Schorndorf Schorndorf bekommt ein Jugendcafé

Symbolbild. Foto: pixabay.com / CC0 Creative Commons

Schorndorf. Seit fast elf Jahren diskutiert die Stadt bereits über ein Jugendcafé. Nun hat der Verwaltungs- und Sozialausschuss des Gemeinderats den Weg für ein Modell unter kirchlicher Trägerschaft frei gemacht. Viel Lob gab es für die Jugendinitiative Schorndorf, die das Projekt maßgeblich vorangetrieben hat.

„Das könnte eine denkwürdige Abstimmung werden“, sagte Bürgermeister Edgar Hemmerich gleich zu Beginn der Sitzung am Donnerstagabend. Denn nicht zum ersten Mal wurde in diesem Gremium über die Möglichkeiten eines Jugendcafés in Schorndorf diskutiert. Doch in den letzten elf Jahren fanden sich immer Gründe, die dagegen sprachen.

Schorndorfer Jugendliche haben das Projekt maßgeblich vorangetrieben

Die Idee für ein solches Café ist also nicht neu. Das Forum, in dem das Konzept erarbeitet wurde, hingegen schon. Stefan Semjancuk von der Jugendinitiative Schorndorf (JIS) war in den letzten Monaten maßgeblich daran beteiligt und sprach darüber am Donnerstag vor dem Verwaltungs- und Sozialausschuss. Ausgangspunkt war demnach das Jugendforum im November 2017, an dem rund 120 Jungen und Mädchen aus Schorndorf teilnahmen.

Dabei sei der Wunsch nach einem Jugendcafé erneut geäußert worden. Eine Projektgruppe habe sich im Anschluss mit dem Thema beschäftigt und das Gespräch mit Stadt und Kirche gesucht. Als Projektpate habe SPD-Gemeinderat Marcel Kühnert fungiert. Bei den Gesprächen seien sie dann auf den CVJM gestoßen, der sich nicht nur eine Zusammenarbeit vorstellen konnte, sondern auch seinen Turnraum zur Verfügung stellen würde.

Zwei mögliche Modelle legte Jugendreferent Peter Komhard dem Verwaltungsausschuss dann stellvertretend für die JIS zur Abstimmung vor. Eines, das mit einer 50-Prozent-Stelle unter städtischer Trägerschaft verbunden wäre, für den allerdings noch ein Bürostandort gefunden werden müsste. Außerdem ein Modell unter der Trägerschaft des evangelischen Kirchenbezirks Schorndorf in den Räumlichkeiten von CVJM und Evangelischem Jugendwerk am Kirchplatz 11. Vorgesehen ist hierbei eine Kombination aus einer 50-Prozent-Stelle für das Jugendcafé, für die der Jugendreferent der Stadt die fachliche Leitung hat sowie einer 50-Prozent-Stelle für Jugendarbeit und Schule des Kirchenbezirks, die von der Stadt bezuschusst wird.

Diese Kombination würde viele Möglichkeiten eröffnen und die Stelle zugleich attraktiv machen, sagte Komhard. Zusätzlich soll eine FSJ-Stelle begleitend eingerichtet werden. Als Büro und Dienstort ist der Kirchplatz 11 vorgesehen, wo auch das Café entstehen soll. Die Projektzeit ist auf drei Jahre angelegt.

Alle Fraktionen begrüßten das von der JIS erarbeitete Konzept, das eine kirchliche Trägerschaft vorsieht. Als „richtig gut“ bezeichnete es die SPD-Rätin Heidi Rapp, die sich begeistert zeigte, dass es nun endlich Fortschritte gebe bei der Einrichtung eines Jugendcafés. Der zentrale Standort sei ideal und die Räumlichkeiten auch, das wisse sie, die in jüngeren Jahren im Garten des CVJM einst Indiaca gespielt habe, aus eigener Anschauung. Für seine Unterstützung bedankte sie sich deshalb bei Stefan Lutz, dem Jugendreferenten des CVJM.

Auch Peter Erdmann (FDP-FW) sprach sich für das Modell mit kirchlicher Trägerschaft aus. Das sei „grundsätzlich der richtige Weg“. Er verband die Zustimmung seiner Fraktion aber mit einem kleinen Seitenhieb auf die Jugend der Stadt, „die bislang immer nur konsumieren wollte“ und sich die lange Wartezeit deshalb selbst zuzuschreiben habe. Erstmals seit die Idee aufkam, seien nun Jugendliche am Werk, die nicht nur fordern, sondern auch mit anpacken und helfen wollen. Was Erdmann ausdrücklich begrüßte.

Für den einstimmigen Beschluss gab es Applaus von den Gemeinderäten

„Mit sehr viel Wohlwollen“ nahm Matthias Härer von der CDU-Fraktion zur Kenntnis, dass es nun einen Startschuss für ein Jugendcafé gibt. Die Kooperation mit der Kirche sei aus seiner Sicht eine Lösung, die Jugendliche gut einbinde und ihnen zugleich mehr Freiheiten biete, als wenn die Stadt die Trägerschaft übernimmt.

„Schön, dass Sie sich so reingekniet haben“, sagte Nadia Pagano (Grüne) – und meinte damit vor allem die Jugendinitiative Schorndorf, die ein „schönes Modell“ erarbeitet habe, dem ihre Fraktion vorbehaltlos zustimmen werde.

„Es hat lange gedauert, aber die Idee ist gut“, sagte Bürgermeister Thorsten Englert, der jedoch darauf hinwies, dass noch ein Deckungsvorschlag für das Café fehle.

Der Beschluss fiel schließlich einstimmig aus – was von einigen Ausschussmitgliedern mit begeistertem Applaus quittiert wurde. Die Entscheidung für das Jugendcafé muss zwar noch am 21. Juni vom Gemeinderat abgesegnet werden. Eine Ablehnung wäre aber eine dicke Überraschung.

Hemmerich bekam also, wie erhofft, seine denkwürdige Abstimmung – und die Schorndorfer Jugendlichen endlich die Zustimmung für ein eigenes Café.


Geplante Kosten

Der städtische Anteil an den Personalkosten beträgt maximal 31 000 Euro für die Stelle im Jugendcafé sowie etwa 4000 Euro für den Zuschuss der FSJ-Stelle.

Der Umbau ist mit Kosten von 20 000 Euro veranschlagt, weitere 15 000 Euro sind für die Einrichtung des Cafés und 1000 Euro für die technische Ausstattung des Büros vorgesehen.

Die jährlich laufenden Kosten inklusive Sach- und Nebenkosten belaufen sich auf 6000 Euro.

  • Bewertung
    7
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!