Schorndorf Palm-Preis für Stefica Galic und Josephine Achiro Fotelo Olum

Stefica Galic aus Bosnien (rechts) und Achiro Fotelo Olum aus dem Südsudan haben den Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs-und Pressefreiheit erhalten. Foto: Schneider / ZVW

Schorndorf. In der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf ist der Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit an die Journalistinnen Stefica Galic aus Bosnien und Josephine Achiro Fotelo Olum aus dem Südsudan verliehen worden.

Jedes einzelne Wort wäre es wert, hier aufzuschreiben. Denn die Sätze, die am Sonntag bei der Verleihung des Palm-Preises gesprochen wurden, taugen dazu, sie immer und immer wieder zu wiederholen.

Damit das, wovon Prof. Dr. Dr. hc. Heiner Bielefeldt, Theologe, Philosoph und Historiker, in seiner Rede sprach, nicht verloren geht: Das Weltvertrauen, das wir als Menschen brauchen und schützen müssen, das Weltvertrauen, ohne das kein Frieden möglich ist. Mit Auszeichnungen wie dem Palm-Preis werden Menschen geehrt, die mit ihrer Arbeit, ihrem Wirken Außergewöhnliches geleistet haben.

Die Journalistinnen Stefica Galic aus Bosnien und Josephine Achiro Fortelo Olum aus dem Südsudan sind solche Menschen: Beide haben sich, trotz massiver Gegenwehr, trotz Anfeindungen und Drohungen, die Fähigkeit zur Kritik und zum Zweifel, die Verpflichtung zur Menschlichkeit und zur Wahrheit erhalten. Ihre journalistische Arbeit ist deshalb eine wertvolle „Friedensarbeit“, wie es Heiner Bielefeldt in seinem Vortrag ausführte.

Zum neunten Mal wurde er nun verliehen, dieser Preis, der von Johann Philipp Palm gestiftet wurde und mit dem er über seine Lebenszeit hinaus im „Sinne der res publica“ wirken wollte. Wirken im Sinne der „öffentlichen Sache“, wie es Prof. Dr. Ulrich Palm in seiner Begrüßung formulierte, bedeutet, das Erbe weiterzuführen, dessen sich Johann Philipp Palm 1945 verschrieben hatte: „den radikalen Nationalismus zukünftig zu bekämpfen“.

Kampf gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit

Diesem Nationalismus, dessen Gift heute mehr denn je seine zerstörende Wirkung zeigt. Frauen, wie Stefica Galic und Josephine Achiro Fortelo Olum erheben ihre Stimme, um gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu kämpfen. Sie geben damit auch jenen eine Stimme, die das selbst nicht können. Preise wie der Palm-Preis verstärken diese Stimmen.

Wie wichtig diese Verstärkung, diese internationale Solidarität ist, das drückte auch die Preisträgerin Stefica Galic in ihrer bewegenden Rede mit einem Zitat von Martin Luther King aus: „Unsere Generation wird eines Tages nicht nur die bösen Taten der schlechten Menschen zu bereuen haben, sondern auch das furchtbare Schweigen der Guten.“

Und so hat jede Gesellschaft, jeder Einzelne eine Pflicht: Nicht zu schweigen angesichts von Unrecht, auch wenn dieses Unrecht scheinbar weit weg ist. Oberbürgermeister Matthias Klopfer forderte in seinem Grußwort deshalb auch dazu auf, „Haltung zu zeigen“. Haltung, wie es die rund 2000 Menschen jüngst bei der Demonstration gegen Rechtsextremismus in Schorndorf taten. Und wie es die beiden Ausgezeichneten mit ihrer Arbeit jeden Tag tun.

Journalistische Arbeit kann Friedensarbeit sein

Journalistische Arbeit in diesem Sinne verstanden, kann „Friedensarbeit“ sein. Ihr wohne ein „vertrauenstiftendes Potenzial“ inne, das die Demokratie brauche, so Professor Bielefeldt in seinem Festvortrag, Hannah Arendt zitierend. Doch dieses Vertrauen ist zunehmend gefährdet. Nicht durch Lügen an sich, sondern dadurch, so Bielefeldt, „dass das Aufdecken der Lügen keine Schamreflexe mehr auslöst“.

Dann, wenn wir uns nicht mehr schämen, wenn anderen Menschen Unrecht geschieht, wenn wir „verloren gehen in einem endlosen Getwitter“, statt nach der Wahrheit zu suchen, dann drohe „die Erosion des Weltvertrauens“, dann komme uns der „common sense“ - der gesunde Menschenverstand abhanden.

Diesen Boden des gesunden Menschenverstandes, der uns eint, brauchen wir aber, um „nicht ins Bodenlose zu stürzen“. Ohne diesen Boden gehe die Orientierung verloren, ohne ihn ist keine Kommunikation, möglich, die diesen Namen verdient. Reden wir aber nicht mehr miteinander, dann können wir auch nicht mehr gemeinsam handeln.

Verteidigerinnen der Menschenrechte

Heiner Bielefeldt warnte in seinem Vortrag vor dieser „Krise des Weltvertrauens“. Eine Krise, die sich dann in den öffentlichen Institutionen zeige, wenn etwa Korruption strukturell wird, wenn Menschen sich zurückziehen, weil sie ihren Institutionen nicht mehr trauen. Krisen, die sich darin zeigen, dass es keinen öffentlichen Raum mehr gibt, in dem die öffentliche und freie Rede geführt werden kann. Und Krisen, die sich darin zeigen, dass sie keine Kommunikation „über die eigenen Grenzen mehr erlauben“.

Kritischer und unabhängiger, an Fakten orientierter Journalismus spiele eine zentrale Rolle in der Überwindung dieser Krisen, mahnte Bielefeldt. Er stärke dieses für die Demokratie so wesentliche „kritische Vertrauen“. Und auch deshalb ist er den Autokraten dieser Welt so suspekt, „die wollen Gefolgschaft“, so Prof. Heiner Bielefeldt.

„Vertrauenskrisen sind keine schicksalhaften Entwicklungen“, so Prof. Bielefeldt. Journalistinnen wie die diesjährigen Palm-Preisträgerinnen sind Vorbilder, sind „Human Rights Defender“ - Verteidigerinnen der Menschenrechte. Recherchierende, kritische, mutige Journalistinnen tragen ganz wesentlich mit dazu bei, „dass Wahrheit diskutiert werden kann“, betonte Prof. Bielefeldt in seiner Rede die große Bedeutung des Menschenrechts auf Meinungs- und Pressefreiheit.


Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert

Der internationale Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit 2018 wurde an die Menschenrechtsaktivistin Stefica Galic aus Bosnien und die Radiojournalistin Josephine Achiro Fortelo aus dem Südsudan verliehen. Der Preis ist mit insgesamt 20 000 Euro dotiert und steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann. Mit dem Preis werden Frauen, Männer und Institutionen ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise für Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen.

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