Schorndorf Windkraftprojekt bei Unterberken ruht

Der Anblick von Windrädern – aus zunächst geplanten sechs sind im Laufe der Jahre vier geworden – bleibt den Unterberkenern zumindest für die nächsten Jahre erspart. Foto: Montage: Stadtwerke Schorndorf

Schorndorf. Während der Anti-Windkraft-Verein Östlicher Schurwald noch darauf pocht, dass eine vom Verein in Auftrag gegebene Raumnutzungsanalyse vom Landratsamt ja auch sorgfältig geprüft wird, ist jetzt auch der Windkraft-Standort GP 03 zwischen Wangen und Unterberken fast schon Geschichte. Zumindest vorläufig jedenfalls verfolgt das Stadtwerke-Konsortium Schorndorf/Fellbach/Filstal die Windparkpläne an diesem Standort nicht weiter.

Im Februar dieses Jahres hatte Stadtwerke-Chef Andreas Seufer mitgeteilt, dass erneut ein Gutachten über das tatsächliche Aufkommen und Raumnutzungsverhalten windkraftempfindlicher Vogelarten im Planungsgebiet in Auftrag gegeben werden musste (woraufhin die Windkraftgegner beschlossen haben, sicherheitshalber ebenfalls eine Raumnutzungsanalyse vornehmen zu lassen). Wenn die Windkraftgegner befürchtet hatten, bei dem von den potenziellen Investoren in Auftrag gegebenen Gutachten werde herauskommen, dass der Bau von Windrädern am Standort GP 03 unbedenklich sei, haben sie sich getäuscht. Das Ergebnis sieht nämlich laut Stadtwerke-Chef Andreas Seufer so aus, dass von den ohnehin nur noch vier Windrädern – die ursprüngliche Planung sah einmal sechs Anlagen vor – nur eines ohne größere Einschränkungen hätte betrieben werden können. Zwei hätten nur mit erheblichen Einschränkungen betrieben werden können und für die vierte Anlage hätte ein neuer Standort gesucht werden müssen. Und damit, so Seufer, „wäre voraussichtlich keine Wirtschaftlichkeit mehr zu erreichen“.

Forst BW könnte sich auch einen neuen Investor suchen

Die Konsequenz daraus: Die beiden Stadtwerke Schorndorf und Fellbach und die Energieversorgung Filstal – die ursprünglich ebenfalls beteiligten Stadtwerke Tübingen sind wegen anderer Windkraftprojekte schon lange ausgestiegen – ziehen sich zwar nicht endgültig zurück, lassen das Verfahren aber zunächst einmal ruhen und würden laut Seufer eventuell bis in etwa drei Jahren prüfen, ob ein erneutes Genehmigungsverfahren, das dann wieder ganz von vorne begonnen werden müsste, gestartet wird. Voraussetzung dafür wäre aber, dass Forst BW als Grundstückseigentümer dem Konsortium nicht die Genehmigung entzieht, in dem sie entweder von den Windparkplänen ganz Abstand nimmt oder indem sie das Recht, dort Windkraftanlagen zu planen und zu bauen, einem anderen Interessenten zuspricht. Beispielsweise der EnBW, die ja schon auf dem Goldboden gezeigt hat, dass sie Windkraftpläne zügig und mit deutlich weniger Bürgerbeteiligung als bislang im Falle von GP 03 umsetzen kann. Auch damit, dass Forst BW bei der Verfolgung der Windkraftpläne zwischen Wangen und Unterberken auf ein anderes Pferd setzt, könnte Andreas Seufer leben. Weil er nach wie vor der grundsätzlichen Meinung ist, dass Windkraftanlagen auf dem Schurwald wirtschaftlich zu betreiben sind und weil es ihm immer noch lieber ist, jemand anders baut einen Windpark, als dass gar keiner gebaut wird. Ganz davon abgesehen, dass speziell die Stadtwerke Schorndorf in den nächsten Jahren genügend Aufgaben haben, die ihr Kapital binden (Stichwort: Breitbandausbau). Apropos Kapital: Zwischen 600 000 und 700 000 Euro hat sich das Stadtwerkekonsortium Seufer zufolge die bisherigen Anstrengungen, am Standort GP 03 Windkraftanlagen zu bauen, kosten lassen.

Andreas Seufer müsste lügen, wenn er nicht zugeben würde, dass das, wie’s jetzt gelaufen ist, „kein schönes Ende“ ist und dass er sich „schon ein bisschen geärgert“ hat über eine seiner Meinung nach verpassten Chance, demonstrativ in die Gewinnung von regenerativer Energie einzusteigen. Zumal am Anfang, 2012 war das, ja ein Bürgerbeteiligungsprozess gestanden habe, bei dem unter anderem der Standort bei Unterberken als geeignet und wünschenswert eingestuft worden sei. Es sei einfach zu viel Arbeit und zu viel Herzblut in das Projekt investiert worden, als dass man sich jetzt leichten Herzens von ihm verabschieden könnte, sagt Seufer, der sich wünschen würde, dass auch bei der Windkraft nicht immer nur die aufstehen und laut werden, die dagegen sind, sondern auch einmal diejenigen, die in Windkraft auch hierzulande einen Beitrag zur Energiewende sehen und dafür auch mal bereit sind, im Interesse des Gemeinwohls persönliche Interessen hintanzustellen.

Konzept für die Finanzierung eines Fotovoltaik-Programms

„Stromgewinnung aus Fotovoltaik ist einfach viel teurer als Stromgewinnung aus Windkraft“, sagt der Stadtwerke-Chef mit Blick auf das von ihm gleichwohl befürwortete 1000-Dächer-Programm, das die SPD-Fraktion in einem Haushaltsantrag vorgeschlagen hat. Die vier Windkraftanlagen am Standort GP 03, so rechnet Andreas Seufer vor, hätten bei optimaler Ausnutzung jährlich 26 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt und damit den Strombedarf von 8500 Haushalten oder etwa 40 Prozent des gesamten Schorndorfer Strombedarfs gedeckt – bei Investitionskosten von angenommenen 18 Millionen Euro. Um mit Fotovoltaik auf die gleiche Menge Strom zu kommen, brauche es ein Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Euro, sagt Seufer, der im Lauf des nächsten Jahres ein Konzept vorlegen will, wie so ein Fotovoltaik-Stromgewinnungsprogramm auch mit Beteiligung der Bürger finanziert werden könnte.

Rotmilan-Dichte

Schon 2017 hatte der Verein „Lebensraum Östlicher Schurwald“ ein artenschutzrechtliches Gutachten in Auftrag gegeben, in dem ein „Rotmilan-Dichtezentrum“ festgestellt worden war.

Diese Einschätzung ist in einem weiteren Gutachten bestätigt worden: Es gebe ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko für den Rotmilan und den Wespenbussard.

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