Schorndorf/Welzheim Testkäufe: 15 Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz

, aktualisiert am 12.11.2018 - 15:12 Uhr
Symbolbild. Foto: Pixabay/CC0 Public Domain

Schorndorf und Umgebung. Der Jugendschutz wird von den Geschäften in der Region nur bedingt eingehalten: So lautet das Ergebnis einer Testkaufaktion der Polizei am vergangenen Freitag. An 42 Verkaufsstellen haben vom Kreisjugendamt geschulte Jugendliche versucht, Alkohol und Tabak zu kaufen. In mehr als jedem dritten Geschäft wurden sie fündig.

Jugendliche unter 16 Jahren dürfen keinen Wein oder Bier kaufen. Spirituosen gibt es erst ab 18 Jahren, genauso wie Tabak oder E-Zigaretten. Auch wenn ein Erwachsener klar erkennbar für Jugendliche Schnaps oder Zigaretten erwerben möchte, darf dieser nicht über die Ladentheke gehen. Das Gesetz spricht hier eine eindeutige Sprache. Weniger eindeutig wird dies offensichtlich in vielen Supermärkten, Tankstellen, Kiosken, Getränkehandlungen und anderen Ladengeschäften gehandhabt, die am Freitag zwischen 14 und 19 Uhr in Schorndorf, Rudersberg, Winterbach, Alfdorf, Urbach und Plüderhausen untersucht wurden.

Fünf geschulte Jugendliche im Einsatz

Unterwegs waren Beamte des Polizeireviers Schorndorf in Zivil zusammen mit fünf jugendlichen Testkäufern. Extra dafür geschult wurden sie von Sonja Hildenbrandt, der kommunalen Suchtbeauftragten beim Kreisjugendamt im Rahmen des Alkohol-Präventionsprojekts „Halt – hart am Limit“.

Die Jugendlichen waren laut Polizeisprecher Ronald Krötz klar als solche erkennbar, die Verkaufssituation also möglichst realistisch. Die 16- und 17-jährigen Jungen und Mädchen haben versucht, Tabak und hochprozentigen Alkohol zu erwerben.

Wer verstieß, muss mit Bußgeldern rechnen

Nach jedem Kauf wurden die Verkäuferinnen und Verkäufer von den Polizeibeamten über den Test informiert – und, wo nötig, Bußgeldverfahren eingeleitet. Außerdem wurde überprüft, ob die Geschäfte auch weitere Bestimmungen des Jugendschutzes, wie den deutlich sichtbaren Aushang des Hinweises auf selbige, einhalten (was alle überprüften Geschäfte taten). Für diejenigen, die sich korrekt verhielten, gab es Lob. Wer dagegen verstieß, muss nun mit Bußgeldern rechnen und wurde informiert, wie sich der Jugendschutz optimieren lässt.

Das Ergebnis der Testkäufe ist ernüchternd: In 15 Fällen - und damit in mehr als jedem dritten Geschäft - gelang ihnen der Kauf. Denn die Verkäuferinnen und Verkäufer hatten nicht nach dem Alter der jugendlichen Kunden gefragt.

"Es ist immer noch zu viel"

Bereits im Mai waren Testkäufer im Auftrag von Polizei und Jugendamt im Rems-Murr-Kreis aktiv. Damals wurden 30 Geschäfte in Schwaikheim, Winnenden, Leutenbach und Berglen überprüft. Beim Versuch, eine Flasche Hochprozentiges und Tabak zu erstehen, waren sie recht erfolgreich. Nur in zwölf von 30 Verkaufsstellen wurden die Jugendlichen korrekt abgewiesen.

Auch wenn das Ergebnis im Raum Schorndorf nun etwas besser ausfällt: Zufrieden ist die Polizei damit keineswegs: „Es ist immer noch viel zu viel“, sagt Polizeisprecher Krötz, der findet, dass „es nicht sein kann, dass Jugendliche so einfach an Alkohol kommen. Das gefällt uns überhaupt nicht.“

Strafen von bis zu 50 000 Euro

Verstöße gegen den Jugendschutz können Verkäuferinnen und Verkäufer teuer zu stehen kommen. Wer Jugendlichen oder Kindern hochprozentigen Alkohol verkauft, muss beim Erstverstoß mit Geldstrafen von mindestens 300 Euro rechnen. Das Strafmaß für den Verkauf von Tabakwaren liegt bei mindestens 200 Euro. Bei wiederholten Verstößen fällt das Bußgeld höher aus. Das Gesetz sieht Strafen von bis zu 50 000 Euro vor. Im Extremfall kann sogar die Konzession entzogen werden, auch wenn das aus diesem Grund laut Polizei bislang im Rems-Murr-Kreis noch nicht vorgekommen ist.

In der Regel sei nach Testkäufen vielmehr eine Verbesserung des Verhaltens festzustellen, so Krötz. Die Aktion zeige Wirkung. Noch in diesem Jahr werde sie deshalb wiederholt. Wo genau, das wird aber selbstverständlich noch nicht verraten.

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