Schorndorf Sozialarbeiterin belästigt: Fünf Monate Haft

Symbolbild. Foto: Schneider / ZVW

Schorndorf. Seine Sozialarbeiterin habe ihm Geld für Marihuana gegeben, mit ihm geschlafen und sei dann von ihm schwanger gewesen. Das behauptet ein 24-jähriger Asylbewerber, der mit einem Feuerlöscher ihr Büro verwüstete. Wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und übler Nachrede musste der Angeklagte sich vor dem Schorndorfer Amtsgericht verantworten.

Der Angeklagte humpelt  auf Krücken den Gang des Gerichts in Schorndorf entlang, begleitet von einem großen Polizeiaufgebot. Es ist das dritte Mal, dass seine Verhandlung auf der Tagesordnung steht; zu den ersten zwei Terminen erschien er nicht. Besonders schwerer Diebstahl wird ihm vorgeworfen sowie Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und üble Nachrede. Es laufen gleich mehrere Verfahren gegen ihn. Die Richterin Petra Freier schickt aber dann doch einen Großteil der Polizeibeamten wieder weg, als der Angeklagte verspricht, die Ruhe zu bewahren.

Gedichte und Lieder aufs Handy geschickt

Der 24-jährige Mann ist seit zweieinhalb Jahren in Deutschland und macht eine Ausbildung bei einer Elektrikfirma. Sein Arbeitgeber ist zufrieden mit ihm, doch in einem Asylbewerberheim in Rudersberg machte er von Anfang an Probleme. Weil er keine dritte Person als Mitbewohner akzeptieren wollte, stand er täglich im Büro der Sozialarbeiter, brüllte und riss Papiere von den Wänden. Einer der Sozialarbeiterinnen schickte er Gedichte und Lieder auf das Diensthandy. Laut Aussage des Angeklagten hätte sie schließlich eine Beziehung mit ihm angefangen, sei schwanger geworden und habe das Kind verloren. Außerdem soll sie den Asylbewerbern Geld für Marihuana gegeben und dieses mit ihnen geraucht haben.

Sozialarbeiterin bestreitet Verhältnis

Ganz anders sieht das die Sozialarbeiterin selbst. Sie habe kein Verhältnis mit dem Angeklagten gehabt. Bei Annäherungsversuchen seinerseits erklärte sie ihm, dass eine solche Beziehung aufgrund des Autoritätsverhältnisses unangebracht wäre. Als er ihre Einwände nicht akzeptieren wollte, erzählte sie ihm schließlich von ihrem Freund, schickte Beweisbilder mit dem Diensthandy, um ihre Beziehung zu belegen. Weil der Mann weiterhin Probleme bereitete, wurde er schließlich verlegt und erhielt Hausverbot im Asylbewerberheim.

Trotzdem sei er immer wieder aufgetaucht, habe sich in Zimmern versteckt und versucht Kontakt mit der Sozialarbeiterin aufzunehmen. Auch ein selbstgedichtetes Lied, in dem er behauptet, die Sozialarbeiterinnen dort schlafen alle mit Flüchtlingen, habe er ihr auf das Diensthandy geschickt. Zusammen mit der Aussage, sie solle gar nicht erst wieder nach Rudersberg kommen, da das Lied dort bald alle singen würden.

Büro der Sozialarbeiterin verwüstet

Am 27. Juli letzten Jahres dann der Eklat: Mit einem Feuerlöscher soll der Mann die Tür zum Büro der Sozialarbeiterin eingeschlagen und ihr Büro verwüstet haben. Beschädigt wurden auch einige teure Geräte. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 2000 Euro. Auch einige Schlüssel fehlten laut Bestandsaufnahme der Polizei, weshalb die Anklage sich zunächst auf einen Fall besonders schweren Diebstahls berief. Als sich im Laufe der Verhandlung herausstellte, dass die Schlüssel auch im Chaos verloren gegangen sein könnten und der Angeklagte kein klares Motiv hatte, die spezifischen Zimmerschlüssel zu klauen, wurde das Verfahren aber auf  Sachbeschädigung beschränkt.

Die Polizei fand den Angeklagten zwar nicht mehr vor, als sie am Tatort eintraf, aber einer der anderen Asylbewerber sagte aus, den Mann gesehen zu haben, wie er mit dem Feuerlöscher die Tür einschlug. Den Rest der Tat habe er nur gehört. Die Sozialarbeiterin selbst war nicht vor Ort, da sie einen Auswärtstermin hatte, rief aber dann auf Hinweis des Zeugen ihre Kollegin an. Auch zuvor hatten die Sozialarbeiterinnen der Unterkunft schon öfters die Polizei gerufen, um zu melden, dass der Angeklagte sich nicht an das Hausverbot hielt. Angetroffen hatte diese ihn allerdings nie.

Aufgewühlt und verängstigt

Nicht nur dem Asylbewerberheim, auch der Sozialarbeiterin darf sich der Angeklagte seit letztem Jahr nicht nähern. Auf die Frage der Richterin, ob der 24-Jährige sich auch an das Annäherungsverbot hielt, berichtete die Sozialarbeiterin, dass der Mann sie Mitte Dezember erneut belästigt habe. Es hätte an der Tür geklopft, aber als sie aufmachte, sei niemand da gewesen. Kurz darauf klingelte ihr Telefon: Der Angeklagte teilte ihr mit, dass er geklopft habe und drohte, sie bei lebendigem Leibe zu verbrennen.

Da die Polizeistelle in Rudersberg schon geschlossen hatte, entschied sich die Sozialarbeiterin dazu, schnell das Grundstück zu verlassen. Ihre Kollegin war zur Sicherheit am Telefon während sie zum Auto lief. Wie ein Polizist vor Gericht aussagte, machten die Frauen, die sich immer wieder an ihn wendeten, einen aufgewühlten und verängstigten Eindruck – weil ständig die Gefahr bestand, der Mann würde wieder auftauchen.

Fünf Monate Haft ohne Bewährung

Der Staatsanwalt traute dem jungen Mann kein rechtstreues Verhalten zu, denn „er hat seine Vorstellung, wie die Dinge zu laufen haben.“ Von Seiten der Verteidigung wurde nur um die Möglichkeit einer Bewährung gebeten, aber grundsätzlich mit der Länge der Strafe übereingestimmt. Das letzte Wort hatte der Angeklagte, welcher sich zwar entschuldigte, aber auf seiner Sicht des Tathergangs beharrte.

Unter anderem deshalb verurteilte Petra Freier den Angeklagten zu fünf Monaten Haft ohne Bewährung. Als Begründung nannte sie die mangelnde Einsichtigkeit des Angeklagten, die Aussagen der Polizei zu seiner Beratungsresistenz und seinen fehlenden Respekt vor staatlicher Ordnung. Sie sehe keinerlei Willen des Angeklagten, sein Verhalten zu ändern.

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