Schorndorf Tiny House: "So ökologisch wie möglich"

Erschöpft aber glücklich: Madeleine Krenzlin in ihrem künftigen "Schlafzimmer". Foto: Büttner/ZVW

Schorndorf/Winterbach. Schafwolle in den Wänden, Lehmfarbe für den Innenraum und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach– die Winterbacherin Madeleine Krenzlin hat sich das Ziel gesetzt, das Minihaus, das sie in einer Haubersbronner Werkstatt baut, so ökologisch zu gestalten, wie es nur machbar ist. Dabei stößt sie aber nicht nur an finanzielle Grenzen, im mobilen Tiny House sind auch Gewicht und Platz ein Problem.

Eigentlich könnte so ein Minihaus völlig autark sein. Das Wasser kommt aus einem Tank, der über der Achse des Anhängers ruht, auf dem das Haus gebaut wird. Strom wird eine Photovoltaikanlage liefern. Doch nicht nur die Rechtslage, sondern auch das übliche Problem der meisten Quellen für erneuerbare Energien machen dem Minihaus einen Strich durch die Rechnung: Der gewonnene Strom an Sonnentagen kann nicht gespeichert werden, ist also gerade dann, wenn man ihn für Herd und Heizung bräuchte nicht verfügbar. Krenzlins Lösung also: Ans Netz anschließen und einspeisen, „so wird immerhin der Anteil an erneuerbaren Energien im Strommix erhöht“. Ohnehin könnte Krenzlin nicht ohne einen Stromanschluss auskommen: Zwar reicht der Strom für Licht und den Handyakku, doch heizen kann man damit nicht. Und auch Waschmaschine, Herd und Toaster kommen nicht damit aus.

Alternatives Baumaterial

Dafür gibt es beim Baumaterial einige Alternativen zu herkömmlichem Material, mit dem die Winterbacher Bauherrin ihrem Ökoziel näherkommt. Die Dämmung der Wände ist aus einem nachhaltigen Naturstoff: Schafwolle. Die wächst schnell nach, isoliert gut und leitet Feuchtigkeit aus der Luft nach draußen. Außerdem verrottet sie wesentlich früher als der sonst übliche Kunststoff, der aus dem begrenzt verfügbaren Rohstoff Erdöl hergestellt wird und, so die Vermutung der Wissenschaft, erst nach bis zu 450 Jahren von Mikroorganismen zersetzt wird – wahrscheinlich nicht einmal vollständig.

„Wie man baut, ist natürlich auch eine Geldfrage“, erklärt Yacine Douaoui aus Stetten. Mit Werkstoffen kennt sich der 38-jährige Teilnehmer des zweiten Tiny-House-Workshops bestens aus. Er ist Ingenieur der Werkstoffkunde und kann sich gut vorstellen – sofern er sich tatsächlich zum Bau eines Minihauses entscheidet –, auch alternative Materialien zu verwenden. „Ich will mich nicht luftdicht einschließen.“ Was er damit meint: dass Naturmaterialien atmungsaktiv sind. Das koste zwar meist etwas mehr, lohne sich aber, weil man lange damit lebe.

Für ihn stellt sich zurzeit die zentrale Frage: Wie kann ich angemessen leben und dabei weniger Geld ausgeben? Noch hat er keine konkreten Pläne, „aber das Thema hat mich elektrisiert. In das klassische Einfamilienhaus mit Garten, in dem ich früher gewohnt habe, steckt man viel Energie.“ Bei Urlauben mit dem Zelt oder Wohnmobil sei er immer viel gelassener und könne sich auf andere Dinge konzentrieren.

Zusammen mit sechs anderen Teilnehmern hat er im Workshop mit Krenzlin und ihrem Team den zweiten Bauabschnitt eingeläutet, bei dem mit den Arbeiten für die Gebäudehülle begonnen wurde. Ein Teil des Innenausbaus ist nun geschafft. Während des letzten Wochenendes werkelten die Häuslebauer am Dach und der Bodenkonstruktion. Außerdem entstanden die beiden oberen Etagen, sogenannte „Lofts“. Auch ein Teil der wolligen Dämmung kam in die Wände. Den Rest will die Bauherrin bis zum „Tag der offenen Werkstatt“ am Sonntag selbst schaffen.

"Tag der offenen Werkstatt"

Am Sonntag öffnet die Werkstatt ihre Türen für Interessierte. Die Bauherrin beantwortet Fragen rund ums Tiny House, die Jugendfeuerwehr versorgt mit roter und veganer Bratwurst und Kaltgetränken. 

11 bis 15 Uhr in der Dorfwiesenstraße 12 in Haubersbronn. Geparkt werden kann gegenüber an der Festhalle.

Wir begleiten den Bau des Tiny Houses mit Bildern, Texten und Videos.

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