Schorndorf Palm-Preis für zwei starke Frauen

Schorndorf. Der internationale Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit 2018 wird an die Menschenrechtsaktivistin Stefica Galic aus Bosnien und die Radiojournalistin Josephine Achiro Fortelo aus dem Südsudan verliehen. Mit dem Preis werden Frauen, Männer und Institutionen ausgezeichnet, die sich herausragend für Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen.

Stefica Galic ist eine bosnische Kroatin, die sich gegen den neu aufflammenden radikalen Nationalismus im ehemaligen Jugoslawien wendet und dessen Grenzen zu überwinden sucht. Bereits während des bosnisch-kroatischen Krieges (1993) verhalf sie zusammen mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann Nedo Galic Hunderten von Bosniaken, die aus ihrer Heimatgemeinde deportiert worden waren, mittels gefälschter Ausweispapiere aus der Lagerhaft zu entkommen.

Heute klärt Stefica Galic über die Verbrechen der bosnisch-kroatischen Armee HVO während der Jugoslawienkriege auf. Eine gemeinsame Zukunft aller Menschen in Bosnien hält sie nur für möglich, wenn die Schrecken der Vergangenheit aufgearbeitet und die Opfer um Vergebung gebeten werden. In Zeitungsartikeln, auf ihrem Internetportal „tacno.net“ und in Vorträgen benennt sie Täter und Tatorte ethnischer Säuberungen.

Stefica Galic gilt deshalb als Nestbeschmutzerin und ist offenen Bedrohungen, Drangsalierungen und sogar tätlichen Angriffen reaktionärer Nationalisten ausgesetzt. Von den staatlichen Institutionen erhält sie weder Schutz noch Hilfe. Dennoch gibt sie nicht auf und arbeitet unbeirrt weiter an der Aussöhnung aller Bevölkerungsgruppen in ihrem Land. Sie gibt damit ein außergewöhnliches Beispiel im Sinne des Preises.

Josephine Achiro Fortelo ist eine Radiojournalistin, die sich seit vielen Jahren in verschiedenen Funktionen für die Meinungs- und Pressefreiheit in ihrer Heimat Südsudan einsetzt. Als Direktorin des Radios „Bakhita“, das zu einem katholischen Radionetzwerk gehört, war sie für den Inhalt der Sendungen verantwortlich und wird seitdem in ihrem Land als „Stimme für die Menschenrechte“ wahrgenommen.

Gegenwärtig ist sie an verschiedenen Projekten in leitenden Stellungen beteiligt, um lokale Radiostationen zu stärken und für den Frieden zu werben. So ist sie u. a. Geschäftsführerin des Verbundes von Bürgerradios „ComNet South Sudan“, der von der Unesco unterstützt wird, und koordiniert das binationale Journalistennetzwerk „Cross-Border Network“, ein Projekt der Deutschen-Welle-Akademie.

Da ein Großteil der Bevölkerung nicht lesen kann und deshalb auf das Radio als Informationsmedium angewiesen ist, kann die Bedeutung dieser Arbeit für die Demokratie und den Friedensprozess im Südsudan kaum überschätzt werden.

Aufgrund ihrer journalistischen Tätigkeit sah sich Josephine Achiro Fortelo bereits mehrfach ernsten Bedrohungen ausgesetzt. Sie lässt sich hiervon jedoch nicht einschüchtern. In ihren Sendungen kommen Menschen unterschiedlicher Ethnien und verschiedener politischer Überzeugungen zu Wort. Sie diskutiert Tabuthemen wie Flucht und Vertreibung. Lautstark fordert sie die Menschenrechte ein.

Die Radiojournalistin Josephine Achiro Fortelo ist ein außergewöhnliches Vorbild für den Kampf um Meinungs- und Pressefreiheit als unerlässliche Voraussetzung der Demokratie.


Preisverleihung im Dezember

Das Kuratorium der Stiftung, das die Preisträger auswählt, hat seine Entscheidung bereits Mitte Mai getroffen. Es konnte dabei auf Vorschläge von Kooperationspartnern der Stiftung wie Amnesty International, Journalisten helfen Journalisten und Reporter ohne Grenzen zurückgreifen.

Der Preis ist mit 20 000 Euro dotiert und steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann.

Die Preisträgerinnen nehmen die Auszeichnung in einem Festakt am Sonntag, 2. Dezember, in der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf persönlich entgegen. Die Veranstaltung ist öffentlich und beginnt um 11 Uhr.

Die Festrede hält Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg, ehemaliger Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats.

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