Schorndorf Rätselraten um neue Seniorenparkplätze

Die soziale Kontrolle soll’s richten. Die Fürsprecher der Seniorenparkplätze hoffen auf die Solidarität der Parkenden, die noch gut zu Fuß sind. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Schorndorf.
So manche Diskussion hat’s in Schorndorf auf dem Unteren Marktplatz in letzter Zeit gegeben. Seit dem Abbau der Langen Tafel und der Neugestaltung des Parkplatzes warten nämlich zwei ausgewiesene Seniorenparkplätze auf Kundschaft. Optiker Benjamin Hehner, der durch sein Schaufenster hindurch beste Sicht auf die beiden Stellplätze hat, kann nach rund drei Wochen ein kritisches Fazit ziehen. „Bestenfalls 50 Prozent der Menschen, die dort aus ihren Autos aussteigen, sind Senioren“, schätzt er. „Die anderen gucken sich kurz schuldbewusst nach links und rechts um und gehen dann weiter.“ Das Auto bleibt indes stehen. Immerhin seien es tatsächlich die Parkplätze, die üblicherweise zuletzt belegt würden. Eine gewisse Ehrfurcht vor dem Parkschild sei also wahrzunehmen.

Auch andere Gewerbetreibende vor Ort konnten bereits eine gewisse Verwirrung bei den Parkenden feststellen: Wann ist man alt genug für den Stellplatz? Wer ist noch zu fit, um den Stellplatz nutzen zu können? Manch echauffiertes Gespräch hat Carl Schill vom Modehaus am Platz schon mitbekommen, berichtet er. Und zwei ältere Damen, die gerade über den Marktplatz laufen, finden die Idee der besonderen Parkplätze super. „Ich würd’ mich sofort hinstellen“, erklärt die knapp 70-Jährige, die noch recht gut Fuß ist. Sie findet allerdings, dass die Stellplätze doch recht schmal sind, wenn man bedenke, dass womöglich auch Menschen mit Bewegungseinschränkungen aus ihrem Auto aussteigen müssten. „Die müssen die Türen ja richtig weit aufsperren.“ Diese Vermutung bestätigt auch Herbert Schuck, Fachbereichsleiter Infrastruktur bei der Stadt. Die Seniorenparkplätze sind mit 2,50 Metern normal breit, nur die benachbarten Behindertenparkplätze haben eine Breite von 3,50 Metern. Die zwei Stellplätze sollen vorläufig ein Test sein, wie das Angebot in der Daimlerstadt angenommen werde. „Wenn das nicht funktioniert, sind die Schilder auch schnell wieder weggeschraubt.“

Appell an die Solidarität

Dr. Heinz Jürgen Kopmann, der Vorsitzende des Schorndorfer Seniorenforums, und Stadtrat Werner Neher appellieren unterdessen an die Solidarität der Schorndorfer untereinander. Schließlich seien die Parkplätze wirklich für jene betagten Autofahrer gedacht, die außerdem in irgendeiner Form bewegungseingeschränkt sind, aber nicht die Kriterien für einen Schwerbehindertenausweis erfüllen. Allein über 60 Jahre alt zu sein, reiche als Grund für die Parkplatznutzung im Grunde nicht aus. Gleichzeitig sollten aber auch durchaus solche Leute die Parkbuchten nutzen dürfen, die jünger sind, dafür aber ebenfalls in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

Zu den Parkplätzen war es gekommen, nachdem Dr. Heinz-Jürgen Kopmann sich im Technischen Ausschuss für die Errichtung solcher Parkplätze eingesetzt hatte. Auch die Stadträte Werner Neher und Miriam Müller von der Grünen Liste hatten gleich mehrere dieser Art gefordert. Neher hatte von etlichen Erfolgsgeschichten von Seniorenparkplätzen in anderen Städten gehört und wünschte sich einen ähnlichen Service auch für die Daimlerstadt. Um die Anregung des Seniorenforums zu wertschätzen, hatte sich die Gemeindeverwaltung dazu entschieden, zwei solcher Stellplätze auszuweisen. Eine Abstimmung im Gremium sei nicht möglich gewesen. Über das Anwohnerparken und die Ausweisung von Behindertenparkplätzen hinaus ist eine Privilegierung nicht möglich.

Es darf nicht verwarnt oder abgeschleppt werden

Lediglich das jetzt durchgeführte Ausweisen gesonderter Parkplätze war möglich – dies versehen mit der Bitte, beim Parken besondere Rücksicht auf Senioren zu nehmen. Verwarnt oder gar abgeschleppt werden darf hier aber nicht.

Wäre es nach Werner Neher gegangen, hätten die Parkplätze noch verbindlicheren Charakter bekommen: Senioren, die eine gewisse Beweglichkeitseinschränkung vorweisen, aber nicht die Kriterien für einen Schwerbehindertenausweis erfüllen, hätten sich nach seinem Vorschlag ein Stellrecht mieten und dafür einen Ausweis erhalten können. Dann hätte das Schild auch eine rechtliche Relevanz gehabt.

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