Schorndorf Windkraftstandort Unterberken weiterhin auf der Kippe

Eines der Windräder, die sich bereits auf dem Goldboden bei Winterbach drehen. Foto: Joachim Mogck/ZVW

„Es tut mir schon weh, wenn ich da rauf schaue auf den Goldboden und sehe, wie sich die Windräder drehen“, räumt Stadtwerke-Chef Andreas Seufer ein. Er  tritt beim gemeinsam von den Stadtwerken Schorndorf und Fellbach und der Energieversorgung Filstal verfolgten Windparkprojekt GP 03 bei Unterberken nach wie vor auf der Stelle. Letzter Stand: Es musste erneut ein Gutachten über das tatsächliche Aufkommen und Raumnutzungsverhalten windkraftempfindlicher Vogelarten im Planungsgebiet in Auftrag gegeben werden.

Andreas Seufer mag sich gar nicht vorstellen, wo die drei potenziellen Windkraftbetreiber auf dem ehemaligen Deponiegelände zwischen Unterberken und Wangen heute sein könnten, wenn sie sich für das einfache Verfahren nach dem Motto „Augen zu und durch“ entschieden hätten - so wie es die die EnBW bei Winterbach gemacht hat. Statt dessen wählten sie das aufwendigere Verfahren, zu dem auch eine umfassende Bürgerbeteiligung gehört. „Wir haben die Prügel eingesteckt und dort drehen sich die Windräder“, stellt Seufer fest und erinnert daran, dass 2016 sogar einmal darüber nachgedacht worden sei, auf das andere Verfahren umzusteigen. „Aber dann haben wir weitergemacht.“

Weitere Untersuchungen zum Standort GP 03

Und was, so fragt der Stadtwerke-Chef rhetorisch, ist das Ergebnis? Viele Einwendungen und Unsicherheiten, immer wieder neue Sachverhalte, die geprüft werden müssen, immer wieder ein Tier, „das es dort scheinbar geben soll“ und das eine Nachuntersuchung erforderlich macht. So wurde zwar 2017 beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis als zuständiger Genehmigungsbehörde eine neue Kartierung windkraftempfindlicher Vogelarten eingereicht. Deren Ergebnisse ließ zwar ein höheres Aufkommen vermuten, als bei ersten Untersuchungen im Jahr 2015 angenommen, die aber gleichwohl als nicht ausreichend erachtet wurden.

Um vollends Planungssicherheit zu bekommen, haben sich drei Kooperationspartner deshalb in Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde entschlossen, im Jahr 2018 weitere Untersuchungen am Standort GP 03 durchführen zu lassen. Die Ergebnisse, hofft Andreas Seufer, liegen so rechtzeitig vor, dass spätestens Ende 2018 final entschieden wird, ob es mit dem Windkraftstandort Unterberken etwas wird oder ob er – was bei einem noch einmal höhren Aufkommen von windkraftempfindlichen Vogelarten wohl der Fall wäre – endgültig gestorben ist. Was Seufer sehr bedauern würde, weil er nach wie vor der festen Überzeugung ist, dass die Energiewende auch vor Ort gestaltet werden sollte.

Ein sehr unsicheres Projekt

Freilich müsste, räumte der Stadtwerke-Chef ein, das Projekt auch dann noch einmal auf seine Wirtschaftlichkeit durchgerechnet werden, wenn das artenschutzrechtliche Gutachten den Windkraftstandort nicht gleich zu Fall bringen würde. Weil sich mittlerweile einiges geändert habe im Vergleich zur ursprünglichen Antragsstellung: Der Markt bei den Windkraftanlagen habe sich weiterentwickelt, die Vergütung habe sich geändert, die erzeugte Strommenge sei noch nicht klar (weil statt sechs nur noch vier Windräder aufgestellt werden sollten und weil natürlich auch die artenschutzrechtlich bedingten Auflagen für den Betrieb eine Rolle spielten), und natürlich müssten die potenziellen Betreiber sich erst einmal in einem Ausschreibungsverfahren um eine Einspeisevergütung bewerben.

Kein Wunder, dass Andreas Seufer von einem „sehr unsicheren Projekt“ spricht und keinen Hehl daraus macht, dass die Realisierung mit mehr Risiken als Chancen verbunden wäre. Andererseits aber ist der Stadtwerke-Chef der Meinung, dass sich der Strommarkt in den nächsten Jahren  verändern wird, dass sich die Stromerzeugung aus dem eigenen Netz durchaus als sinnvolle Investition erweisen kann und dass die Eigenerzeugung von Energie eine höhere Priorität bekommt. Und da sei ein Invest in Windkraft im Verhältnis viel günstiger als der in Photovoltaikanlagen.

„Am besten ist’s natürlich, wenn sich beide ergänzen“, meint Andreas Seufer und verweist beiläufig darauf, dass aus der Winterbacher Anlage jetzt schon Strom ins Netz der Stadtwerke eingespeist wird, weil das Netz des Remstalwerks nicht ausreichend dimensioniert sei.

Keine Notwendigkeit für vor Ort erzeugte Energie?

„Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Genehmigungsbehörden nicht die Notwendigkeit verspüren, Energie vor Ort zu erzeugen, und gleichzeitig soll alles erneuerbar sein, was wir verbrauchen“, sagt Andreas Seufer und deutet gleichermaßen vage wie demonstrativ schon mal die Möglichkeit an, dass sich die Stadtwerke ja auch noch auf den komplett auf Schorndorfer Markung liegenden Standort zwischen Schlichten und Oberberken bewerben könnten. „Den könnten wir zur Not auch alleine machen“, sagt der Stadtwerke-Chef fast schon trotzig.

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