Schwabenlandtower Fellbach Staatsanwaltschaft ermittelt nach Gewa-Insolvenz

Der Schwabenlandtower wird für den Winter fest gemacht. Foto: Palmizi/ZVW

Fellbach. Wegen der Gewa-Pleite hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ermittlungen gegen die Projektgesellschaft der Bauherren Warbanoff aufgenommen. Nach Aussage eines Behördensprechers haben die ersten Prüfungen ergeben, dass juristisch ein Anfangsverdacht auf Insolvenzverschleppung besteht.

Wie der Behördensprecher betont, bedeutet diese Einschätzung nicht, dass tatsächlich eine Straftat begangen wurde. Wohl aber, dass dies im Bereich des Möglichen liegt. Schon seit Monaten beobachtet die Staatsanwaltschaft den Fall und hat sich, wie jetzt erst bekannt wurde, bereits Ende August entschieden, die Ermittlungen einzuleiten. Was konkret heißt, dass die entsprechenden Unterlagen vom Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli zur Einsicht angefordert werden. Nach Erfahrungen aus ähnlichen Fällen wird die Prüfung Monate in Anspruch nehmen. Ein Gerichtsurteil, falls es jemals dazu kommen sollte, wäre eine Sache von Jahren. Ein Anfangsverdacht gilt im Strafrecht als niedrigste Verdachtsstufe unterhalb vom „dringenden“ oder „hinreichenden“ Tatverdacht.

Wiederholte Vorwürfe von Seiten der Anleger

Von Seiten der Anleihegläubiger war in der Vergangenheit mehrfach der Vorwurf laut geworden, die „Gewa 5 to 1“-Projektgesellschaft habe ihre Informationspflichten nicht erfüllt. Die Bauherren sollten über so genannte „Durchgriffsrechte“ auf ihr Privatvermögen belangt werden, lautete eine Forderung. Zwei Monate vor der Insolvenz-Meldung wurde beim Richtfest noch Optimismus verbreitet, dabei war der Verkauf der Luxuswohnungen längst ins Stocken geraten. Einen Monat vor der Insolvenz mühten sich die Bauherren, die Gerüchte über den Baustopp zu zerstreuen – die sich hinterher als zutreffend erweisen sollten. Für Anleger wie Wohnungseigentümer kam die Pleite überraschend.

Obwohl das Hochhaus am Stadtrand von Fellbach inzwischen „Schwabentower SLT 107“ heißt, wird die Akte Gewa also für geraume Zeit nicht geschlossen. Das gilt neben der strafrechtlichen auch für die zivilrechtliche Seite. Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli bestätigt, den Sachverhalt ebenfalls zu prüfen – mit dem Ziel, herauszufinden, ob sich insolvenzrechtliche Ansprüche ergeben. Seine Aufgabe als Insolvenzverwalter bestehe darin, das Verfahren bestmöglich im Sinne der Gläubiger durchzuführen. „Daher prüfen wir sämtliche Vorgänge, die zu einer Mehrung der Masse führen können.“

Tower hat wieder Zukunft

Unabhängig von der Aufarbeitung der Vergangenheit hat der Tower wieder eine Zukunft. Kurz vor Ablauf der Baugenehmigung gelang der Verkauf an die CG-Gruppe des bundesweit aktiven Großinvestors Christoph Gröner. Aufgrund der bereits eingeleiteten Bausicherungsmaßnahmen bleibt die bestehende Baugenehmigung erhalten. In den vergangenen Wochen wurden – weithin ist sichtbar, dass sich etwas tut - Gerüst- und Sicherungsarbeiten vorgenommen, um das Gebäude winterfest zu machen. Das Büro Wolf Architekten/Ingenieure arbeitet die aktuellen Entwürfe in eine konkrete Bauplanung um. Der eigentliche Umbau des Turms wird nach Einschätzung der CG-Gruppe voraussichtlich im Frühjahr 2019 beginnen. Vorher ist die Genehmigung der städtischen Ämter für die Umplanung notwendig, die bis März oder April 2019 erwartet wird.


Vom Gewa-Tower zum Schwabenlandtower

  • Das Objekt soll schlüsselfertig und vermietet an Kapitalverwaltungsgesellschaften verkauft werden. Die Vermietung soll noch in der Rohbauphase starten. Das Verkaufsvolumen für 14 500 Quadratmeter Mietflächen und Hotel beträgt nach den Plänen der CG-Gruppe 109 Millionen Euro.
  • Entstehen soll ein Hotel mit 4000 Quadratmetern Nutzfläche. Durch die Aufstockung des Hotels um eine Etage, wofür schon ursprünglich aus Gewa-Zeiten die Baugenehmigung vorhanden ist, wird die Anzahl der Hotelzimmer auf 164 erhöht. Die Fertigstellung des Towers nebst Hotel ist für Ende 2020 vorgesehen.
  • Seit dem Verkauf im September heißt der Gewa-Tower „SLT 107 Schwabenlandtower“. Aus dem gescheiterten Luxus-Tower wird ein Hochhaus mit kleinen Mietwohnungen. Zielgruppe sind insbesondere jüngere Mitarbeiter der in der Region angesiedelten Großunternehmen. Um Billigobjekte handelt es sich nicht: Die Warmmieten in den 192 Wohnungen sollen zwischen 16 und 25 Euro pro Quadratmeter liegen.
  • Das Kürzel „SLT“ steht für Schwabenlandtower, die Zahl 107 für die Höhe des Gebäudes. Die Anlehnung an die Schwabenlandhalle wurde bewusst gewählt.
  • Gekostet hat der Gewa-Tower 15 Millionen Euro. Ohne die 44 Wohnungen, die bereits verkauft waren und den Erwerbern mit einem Aufpreis von fünf Prozent wieder abgekauft wurden.
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