Schorndorf Riani: Outlet mit besonderem Konzept

Jürgen, Martina und Mona Buckenmaier (v.l.n.r.) freuen sich über noch mehr Nachhaltigkeit und Fairness in ihrem Angebot. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf.
Riani will sich in Schorndorf vergrößern. Zwischen dem bestehenden Gebäude und der Bundesstraße soll im kommenden Jahr ein Outlet des Schorndorfer Modeunternehmens entstehen. Aber nicht nur die unverkaufte Ware der vorhergehenden Saison soll auf 800 Quadratmetern hier zu bekommen sein. Auch ein Riani-Café mit „Kaffeele und Küchle“ ist geplant, erklärt Jürgen Buckenmaier.

Die Kunden sollen auf insgesamt 2500 Quadratmetern Zeit verbringen und nach schöner Mode gucken können. Ein Kinderkino soll Sprösslingen modebewusster Mütter die Wartzeit verkürzen. Außerdem soll der Spa-Bereich ins neue Gebäude einziehen. Denn im Hauptgebäude braucht’s mehr Platz, wenn Tochter Mona Buckenmaier in die Geschäftsführung aufsteigt, berichtet Martina Buckenmaier.

Und weil Grün quasi das neue Schwarz ist – findet es sich auch in den Erweiterungsplänen im Gewann Steinwasen wieder. Entlang der Outlet-Fassade sollen an einem Geflecht Pflanzen in die Höhe wachsen. Geheizt wird mit Erdwärme – wie übrigens auch schon im bestehenden Gebäude der Firmenzentrale. Und überhaupt sei die Einrichtung eines Outlets an sich schon nachhaltig, findet Mona Buckenmaier. Während andere Unternehmen nicht Verkauftes einfach zerstörten, können in Zukunft Riani-Liebhaberinnen übrig gebliebene Waren zu einem günstigeren Preis kaufen.

Übrige Stoffe werden zu kleiner Kollektion

Aber noch eine Besonderheit soll’s geben: Aus übrig geblieben Stoffen sollen neue Kleidungsstücke nach bewährten Schnitten angefertigt werden. Die sind dann ausschließlich im Outlet zu bekommen. Dafür geben die Schneidereien am Ende ihrer Arbeit für die aktuelle Kollektion Rückmeldung, wie viel Meter von bestimmten Stoffen noch übrig sind. Je nachdem, wie oft ein fürs Material tauglicher Schnitt noch daraufpasst, entstehen größere oder kleinere, limitierte Sonderauflagen. „Und dann gibt’s das Kleid eben nur 44-mal“, erklärt Martina Buckenmaier die Idee.

Was bis zur Eröffnung des Outlets mit überzähligen Kleidungsstücken passiert? „Bisher ist gar nicht so viel übrig geblieben“, berichtet Mona Buckenmaier. Oft habe man restliche Stoffe aufarbeiten können – auch im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Zauberfaden-Werkstatt. Hinzu kommt, dass die jeweilige Kollektion erst dann produziert wird, wenn nach den Fashion-Weeks die Bestellungen der Kunden eingegangen sind. Erst dann ist klar, wie viele Kleider in welchen Größen verkauft werden können. Und so wird auch produziert – ganz nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit.

Ein eigenes Etikett, das neuerdings an den Kleidern angebracht wird, soll die Kundinnen über weitere Bemühungen des Unternehmens in dieser Hinsicht informieren. Schließlich würden die Themen Fairness und umweltschonende Produktion immer wichtiger – und sind im Übrigen für manchen Kunden sogar kaufentscheidend. „Wir machen damit im Grunde öffentlich, was wir schon seit langem praktizieren“, erklärt Mona Buckenmaier.

Riani verzichtet konsequent auf sogenanntes Mulesing

Angesichts der Ausbeutung, unter der Angestellte etlicher Textilhersteller in fernen Ausland leiden, will man bei Riani klarstellen, dass sich die eigenen Stoffproduzenten und Schneidereien hauptsächlich in Europa befinden. So manche Zusammenarbeit bestehe sogar bereits seit 40 Jahren, wirft Jürgen Buckenmaier ein. Und das sei ja wohl der beste Beweis dafür, dass alle gut davon leben könnten. Zudem sei man regelmäßig vor Ort und überzeuge sich selbst davon, dass die Arbeitsbedingungen in Ordnung seien.

Zudem verzichtet Riani konsequent auf sogenanntes Mulesing. Das bezeichnet eine Methode, mit der Schafe vor Fliegenbefall frei gehalten werden. Für die Tiere ist das sehr schmerzhaft, weil die Haut rund um den Schwanz dafür entfernt wird und die Wunde danach eigenständig heilen muss. „Es ist ziemlich schwierig, Mulesing-freie Wollware zu bekommen“, berichtet Mona Buckenmaier. Und bekommt man sie doch, seien die Preise entsprechend. Das sei schon ein Investment gewesen.

Ein umweltbewusster Herstellungsprozess ist den Verantwortlichen im Schorndorfer Modehaus außerdem wichtig. Die verwendeten Stoffe benötigen eine geringere Verwendung von Schweröl, Müll wird recycelt und der CO2-Ausstoß so gering wie möglich gehalten. Bestes Beispiel dafür sei die „grüne Jeans“, die im Übrigen klassisch blau daherkommt. „Die haben wir schon immer so produziert, wir haben nichts für das Zertifikat umgestellt“, erklärt Martina Buckenmaier. „Aber die kostet dann halt auch das, was sie kostet.“

Riani will Kunden über die verwendeten Produkte aufklären

Auch werden manche Stoffe aus recyceltem Material hergestellt. Speziell bei der Herstellung synthetischer Stoffe sei das möglich – ein Plissee-Rock aus Plastikflaschen gar? „Im Grunde schon“, bejaht Geschäftsführer Jürgen Buckenmaier. Die kleinen Fältchen wären nämlich in Baumwollstoffen nicht von langer Dauer.

Und weil Nachhaltigkeit für Riani auch mit sozialem Engagement zu tun hat, ist auch das symbolisch auf dem neuen Etikett zu finden. Dahinter steht konkret der Einsatz rund um die Zauberfaden-Werkstatt. Immerhin – die Kooperation besteht schon lange. Als kleines Geschenk für die Riani-Besucher auf der Fashion-Week in Berlin haben die Mitarbeiter der Nähwerkstatt Kissen aus nicht verarbeiteten Stoffen hergestellt.

Weshalb man sich im Haus Riani eigene Labels gebastelt hat, statt die vorhandenen zu verwenden? „Zum einen gibt’s eine wahre Flut an Zertifikaten, wem soll man da jetzt vertrauen“, erklärt Mona Buckenmaier. Zum anderen dürften manche Zertifikate nicht verwendet werden, wenn nur ein falscher Knopf mit fehlender Zertifizierung an der Hose sitze. Und das, obwohl womöglich alle Elemente des Kleidungsstücks nachhaltig hergestellt wurden. Dennoch wolle man die Kunden über die verwendeten Produkte aufklären. Längst sei die Angebotspalette nicht durch und durch nachhaltig. „Wir können nicht alles sofort und komplett umstellen, aber wir sind auf einem gemeinsamen Weg dahin“, erklärt Martina Buckenmaier. Bei all dem sei man außerdem bestrebt, die Durchschnittspreise der Kollektionen nicht anzuheben.

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