Schwabenlandtower Fellbach Gewa-Anleger könnten bald Geld sehen

 Foto: Palmizi / ZVW

Fellbach. Mindestens 15 Millionen Euro bekommen die Gläubiger des Gewa-Tower nach dem Verkauf an Christoph Gröners CG-Gruppe zurück – ein Drittel mehr, als lange Zeit zu erwarten war. Der Großteil des Geldes wird wohl noch in diesem Jahr fließen. Am Zustandekommen des Verkaufs haben die Anleger selbst maßgeblichen Anteil.

Die ersten Kaufinteressenten, die nach der Pleite auf den Plan traten, boten Preise, die den Gläubigern lediglich zehn Millionen Euro beschert hätten. Statt der jetzt erzielten Quote von 44 Prozent des Ausgangswerts hätte das nur 25 Prozent bedeutet. Angesichts dieser düsteren Erwartungen sorgt das Ergebnis des zweijährigen Verfahrens für allgemeine Erleichterung. Die entschlossenen Bemühungen, die Interessen aller großen und kleinen Anleger zu bündeln, zahlten sich damit aus.

Konkret gelang es auf Betreiben des KFM Mittelstandsfonds, den Düsseldorfer Anwalt Gustav Meyer zu Schwabedissen zum gemeinsamen Vertreter zu machen. Während der vorläufige Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli zeitweise an Absprachen gebunden war, mit Interessenten exklusiv zu verhandeln, konnte der Anlegervertreter mit einer Mehrheit von mehr als 95 Prozent der Stimmen im Rücken frei agieren und andere Lösungen anbahnen. So geschehen bei einem initialen Gespräch mit Christoph Gröner.

Anleger finanzierten Gutachten, um Negativ-Image zu vermeiden

Die Pleite der Bauherren Warbanoff kam auch für die Anleger überraschend. Offenbar wurde ihnen sogar noch kurz vor der Insolvenzmeldung signalisiert, dass kein zusätzliches Kapital benötigt werde. Dann der Offenbarungseid: Nur 200 000 Euro waren als Masse übrig geblieben. Gerade genug, um den Turm zu sichern und zu bewachen, zu wenig jedoch, um ihn winterhart zu machen.

Wo der Pleitegeier kreist, schießen die Gerüchte ins Kraut, schnell ist von Schlamperei und Baumängeln die Rede. Um dem Negativ-Image vorzubeugen, das den Verkauf nur noch weiter erschwert hätte, entschlossen sich die Anleger, im Rahmen des vertraglich Möglichen über den Stand des Verfahrens zu informieren und den baulichen Zustand des Hochhauses von einem seriösen und unabhängigen Gutachter prüfen zu lassen. So geschehen durch den TÜV Süd, der keine gravierenden Mängel feststellte. Finanziert wurde das Gutachten mangels Masse überbrückungsweise aus den Reihen der Anleger. Mit diesem Gutachten als Grundlage ließ sich auf dem Immobilienmarkt für das Projekt werben.

Vorläufiger Insolvenzverwalter leistete Überzeugungsarbeit

Einigkeit bestand weitgehend auch unter den Käufern der Wohnungen, die sich vernetzten und anwaltlich beraten ließen. Hoch geschätzt wird in den Reihen der Anleger die kommunikative Leistung des vorläufigen Insolvenzverwalters, dem das Kunststück gelang, 44 Eigentümer vom Rückkauf der Wohnungen zu überzeugen.

Trotz der fünf Prozent, welche die GG-Gruppe auf den ursprünglichen Kaufpreis allen als Bonus zahlte, keine leichte Aufgabe, zumal die unteren Wohnungen unter dem heutigen Marktwert verkauft worden waren – dies vielleicht, um schnell an liquide Mittel zu kommen. Dass die Luxus-Appartements in den oberen Etagen nicht verkauft werden konnten, bedeutete angesichts der schmal bemessenen Finanzierung das Aus für den Gewa-Tower, der seit dem Verkauf Schwabenlandtower SLT 107 heißt. Weitere, schwerere Vorwürfe an die Bauherren sind derzeit aus Anlegerkreisen nicht zu vernehmen. Ob die Gewa-Insolvenz ein gerichtliches Nachspiel haben wird, ist derzeit offen.

Zahl der Wohnungen soll verdreifacht werden

Der Investor plant, die Zahl der Wohnungen im Tower auf rund 190 zu verdreifachen. Bis die Baugenehmigung für den Umbau erwirkt ist, können Rückbaumaßnahmen und die Wintersicherung stattfinden.

Nach Aussage der Stadt Fellbach könnte die Baugenehmigung in drei Monaten vorliegen. Fällt das Ergebnis so aus, wie von der CG-Gruppe geplant, könnte sich der Kapitalrückfluss noch um eine Millionen Euro erhöhen. Die Verfahrenskosten werden laut gut informierten Kreisen wohl nicht über einer halben Million liegen.


Einigung der Anleger

Am 18. November 2016 kam der Paukenschlag: Die Emittentin der Anleihe Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG, die Bauherrin des Gewa-Towers, meldete Insolvenz an. Das Amtsgericht Esslingen eröffnete am 21. November 2016 das vorläufige Insolvenzverfahren.

Bei den Anlegern handelt es sich um mehrere Hundert private und institutionelle Gläubiger – „normale“ Leute mit Einlagen von einigen Tausend Euro ebenso wie mit Millionensummen investierte Fonds.

Als gemeinsamer Gläubigervertreter war zunächst die Rödl Treuhand Steuerberatungsgesellschaft aus Hamburg installiert.

Teile der Anleger kritisierten jedoch schon früh einen Interessenskonflikt, denn die Rödl Treuhand sollte gleichzeitig Mittelverwendungs- und Sicherheiten-Treuhänderin sein.

Der Fonds KFM Deutsche Mittelstand AG unter Leitung von Hans-Jürgen Friedrich bemühte sich intensiv um einen unabhängigen, gemeinsamen Vertreter aller Gläubiger. Gewählt wurde im Juli 2017 der Kapitalmarktrechtsexperte Gustav Meyer zu Schwabedissen von den MZS-Rechtsanwälten in Düsseldorf.

Im Juni 2018 ließ Gustav Meyer zu Schwabedissen erfolgreich über umfangreiche Vollmachten abstimmen, die ihm Handlungsspielraum bei der Käufersuche verleihen sollten. Der Clou: Anders als der vorläufige Insolvenzverwalter unterlag er keinen Absprachen, mit bestimmten Interessenten exklusiv zu verhandeln.

Auf diesem Weg bahnte sich der Kontakt mit dem späteren Käufer, der CG-Gruppe von Christoph Gröner, an.

  • Bewertung
    13
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!