Schorndorf/Welzheim Stadtbekannter Dieb bleibt in Haft

Symbolbild. Foto: Habermann / ZVW

Schorndorf. Im Sommer 2018 in Welzheim stadtbekannt und auch in Schorndorf haben ihn einige Leute, bei denen er plötzlich in Haus und Garten stand, zu sehen bekommen. Im Amtsgericht kennt man den Angeklagten bereits seit 2017, nachdem er seine Arbeit als Pizzabäcker verloren und gewerbsmäßig zu stehlen begonnen hatte. Wegen Diebstahls, Computerbetrugs, versuchten Diebstahls und Sachbeschädigung wurde der 39-Jährige jetzt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt.

Allein die Vorstellung ist schrecklich: Plötzlich steht ein fremder Mann im Garten oder gar in der Wohnung, setzt sich an den Tisch und verlangt etwas zu trinken. Gestohlen hat er bei diesen Besuchen, die in der Schorndorfer Johannes- und in der Goethestraße und vornehmlich bei älteren Menschen stattfanden, offenkundig nichts. Aus diesem Grund hat das Amtsgericht die Verfahren auch eingestellt.

Nicht so bei drei Diebstählen, die der 39-Jährige im Sommer 2018 in Welzheim begangen hat und einem versuchten Diebstahl in Tateinheit mit Sachbeschädigung in einer Schorndorfer Bäckereifiliale. Wegen dieser Taten wurde er jetzt im Amtsgericht verurteilt: zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Außerdem wird er das gestohlene Geld und den Wert des Handys ersetzen müssen.

Wenig Mitleid mit dem notorischen Dieb

Seit September sitzt er in Haft, erst in Heimsheim, mittlerweile in Stammheim. Gut, bekannte er auf Nachfrage von Richterin Petra Freier, gehe es ihm nicht. Seine Drogensucht mache ihm zu schaffen, außerdem sei das Essen schlecht. „Das hätten Sie sich vorher überlegen müssen“, so der Kommentar der Richterin, die auch sonst wenig Mitleid mit dem notorischen Dieb hatte. Die Bitte des Verteidigers nach einer „fairen Chance“ und einer milden Strafe ignorierte sie und folgte im Strafmaß der Forderung des Oberstaatsanwalts und verurteilte den Angeklagten, auch wenn er weitestgehend geständig war, zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Und es ist ja auch ganz schön was zusammengekommen: Ende Juni vergangenen Jahres war der Angeklagte – wie so oft – zu Fuß in Welzheim unterwegs. Bei diesem Streifzug drang er nach Überzeugung des Gerichts an einem Vormittag in einem Zweifamilienhaus über eine Treppe und die offene Balkontür in eine im ersten Stock gelegene Wohnung ein. Dort nahm er den Geldbeutel eines 65-jährigen Rentners, der in den Urlaub fahren wollte und gerade am Packen war, vom Esstisch und machte sich auf den Weg zu einer Tankstelle, wo es auch einen Geldautomaten gibt. In Besitz mehrerer Geldkarten und – weil der Rentner für den Urlaub alles bereitgelegt hatte – auch der PIN-Nummern, hob er innerhalb von drei Minuten 2500 Euro ab, die er in Drogen und seine Spielsucht steckte.

Und obwohl der Angeklagte in der Verhandlung beteuerte, dass er den Geldbeutel vor der Tankstelle gefunden habe, waren Staatsanwalt und Richterin überzeugt, dass er ihn aus der Wohnung des Rentners geklaut hatte. Schließlich hatte ihn eine Polizeistreife kurz vor der Tat in der Nähe gesehen. Der Rentner, der als Zeuge geladen war, konnte außerdem glaubhaft versichern, dass er selbst nicht bei der Tankstelle war, sondern den ganzen Vormittag zu Hause. Und dass ein Dritter den Geldbeutel aus der Wohnung gestohlen hatte – für den Staatsanwalt „unwahrscheinlich“. Den Computerbetrug mit den Geldkarten räumte der Angeklagte ein – auf Videoaufnahmen war er aber sowieso auch eindeutig zu erkennen.

Mit Tafelmesser aufgehebelt

Dass er einen Monat später, ebenfalls bei einem Streifzug durch Welzheim, die Umhängetasche eines Rentners gestohlen hatte, die dieser kurz auf einem Podest vor seiner Eingangstür abgelegt hatte, auch das gab er zu. Genauso, dass er das darin befindliche 300-Euro-Handy im Anschluss für seine Drogensucht verkauft hatte. Und der 39-Jährige räumte auch ein, dass er Ende August bei Ladenschluss in die Geschäftsräume einer Schorndorfer Bäckerei eingedrungen war, sich einschließen ließ und – auf der Suche nach Bargeld – mit einem Tafelmesser Büroschränke aufgehebelt hatte. Fündig wurde er dabei nicht, doch er lief dem Inhaber der Bäckerei in die Arme, der ihn später auf Bildern bei der Polizei eindeutig identifizierte.

In der Verhandlung wurden alle drei Verfahren miteinander verbunden und auch ein früheres Urteil miteinbezogen. Bekannt ist der Angeklagte also nicht nur bei der Polizei in Welzheim, sondern mit einer ganzen Reihe von Vorstrafen auch im Amtsgericht Schorndorf: Seitdem der italienische Pizzabäcker im Mai 2017 seinen Job verloren hatte, begann er, gewerbsmäßig zu stehlen, um seinen Lebensunterhalt und seine Drogensucht zu finanzieren. Bis zu seiner Verhaftung lebte er in Obdachlosenunterkünften. Er ist verschuldet – mit fast 40 000 Euro. Auch wegen seiner Spielsucht, unter der er seit seiner Kindheit leidet: Sein Vater, erzählte der 39-Jährige im Gericht, habe ihn bereits als Neunjährigen mit in die Spielhalle genommen: „Da hat es schon Klick gemacht.“ Drogen nimmt er, seitdem er 14 ist. Erst Marihuana, dann Kokain, Heroin, Speed – „alles Mögliche“.

Daher, bekannte er in der Verhandlung, rühre auch der enorme Durst, der ihn auf seinen Streifzügen immer getrieben hatte. Und eigentlich hatte er Anfang September 2018 auch eine Suchttherapie beginnen wollen. Ihm deshalb aber nach Paragraf 33 des Betäubungsmittelgesetzes eine aus der Haft heraus beantragte Drogentherapie, die auf die Haftstrafe angerechnet werden kann, zu ermöglichen, verwarf Richterin Freier in ihrem Urteil. Auch verminderte Schuldfähigkeit (nach Paragraf 21, Strafgesetzbuch) kam nicht infrage: Er hat den Geldbeutel geklaut und ist gezielt zum Geldautomaten gegangen, „das war ein recht koordiniertes Vorgehen“, so der Staatsanwalt. Und gegen eine Bewährung sprach für Richterin und Staatsanwalt die ungünstige Sozial- und Kriminalprognose des Angeklagten.

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