welche Linien werden von Knauss-Reisen bedient?

Die 37 Busse werden überwiegend im Linienverkehr im Rems-Murr-Kreis eingesetzt. Ferner sind die Busse derzeit im Schienenersatzverkehr zwischen Göppingen und Geislingen im Einsatz. Knauss betreibt die Linien 242 (Schorndorf - Klinik-Spittler Stift - Grauhalde - Klinik - Bahnhof), 243 (Schorndorf - Urbach - Banrain - Plüderhausen), 244 (Schorndorf - Schornbach - Buhlbronn - Birkenweissbuch - Oppelsbohm), 245 (Schorndorf - Weiler - Rohrbronn - Hößlinswart), 246 (Schorndorf Bf - Steinbeissstraße - Erlensiedlung - Wiesenstraße), 247 (Schorndorf Bahnhof - Grauhalde - Alte Steige - Neuer Friedhof - Bahnhof), 248 (Schorndorf - Urbach - Plüderhausen) und 249 (Schorndorf - Urbach Banrain - Urbach Bahnhof).

Für die Stadt Schorndorf ist die Insolvenz ein Schock, sagt Manfred Beier, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht im Rathaus und dort für den ÖPNV zuständig. Zwar sei die Stadt nicht mehr für die Busse zuständig, doch ist die Sorge groß, dass der angestammte Betreiber der Stadtbusse, die Firma Knauss, in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Denn im Gegensatz zu anderen Städten und Gemeinden hat die Neuausschreibung der Busverkehre durch den Landkreis zu keinerlei Ärger bei den Fahrgästen geführt. In Backnang beispielsweise häuften sich die Beschwerden über den neuen Betreiber, dessen Fahrer oftmals ihre Strecken gar nicht kannten. Die Ausschreibung hat in Schorndorf sogar positive Auswirkungen. Zu denen Beyer kürzere Takte und häufigere Spätverkehre oder bessere Fahrplan-Informationen auf Bildschirmen in den neuen Niedrigflurbussen und Klimatisierung zählt. Allerdings, wie der Insolvenzantrag zeigt, offenbar zu nicht auskömmlichen Preisen.


Reisebüro Knauss nicht von Insolvenz tangiert

Dass „Knauss“ Insolvenz anmeldete, hatte sich in Schorndorf blitzschnell herumgesprochen. Das bekam das Reisebüro Knauss zu spüren, das unter Reisebüro Knauss Reisen D. Frank GmbH & Co. firmiert. Schon am Donnerstag fragten die ersten Kunden, ob womöglich ihre Reise gefährdet sei. Das Reisebüro und der Linienbus-Betreiber Knauss-Reisen sind jedoch jeweils selbstständige Unternehmen und wirtschaftlich in keiner Weise miteinander verflochten, betont Ute Marx, Geschäftsführerin des Reisebüros Knauss Reisen.

Bereits 2001 sind die beiden Firmen getrennt worden. Reisebüro Knauss und Knauss-Reisen haben jedoch die gleichen Wurzeln. 1928 hatte Adolf Knauss in Schorndorf seinen ersten Omnibus im Linien- und Mietwagenverkehr eingesetzt. 1963, das Streckennetz hatte sich bereits deutlich vergrößert, übernahm die Familie Frank die Geschäfte. Nach dem Tod des Vaters war das Reisebüro an Ute Marx gegangen. Den Linienverkehr übernahm der inzwischen verstorbene Bruder, dessen Frau Elke Frank heute die Geschäfte führt.

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