Sexuelle Belästigung in Winnenden Polizei äußert sich zu Facebook-Gerüchten

, aktualisiert am 15.01.2019 - 14:48 Uhr
Symbolbild. Foto: Pixabay.com; Lizenz: CC0 Public Domain

Winnenden. Der Fall von zwei Schülerinnen, die am Montag in Winnenden auf dem Schulweg von einem Unbekannten belästigt wurden, beschäftigt die Menschen auf Facebook. Ein Asylbewerber soll es gewesen sein, behauptet eine Seite. Die Polizei weiß davon nichts - der Täter ist nämlich noch gar nicht ermittelt. 

Gestern veröffentlichte die Polizei Aalen eine Pressemitteilung über einen Fall von sexueller Belästigung in Winnenden. Ein Unbekannter hatte am Montag laut Polizei einer Schülerin auf dem Schulweg an die Brust gefasst, bei einer anderen Schülerin blieb es beim Versuch. In der Täterbeschreibung hieß es, der Mann sei dunkelhäutig gewesen.



Auf Facebook hat sich schnell das Gerücht verbreitet, es handle sich bei dem Täter um einen Asylbewerber. Verantwortlich dafür ist unter anderem die Facebook-Seite "Rems-Murr wehrt sich". Dort wurde unser Artikel zu dem Vorfall unter Verwendung der Hashtags "#flüchtling" und "#asylant" geteilt. Dabei ist weder im Artikel selbst, noch in der ihm zugrunde liegenden Polizeimeldung etwas über den Aufenthaltstatus des Mannes zu lesen - schließlich handelt es sich um einen Unbekannten. 

Gibt es etwa Neuigkeiten, von denen nur die Betreiber der Seite wissen? Mitnichten: "Wir haben keine neuen Erkenntnisse zum Täter", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen am Dienstagmittag auf Nachfrage unserer Redaktion. "Die Ermittlungen laufen." Herkunft und eventuell Aufenthaltstatus des Mannes bleiben damit weiterhin ungeklärt.

"Bild", "Russia Today" und AfD-Werbung

"Rems-Murr wehrt sich" verbreitet vor allem Polizeimeldungen, in denen es um Taten geht, die Ausländern zur Last gelegt werden - unabhängig vom Ermittlungsstand. Dabei wird sich neben Artikeln unserer Zeitung unter anderem bei "Welt", "Bild" und "RT Deutsch" bedient. Geteilt werden außerdem Beiträge der Social-Media-Auftritte von AfD-Politikern. Auch zumindest indirekte Aufrufe zur Wahl der AfD lassen sich auf "Rems-Murr wehrt sich" finden. 

Ob sich das Gerücht, es handle sich bei dem Täter um einen Asylbewerber nun im Nachhinein bewahrheiten sollte oder nicht: Fakt ist, dass es momentan kein Fakt ist, sondern reine Spekulation. 


Wer sind die Betreiber?

Als Kontaktinformation ist auf der Facebook-Seite eine Mailadresse der Identitären Bewegung angegeben. Diese wurde vom Verwaltungsgericht München 2017 als "aktivistischer Arm der Neuen Rechten" beschrieben. Auf der Homepage des Landesamtes für Verfassungsschutz heißt es: "Sie fällt besonders mit ihren fremden- und islamfeindlichen Positionen auf."

Ein vollständiges Impressum, das Auskunft über die Betreiber gibt, existiert auf der Seite allerdings nicht.

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