Sport Der Sportverein im 21. Jahrhundert - Wie sieht er aus?

Sportvereine gibt es seit über 100 Jahren. Sie sind ein Erfolgsmodell, aber wie lange noch?

Auch die Sportvereine leiden unter den Veränderungen der Zeit, und das nicht erst seit kurzem. Schon 1990 hatte sich der Zeitungsverlag Waiblingen mit der Frage beschäftigt: Wie sieht der Sportverein im 21. Jahrhundert aus? Auf welche Veränderungen muss er sich einstellen? Welche Entwicklungen erwarten die Vereinsfunktionäre? 27 Jahre später ziehen wir Bilanz - und blicken im zweiten Teil der Serie erneut voraus in die Zukunft.

1990 hatten wir befürchtet:

- Der Verein verliert an Bedeutung, wird zu einem reinen Dienstleister

- Der Spielbetrieb findet nicht mehr an zentralen Spieltagen statt, sondern wird zerstückelt

- Selbst das Training kann nur noch in Kleingruppen stattfinden weil, weil die Sportler an ihrem Arbeitsplatz immer flexibler sein müssen (Schichtarbeit etc)

- Das führt zu Problemen, weil es zu wenige Hallen gibt, die zudem tagsüber nicht genutzt werden können

- Es gibt immer weniger Sportler, also müssen viel mehr Vereine fusionieren

Und so hat sich die Situation entwickelt:

- Der Verein ist heute mehr Dienstleister als früher. Immer mehr Vereine leisten sich eine Geschäftsstelle zur Organisation

- Es gibt deutlich mehr Zusatzangebote (Kurse etc.), für die über den Vereinsbeitrag hinaus bezahlt werden muss und an denen auch Nichtmitglieder (gegen eine höhere Gebühr) teilnehmen können.

- Der Sportverein ist weiterhin die Organisation, der den Menschen im Ort ein überwiegend gutes, bezahlbares Bewegungsangebot und darüber hinaus noch Geselligkeit bietet. Vor allem für Kinder und Jugendliche immer noch ein unschlagbares Angebot.

- Der Spielbetrieb findet weiterhin überwiegend an den Wochenenden statt. Einschränkungen gibt es im Wettkampfangebot nicht, aber er ist wesentlich flexibler geworden. Beispiel Fußball. Abendspiele waren früher eher die Ausnahme, die Spiele begannen selten später als 18.30 Uhr. Heute sind Anstoßzeiten um 20 Uhr nicht mehr die Ausnahme, gespielt wird an fast allen Wochentagen.

- Das Training findet auch heute noch zentral mit der gesamten Mannschaft statt. Allerdings sind zuweilen nur wenige Spieler auf dem Trainingsplatz, weil sie schichten oder der Studienort zu weit weg ist.

- Hallen kann es tatsächlich nicht genug geben. Gebraucht werden sie allerdings tagsüber eher für die Aufgaben innerhalb der Ganztagsschulen, als um den Trainingsbetrieb aufrecht zu erhalten

- Die Vereine streiten sich immer stärker um die Mitglieder. Vereinsfusionen sind zwar noch immer nicht die Regel, werden aber häufiger (zuletzt entstand aus SC Weinstadt, TSV Großheppach und TSV Schnait die SG Weinstadt).

- Spielgemeinschaften in der Fußball-Jugend dagegen sind gang und gäbe. Vor allem in B- und A-Jugend müssen die Jugendleiter auf ihrer Suche nach Partnern oft mehrere Vereine ansprechen, um erfolgreich zu sein. In der Saison 2017/18 sind 76 Teams einer Spielgemeinschaft am Start.

Das Hauptproblem heißt: Es fehlen Ehrenamtliche

Aus heutiger Sicht überraschend, spielte 1990 ein Thema keine Rolle: Ehrenamtliche im Verein. All die anderen Probleme rücken heute jedoch in den Hintergrund alleine durch die Schwierigkeiten, überhaupt Menschen zur Mitarbeit im Verein zu finden. Und noch dramatischer wird es, wenn kein Abteilungsleiter oder gar Gesamtvereinsvorsitzender gefunden wird. Oft übernehmen mittlerweile Duos oder Trios jene Arbeit, die zuvor ein Einzelner erledigt hatte.

Die Arbeit von Vorsitzenden und Abteilungsleitern jedoch wird auch immer umfangreicher und schwieriger. Früher ließen sich zumindest Teile der Vereinsgeschäfte noch am Arbeitsplatz nebenher erledigen, das ist heute ausgeschlossen. Außerdem machen immer mehr organisatorische Aufgaben und bürokratische Anforderungen den Funktionären das Leben schwer. Und als wäre das noch nicht genug, werden auch die Mitglieder immer anspruchsvoller, nehmen gerne ihre Rechte in Anspruch und sehen über die Pflichten hinweg.

Was muss der Verein der Zukunft bieten?

Um auch in den nächsten Jahren zu bestehen, muss der Verein flexibler werden, mobiler und der Digitalisierung offen gegenüberstehen. Darum geht es in den nächsten Folgen der Serie. Im zweiten Teil erklärt Benjamin Wahl, Geschäftsführer der SG Schorndorf, was er für wichtig hält und welchen Weg die SG geht. Und dass für kleine Vereine die Existenz auf dem Spiel steht.

Teil drei beschreibt die Ergebnisse einer Untersuchung des Zukunftsinstituts Frankfurt für den Schwäbischen und Niedersächsischen Turnerbund. Er erklärt zudem, warum sich Sportvereine um die Megatrends der Gesellschaft kümmern muss.

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