Schorndorf OB Klopfer: Warum er VfB-Präsident werden möchte

Oberbürgermeister Matthias Klopfer würde gerne VfB-Präsident werden. Das T-Shirt mit dem VfB-Wappen trägt er schon Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf. Kokettiert hat er immer wieder mal damit, dass er sich vorstellen könnte, VfB-Präsident zu sein – wenn er nicht Schorndorfer Oberbürgermeister wäre. Jetzt hält Matthias Klopfer beides für denkbar: Oberbürgermeister zu bleiben und gleichzeitig ehrenamtlich das Amt des VfB-Präsidenten zu bekleiden. Seine Kandidatur jedenfalls für den seit dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich verwaisten Posten hat er angemeldet.

Bis 15. September läuft die Bewerbungsfrist, drei Monate später soll der Präsident in der Neuauflage der vor ein paar Tagen wegen Problemen mit der technischen Infrastruktur abgebrochenen Mitgliederversammlung gewählt werden. Wobei noch nicht entschieden ist, ob der VfB, bei dem aktuell Jürgen Klinsmann als Vorstandsvorsitzender der VfB-AG im Gespräch ist, künftig mit einem ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Präsidenten agiert. Und wenn’s ein hauptamtlicher sein sollte und er für geeignet gehalten würde? Dann, sagt Matthias Klopfer, „würde ich es aus heutiger Sicht wohl vorziehen, Oberbürgermeister zu bleiben“– und zwar, fügt er hinzu, „ein genauso leidenschaftlicher Oberbürgermeister, wie ich es jetzt bin“.

Das Präsidentenamt würde er ehrenamtlich ausüben

Wie damals, als er sich von der Stelle eines parlamentarischen Geschäftsführers der SPD-Landtagsfraktion für eine Oberbürgermeister-Kandidatur in Schorndorf entschieden habe, so sei’s nach dem am Montag bekanntgewordenen Rücktritt von Wolfgang Dietrich auch diesmal eine schnelle Entscheidung gewesen, sagt Klopfer. „Ich mache das wie sonst auch: offen, transparent und mit allen Risiken“, sagt der 51-Jährige, dessen Bewerbung, die er noch nicht formal eingereicht hat, auf der Prämisse basiert, dass das Präsidentenamt ehrenamtlich ausgeübt wird. Und dies traue er sich zu, ohne in den Verdacht zu kommen, seine Aufgaben als Oberbürgermeister zu vernachlässigen.

Keine Sorge, mit einem Verlierer-Image behaftet zu sein

„Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich noch nie Stunden gezählt habe, und letztendlich zählt vor allem das Ergebnis“, sagt Matthias Klopfer mit Verweis auf sein „perfektes berufliches Umfeld“, das im Falle seiner Wahl aber natürlich noch einmal anders organisiert werden müsste. Wichtig ist ihm in diesem Zusammenhang auch die Klarstellung, dass er keinesfalls auf dem Absprung aus Schorndorf ist oder zumindest seinen allmählichen Abschied aus der Kommunalpolitik vorbereitet, um an einer ganz neuen Karriere zu basteln. Er bleibt dabei, dass Oberbürgermeister (s)ein Traum-Beruf ist, und glaubt auch nicht, dass ihm eine Wahlniederlage oder ein Rückzug von der angekündigten Kandidatur – „Wenn ein deutlich Besserer kommt, wünsche ich ihm und dem VfB viel Glück und gehe wieder zurück ins zweite Glied“ – persönlich schaden würde. „Ich habe keine Sorge, dass ich ein Verlierer-Image kriegen würde“, sagt er mit Blick darauf, dass er sich später einmal nicht selber vorwerfen möchte, nicht wenigstens versucht zu haben, eine Chance, die sich wohl nur einmal im Leben bietet, zu nutzen.

Er traut sich durchaus zu, Spaltungen zu überwinden

Vor der Schlangengrube beziehungsweise dem Haifischbecken VfB fürchtet sich Matthias Klopfer nicht. Im Gegenteil: Er traut sich als einer, der von außen kommt und niemand verpflichtet ist, durchaus zu, Spaltungen zu überwinden, indem er die Beteiligten zunächst einmal dazu bringt, wenigstens wieder anständig miteinander zu reden. Da seien in der Vergangenheit Grenzen teilweise deutlich überschritten worden, sagt der Oberbürgermeister, der durchaus anerkennt, dass es rund um so einen Verein 100 000 und mehr Menschen gibt, die der bessere Trainer, der bessere Sportvorstand und der bessere Präsident sind.

„Die Einkaufspolitik ist halt grandios gescheitert“

Aber bei alledem dürfe nicht vergessen werden, dass es nicht um Krieg und Frieden, sondern nur um Fußball und um die angeblich schönste Nebensache der Welt gehe, sagt Klopfer, der sich selber bislang als ganz normaler Fan sieht und gar nicht den Anspruch hat (und auch als Präsident nicht hätte), über jeden Spieler genauso Bescheid zu wissen, wie ein Scout oder der Trainer. Und auch eine tiefschürfende Analyse, wie es zum Abstieg des VfB in die Zweite Bundesliga kommen konnte, erlaubt sich Klopfer, der in den nächsten Wochen viele Gespräche mit Insidern und Funktionären führen will, (noch) nicht. „Die Einkaufspolitik ist halt grandios gescheitert“, ist seine einfache Erklärung.

„Wer nicht zu viel weiß, stellt eher die richtigen Fragen“

„Ich kann Menschen einbinden, Sitzungen leiten und Entscheidungen herbeiführen“, sagt Matthias Klopfer auf die Frage, welche Qualitäten er beim VfB Stuttgart einbringen könnte. Und vielleicht sei’s gar nicht von Schaden, einer zu sein, der nicht zu viel wisse, „weil man dann vielleicht eher die richtigen Fragen stellt“. Dass er als ehrenamtlicher Präsident zumal bei einem starken Aufsichtsratsvorsitzenden nur eine auf der Tribüne platzierte Marionette sein könnte, befürchtet Klopfer nicht. Umgekehrt müsse er aber auch nicht derjenige sein, „der immer im Rampenlicht und vor der Kamera steht“.

  • Bewertung
    35

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!