Schorndorf Unbekannte traktieren fünf Männer mit Waffen

Wieder ist es in Schorndorf zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung gekommen. Foto: Pavlovic

Schorndorf. Unbekannte haben in Schorndorf in der Nacht auf Sonntag fünf Männer offenbar mit Schlagstöcken und anderen Waffen traktiert. Eins der Opfer berichtet von stark blutenden Platzwunden am Kopf und einer Schnittwunde. Vier der Opfer mussten ins Krankenhaus, manche sind die ganze Woche krankgeschrieben. Vor Ort gab’s Ärger mit der Polizei.

Die offizielle Pressemeldung der Polizei klingt längst nicht so dramatisch wie das, was eins der Opfer, ein 30-jähriger Schorndorfer, erzählt: Er habe mit seinen Kumpels und Kollegen am Samstagabend in einer Kneipe Fußball geschaut. Hinterher gingen die fünf Männer, alle um die 30 Jahre alt, noch in die Stadt. Etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht verließen die Kumpels eine Bar in der Innenstadt, gingen ein paar Schritte – „da drehe ich mich um und sehe, dass ein paar Leute sich um meinen Kollegen versammelt und ihn geschubst haben.“ Der 30-Jährige geht hin – und erhält sofort einen Schlag mit einer Art Peitsche, wie er sagt. Arabisch hätten die Täter ausgesehen und sehr schlecht deutsch gesprochen, berichtet der Schorndorfer.

Seine Lippe platzte auf; „die haben mit den Waffen auf uns eingeprügelt“. Der 30-Jährige spricht von Schlagstöcken und einer peitschenähnlichen Waffe. Ferner muss ein Messer im Einsatz gewesen sein, sagt er: Erst viel später habe er Schmerzen nahe der Achsel gespürt und Blut am T-Shirt wahrgenommen: Eindeutig eine Schnittverletzung, sagt der 30-Jährige. Zweimal war er in der Nacht im Krankenhaus; am Montag und Dienstag wieder beim Arzt, um die Wunde reinigen und neu verbinden zu lassen. Sein Kollege habe eine Platzwunde am Kopf erlitten und heftig geblutet.

„Zwei Kollegen waren stinksauer“

Derart zugerichtet, ärgerten sich die Männer heftig, als die Polizei sie vor Ort in Schorndorf einem Alkoholtest unterziehen wollte – statt die Täter zu fangen, so schildert es der 30-Jährige. Er räumt ein, dass Alkohol geflossen sei. Doch er selbst und seine Kumpels seien unter Schock gestanden; man habe sich von der Polizei halb als Täter statt als Opfer behandelt gefühlt: „Zwei meiner Kollegen waren stinksauer.“

In der Pressemeldung der Polizei heißt es: „Eine genaue Befragung der Verletzten war aufgrund ihrer Alkoholisierung und mangelnden Kooperation nicht möglich.“

Für die Opfer fühlte es sich unterdessen so an, als ob die Polizei nichts unternehme. Ein Bekannter des 30-Jährigen, der als Zeuge bei der Schlägerei dabei war, habe die Polizisten mehrmals auf einen der Schläger hingewiesen, der sich unter die Schaulustigen gemischt habe. Es passierte – nichts.

Polizeipressesprecher Ronald Krötz widerspricht: „Wir waren mit mehreren Streifen, sogar mit Unterstützung von anderen Polizeirevieren, im Einsatz und haben natürlich auch nach den Tätern gesucht.“ Die Fahndung blieb aber ohne Erfolg. Die Polizei wird sich zügig mit den Opfern in Verbindung setzen und sie vernehmen – „uns ist natürlich viel daran gelegen, die Täter zu ermitteln“, so Krötz. Dass die Polizei nach solch einem Vorfall bei den augenscheinlich von Alkohol beeinflussten Opfern einen Test anregt, sei ein völlig normaler Vorgang und nicht verpflichtend für die Betroffenen. Die Polizei müsse grundsätzlich sowohl be- als auch entlastende Beweise sammeln. Die Betroffenen seien zum Teil nicht einmal bereit gewesen, ihre Telefonnummern zu nennen. Eine Vernehmung vor Ort gestaltete sich entsprechend schwierig.

Wieder Schlägerei, wieder Schorndorf

Nun also wieder eine Schlägerei in Schorndorf. Anfang Juni war’s, als Schorndorf zuletzt wegen eines aufsehenerregenden Vorfalls ins Blickfeld rückte. Damals waren zwei jeweils etwa 30-köpfige Gruppen aufeinander losgegangen. Es fiel ein Schuss aus einer Schreckschusswaffe; ein junger Syrer erlitt eine schwere Augenverletzung. Jedes Mal, wenn in Schorndorf was passiert, folgt sogleich der Hinweis auf die Vorkommnisse bei der SchoWo 2017: Damals war es zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen.

Der 30-jährige Schorndorfer, der beim Vorfall diesen Samstag Verletzungen davongetragen hat, zieht ein Fazit, wie es etwa in sozialen Netzwerken und bei aufgeheizter Stimmung häufig auftaucht: „Man kann sich ja nicht mehr auf die Straße trauen.“

Menschlich verständlich, solch eine Schlussfolgerung – doch die Fakten tragen diese Sicht der Dinge nicht: In Schorndorf habe sich die Situation „wirklich gebessert. Die Tendenz geht eindeutig ins Positive“, sagt Ronald Krötz. Der aktuelle Vorfall wirft nun wieder ein anderes Schlaglicht auf Schorndorf.

Die Stadt setzt bereits seit Mitte April an den Wochenenden wieder eine City-Streife der Schorndorfer Firma Bunk ein. Diese Streife gibt es bereits seit drei Jahren. Zwei Sicherheitsleute sind freitags und samstags von 0 bis 4 Uhr in der Innenstadt unterwegs. Anfang Juli zog Geschäftsführer Tobias Bunk Bilanz nach neun Wochen City-Streifen-Einsatz: „Vergleicht man die Situation von vor drei Jahren mit heute, ist es zumindest zu unseren Einsatzzeiten deutlich ruhiger geworden.“

„In Schorndorf lebt es sich sicher. Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, ist gesunken“, dieses Fazit zog der Leiter des Polizeireviers Schorndorf, Markus Jatzko, im Mai, nachdem er den Gemeinderat über die Kriminalitätsentwicklung im Jahr 2017 informiert hatte.

Das Kriminalitätsbild ist nicht einheitlich: Die Zahl der Straftaten hat insgesamt deutlich abgenommen. Schorndorf belegt im Vergleich der Großen Kreisstädte im Rems-Murr-Kreis, was die Kriminalitätsbelastung angeht, einen guten Mittelfeldplatz.

Aber es war 2017 ein Rekordhoch zu verzeichnen mit 149 registrierten Straftaten (im Jahr zuvor waren’s 124) bei „Gewalt im öffentlichen Raum“. Bei diesem Delikt liege der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen vergleichsweise hoch (mehr als ein Drittel), wie Markus Jatzko im Mai sagte. Mit dieser Zunahme um 20 Prozent der Straftaten sei Schorndorf bei dieser Deliktart Spitzenreiter im Kreis, sagte der Revierleiter und sprach von „dringendem Handlungsbedarf“.

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