Smarte Straßenbeleuchtung für Welzheim? Gemeinderat lehnt Lampen mit Bewegungssensoren ab

Die Welzheimer Straßenbeleuchtung wird jetzt auch in allen Außenorten auf die LED-Technologie umgerüstet. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Welzheim. Gut 700 Straßenleuchten sind in Welzheim bereits auf die energiesparende LED-Technologie umgestellt worden. Die restlichen 190 sollen jetzt folgen. Anders als von der Piraten-Fraktion beantragt, werden dabei aber keine Lampen mit Bewegungssensor zum Einsatz kommen. Diese sind aus Sicht des Gemeinderates nicht für den Einsatz im Stadtgebiet geeignet. Dafür wird in den Außenbezirken die Helligkeit nachts um die Hälfte gesenkt.

„Eine Absenkung um 50 Prozent bei Nacht ist keine intelligente Straßenbeleuchtung in unserem Sinne“, meinte Philip Köngeter (Piraten) in der Gemeinderatssitzung. Intelligent aus Sicht seiner Fraktion wäre es vielmehr, wenn die Lampen automatisch erkennen, dass eine Person sich ihr nähert, um sich dann ein- und auszuschalten.

Solche per Infrarot gesteuerten Lampen solle die Verwaltung zunächst prüfen und die geplante Umrüstung der noch fehlenden rund 190 Lampen so lange zurückstellen. Der Piraten-Fraktion schwebte vor, dass sich Welzheim diese intelligente Straßenbeleuchtung dann im Rahmen eines Pilotprojekts umsetzt. Dafür gebe es auch entsprechende staatliche Zuschüsse. Dadurch ließe sich nicht nur Energie einsparen. Die Piraten sehen darin auch einen Beitrag für weniger Lichtverschmutzung. Eine Reduzierung auf 20 Prozent der Helligkeit oder gar ein komplettes Abschalten, sofern sich niemand in der Nähe aufhält, sei denkbar.

Bürgermeister: Vorschlag in bewohnten Ortsteilen nicht umsetzbar

„Wir können diesem Gedanken durchaus etwas abgewinnen“, entgegnete Bürgermeister Thomas Bernlöhr. Allerdings sei die Lösung in bewohnten Ortsteilen aus Sicht der Verwaltung nicht umsetzbar. Denkbar sei dies höchstens auf Radwegen wie etwa zwischen Welzheim und Breitenfürst.

„Wir sind da an die DIN-Norm 13 201 gebunden“, präzisierte Bauamtsleiter Ralph Hägele. Diese schreibe eine Mindesthelligkeit von einem Lux auf den Straßenoberflächen vor. Mit der von der Stadt geplanten Nachtabsenkung ab einer bestimmten Uhrzeit in Außenbereichen auf 50 Prozent der Helligkeit werde diese Norm eingehalten. Das entspräche dem gesetzlichen Minimum.

Für die rund 190 noch umzurüstenden Lampen hat die Verwaltung Kosten in Höhe von 175 000 Euro veranschlagt und im Haushalt eingeplant. Intelligente Lampen wären in der Anschaffung 20 bis 30 Prozent teurer, so Hägele. Er bezweifelte zudem, dass Lampen mit Bewegungssensor zu einer Stromeinsparung führen würden.

Zweifel an Stromeinsparung durch intelligente LED-Beleuchtung

Denn, so Bürgermeister Bernlöhr: „Der Sensor kostet erst einmal Energie.“ Außerdem sei die Technologie aus seiner Sicht noch nicht ausgereift, habe vielmehr etwas von einer Spielerei. Durch die Umrüstung auf LED-Technik ohne Bewegungssensor rechnet die Verwaltung hingegen mit einer jährlichen CO2-Einsparung von rund 41,7 Tonnen – und geringeren Stromkosten von circa 16 250 Euro. Bei einer voraussichtlichen Lebensdauer von bis zu 20 Jahren habe sich die Investition also nach rund elf Jahren amortisiert.

Zweifel hat die Verwaltung auch, was die Funktionsweise der Lampen anbetrifft. Die Sensoren der Infrarottechnologie messen nämlich die Körperwärme und berechnen so, ob sich ein Mensch in ihrer Nähe aufhält. Bei winterlicher Bekleidung könne es aber gut sein, dass die gemessene Wärme dafür nicht ausreiche. Auch Gemeinderat Friedrich Mayle (Freie Wähler) zeigte sich gegenüber dieser Technik skeptisch. „Ich würde das nicht in meiner Straße haben wollen“, bekundete er.

Thomas Bernlöhr machte dann einen Kompromissvorschlag in Richtung der Piraten. Wenn diese auf den Antrag verzichten, werde die Verwaltung prüfen, ob es ein bestimmtes Areal gebe, wo sich das, was die Piraten fordern, umsetzen ließe. Auf diesen Vorschlag ging Köngeter jedoch nicht ein. Er bestand vielmehr auf der Abstimmung – bereits ahnend, dass er damit keine Mehrheit finde. Bei einer Ja- Stimme und vier Enthaltungen wurde dieser dann auch klar abgelehnt.

Bei einer Enthaltung entschied sich dann der Welzheimer Gemeinderat für den von der Verwaltung vorgeschlagenen Weg. Im Frühjahr 2020 sollen die Lampen ausgetauscht werden. Noch in diesem Herbst wird eine beschränkte Ausschreibung erfolgen. Der Gemeinderat wird die Arbeiten dann Anfang Dezember vergeben.

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