Schorndorf Promigäste bei Bud-Spencer-Doku

Großer Auftritt für „Silberlocke“ Riccardo Pizzuti, Stephan Widlicky, Protagonist Marcus Zölter und Regisseur Karl-Martin Pold (von links) bei „Meet and Greet“ in der Kinobar des Traumpalasts. Foto: Büttner/ZVW

Schorndorf. Immer druff, ob mit Dampfhammer oder Doppelbackpfeife – für Bud-Spencer-Fans sind seine Schlägereien ein Genuss und haben mit Gewalt nichts zu tun. Buddy ist für sie der Größte. Und darum sind sie auch – aus ganz Deutschland – in den Traumpalast gepilgert, um bei der Sondervorstellung des Dokufilms „Sie nannten ihn Spencer“ Regisseur Karl-Martin Pold, Extrem-Fan Marcus Zölch und Spencers Prügelknaben Riccardo Pizzuti zu treffen. Und natürlich die Schorndorfer Widlicky-Brüder, die das alles eingefädelt haben.

Video: Kult-Prügelknabe Riccardo Pizzuti war bei der Vorführung des Bud Spencer-Dokumentarfilms zu Gast.

Halleluja, was für ein Abend: 50 Bud-Spencer-Fans, die jeweils mehr als 40 Euro ausgegeben haben, um mit einer Meet-and-Greet-Karte schon vor der Kinovorstellung diejenigen in der Kinobar zu treffen, die das Glück hatten, ihr Kindheitsidol persönlich zu kennen. Buddy-T-Shirts in allen Farben und Formen. Dazu: in jedem Gesicht ein breites Grinsen und die Gewissheit, an diesem Abend unter Gleichgesinnten zu sein – als Mitglied der großen Bud-Spencer-Familie. In Erinnerung an einen Helden, der sich durch unzählige Italowestern geprügelt, und dabei auch sprüchetechnisch kräftig auf den Putz gehauen hat.

Mit 83 Jahren noch immer in Topform

Schon die Pressekonferenz mit dem Wiener Regisseur Karl-Martin Pold, dem Protagonisten Marcus Zölch und Riccardo Pizzuti, der als „Silberlocke“ mit Abstand die meisten Doppelbackpfeifen und Dampfhammer des Haudraufs einstecken musste, ist ein großes Vergnügen. Das liegt natürlich an Showman Pizzuti, der mit seinen 83 Jahren noch immer in Topform ist, in Corrado Garritano aus Schorndorf einen begeisterten Dolmetscher gefunden hat und der den Fans das gibt, was sie verlangen: Ein großes Spektakel, in dem natürlich auch die Fäuste des Stuntmans durch die Luft fliegen.

Extremfans haben den Abend organisiert

Dass aber überhaupt dieser glückselige Abend im Traumpalast stattfinden konnte, das ist Stephan und Jörg Widlicky zu verdanken. Die Brüder aus Schorndorf sind Extremfans und haben Bud Spencer – vor seinem Tod im vergangenen Jahr – insgesamt sieben Mal getroffen und Terence Hill schon zum dritten Mal. Sie tragen Bud-Spencer-T-Shirts und -Tattoos – und haben ein paar Tausend Euro in den Film gesteckt, den der österreichische Regisseur Karl-Martin Pold eigentlich nur auf Druck einer riesigen Fangemeinde realisiert hat.

Stars beim Meet-and-Greet

Und jetzt haben die Widlickys es über die Meet-and-Greet-Aktion auch noch geschafft, Stars aus dem Buddy-Universum nach Schorndorf zu holen – und Kino-Mogul Heinz Lochmann für die Idee zu begeistern: Auch der bekommt am Mittwochabend das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Die Bud-Spencer-Filmausschnitte, die in der Kinobar in Endlosschleife auf den Bildschirmen laufen, kann er problemlos zuordnen. In den 70er- und 80er-Jahren, erinnert er sich, liefen die in seinem Kino mit großem Erfolg rauf und runter. Er ist Fan, „aber nicht so verrückt wie die Widlickys“.

Bud Spencer: Kindheitsidol und die beste Therapie

Noch verrückter können eigentlich nur die beiden Fans sein, von der die Roadmovie-Dokumentation „Sie nannten ihn Spencer“ erzählt: Marcus aus Augsburg, der Bud Spencer unbedingt treffen musste, weil seine Filme für ihn nach einem schweren Skiunfall, bei dem er sich das Genick brach, die beste Therapie waren. „Ich musste ihm persönlich danken“, sagt er heute, nachdem er es geschafft hat, wieder auf eigenen Füßen zu stehen, mit seinem Kindheitsidol zu sprechen und ihm eine Buddy-Marionette zu überreichen. Als ihm die Ärzte nach dem Unfall prophezeiten, er werde wohl den Rest seines Lebens im Rollstuhl sitzen müssen, hat er sich nur noch die Lieblingsfilme aus seiner Kindheit angeschaut: „Das war das Einzige, über das ich noch lachen konnte“, sagt der 39-Jährige beim Pressegespräch und hatte in Jorgo aus Berlin einen kongenialen Partner, mit dem er sich in einem klapprigen VW-Bus quer durch Europa auf die Suche nach dem großen Star machen konnte. Blind von Geburt an und ausgestattet mit viel Witz und Humor, war der charmante 45-Jährige für Regisseur Karl-Martin Pold die zweite Idealbesetzung für sein Acht-Jahres-Projekt. So viel Zeit verging von seinem fiktiven Trailer, den der angehende Film- und Medienwissenschaftler für seine Diplomarbeit ins Internet stellte, bis zum fertigen Film. Aus der ganzen Welt haben sich damals elektrisierte Fans bei ihm gemeldet und gefragt, wann die Bud-Spencer-Doku endlich ins Kino komme.

Film mit Crowdfunding finanziert

Und obwohl die Filmförderanstalten abwinkten, ließ er sich nicht entmutigen und realisierte die verrückte, 650 000 Euro teure Idee mit Hilfe der großen Fangemeinde – über eine Crowdfunding-Aktion, an der sich natürlich auch die Widlicky-Brüder finanziell beteiligten, etliche Fress-Pakete für das Film-Team packten und im Gegenzug nicht nur ein Bud-Spencer-Autogramm bekamen, sondern bei der Premiere des Films im Juni in München mit über den roten Teppich laufen durften. Sie sind auch im Film zu sehen, allerdings nur ein paar Sekunden lang: Weil die Zweieinhalb-Stunden-Fassung fürs Kino zu lang war, ist ausgerechnet ihr Auftritt rausgeflogen. Aber vielleicht, stellt Pold in Aussicht, „sind sie in der Blue-Ray-Fassung drin“. Der Film jedenfalls ist bei der Kritik und den Fans auf ein „überwältigendes Echo gestoßen“, freut sich der Regisseur, auch wenn er sich natürlich noch mehr Zuschauer gewünscht hätte.

200 Fans aus ganz Deutschland

Mit dem Publikum im Traumpalast konnte er aber sehr zufrieden sein: Applaus vor, während und nach dem Film, für den Heinz Lochmann seinen größten Kinosaal geöffnet hatte. Und die 200 Fans sind aus ganz Deutschland nach Schorndorf gepilgert: Michael Pesch kommt aus der Nähe von Köln und hat am Mittwochnachmittag fünf Stunden Autofahrt auf sich genommen. Zweimal hatte der 37-Jährige das Glück, Bud Spencer zu treffen: bei Signierstunden in Hamburg und Düsseldorf. Nach der Doku, die er sich schon einmal angeguckt hat, geht’s direkt wieder nach Hause – „und weiter nach London zum FC Köln“.

Ohne Hass und Blutvergießen

Und mag einem Berliner Fan die Air-Berlin-Pleite einen Strich durch die Rechnung gemacht haben, Fabian Ullrich und Daniel Wagner aus Ilmenau in Thüringen konnte nichts aufhalten. Für die beiden 29-Jährigen ist ein solcher Termin ein Muss – und Bud-Spencer-Filme sowieso das Größte: Ohne Hass und Blutvergießen, am Ende gewinnen die Guten – und die schnoddrigen Kult-Sprüche, die in der deutschen Version viel witziger sind als im italienischen Original, „sind der Hammer.“ Marcus und Johannes Dauser hatten’s nicht ganz so weit: Sie kommen aus Aalen und Tannhausen bei Ellwangen und kriegen schon vor dem Filmstart das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Sie haben Bud Spencer bei der Umbenennung des Gmünder Freibads kennengelernt, damals ein gemeinsames Foto mit ihrem Star ergattert und finden’s „einmalig“, dass sie jetzt auch noch „Silberlocke“ Pizzuti live erleben können. Bud Spencer ist für die Brüder der Größte: „Er verkörpert das Gute im Menschen.“

Autogramme und Fotos

Trotz fliegender Pfannen und Fäuste: von Gewalt keine Spur. Das begeistert auch Nicole Putscher, die für das Ereignis auch eine beachtliche Fahrt auf sich genommen hat: Die 40-Jährige kommt aus Geretsried in der Nähe von Bad Tölz und ist eine der wenigen Frauen, die nicht nur als Begleitung zum Bud-Spencer-Abend gekommen sind: Gleich zweimal hat sie sich angestellt, um erst ein Autogramm und dann auch noch ein Foto mit ihren Helden zu ergattern. Bud Spencer ist für sie eine Vaterfigur. Keine Frage: „Solche Filme wird’s nie wieder geben.“ Davon ist auch Martina Juraschek aus Schorndorf überzeugt: Bud-Spencer-Filme sind für die 36-Jährige ein großes Märchen: „Es geht immer gut aus und es gibt keine Toten.“

Carlo Pedersoli

Schnoddrige Sprücheklopfer statt Bösewichte, Klamauk-Schlägereien ohne Hass und Gewalt – das Konzept, das Regisseur Enzo Barboni in den 1970er Jahren für den Italowestern entwickelte, funktioniert bis heute: Bud Spencer, der mit richtigem Namen Carlo Pedersoli hieß, ist eine Legende. Er starb im vergangenen Jahr. Für seine riesige Fangemeinde – es gibt mehr als 5000 Spencer-Hill-Gruppen – ist er aber immer noch lebendig.

Zur großen Fangemeinde gehören auch Jörg und Stephan Widlicky aus Schorndorf. Sie haben die Sondervorstellung im Traumpalast möglich gemacht. Die Spenden, die sie am Mittwochabend für Autogrammkarten gesammelt haben, kommen dem Schulkindergarten für Körperbehinderte „Pusteblume“ in Schorndorf zugute.

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