Stuttgart/Waiblingen Bosch steigt aus Geschäft mit Verpackungsmaschinen aus

, aktualisiert am 29.06.2018 - 17:05 Uhr
Die neue intelligente Sigpack FIT Produktzuführung mit Linearmotor-Technologie ermöglicht eine sehr schnelle, kontaktlose Zuführung der Produkte. Foto: Bosch

Stuttgart/Waiblingen. Nun ist amtlich, worüber seit längerem heftig spekuliert wurde: Bosch trennt sich vom Geschäft mit Verpackungsmaschinen. In Waiblingen arbeiten rund 950 Menschen für die Robert Bosch Packaging Technology GmbH. Im Mai hatte der Konzern angekündigt, in Waiblingen 170 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Wie es nun weitergeht, ist offen; Bosch hat bisher lediglich Verkaufspläne bestätigt.

„Alle rund 6100 Mitarbeiter in 15 Ländern sollen übernommen werden“, kündigt Bosch bereits via Pressemitteilung an – obwohl angeblich ein neuer Eigentümer erst noch gesucht werde. „Nach intensiver und gründlicher Prüfung aller strategischen Optionen“ habe Bosch beschlossen, einen Käufer für das Geschäft mit Verpackungsmaschinen ausfindig zu machen. Betroffen seien die Bereiche Pharma und Food (also Nahrungsmittel) des Geschäftsbereichs Packaging Technology. Das trifft Waiblingen mitten ins Herz: Dort ist die Zentrale des bisherigen Bosch-Geschäftsbereichs Packaging Technology angesiedelt. In Waiblingen produziert(e) Bosch Verpackungsmaschinen für die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie, etwa Tiefziehmaschinen für Kaffeerahm-Döschen oder Tablettenpressen. Der Fokus solle stärker auf Verpackungsmaschinen für Pharmakunden gelegt werden, hatte es noch im Mai geheißen. Damals kündigte Bosch einen Stellenabbau in Waiblingen an. Rund 100 Beschäftigte seien bereits auf andere Arbeitsplätze im Bosch-Konzern vermittelt worden, hieß es (wir haben berichtet).

Offen bleibt, wie es weitergeht

Was nach dem Verkauf aus den Hunderten anderen Beschäftigten in Waiblingen wird, ließ Bosch am Freitag offen. Die Verpackungstechnik gehöre nicht zum Kerngeschäft des Konzerns, es hätten sich keine „unternehmerisch und technologisch ausreichend relevanten Synergien“ ergeben – die Liste der Gründe für den Verkauf bleibt im Vagen und lässt viele Fragen offen. „.Diese Entscheidung ermöglicht Bosch, sich stärker auf die Zukunftsthemen wie die Transformation des Konzerns und die Ausrichtung auf die zukünftige Digitalisierung, wie zum Beispiel Internet der Dinge zu konzentrieren sowie vorhandene Ressourcen entsprechend zu bündeln“, so wird Bosch-Geschäftsführer Dr. Stefan Hartung in der Pressemitteilung zitiert.

Aus Sicht von Bosch werde auch der Geschäftsbereich Packaging Technology davon profitieren, von Bosch verkauft zu werden: „Die Verpackungstechnik kann sich unter anderer Aufstellung flexibler auf die verschiedensten Anforderungen des mittelständisch geprägten Marktes einstellen.“ Bosch zeigt sich in seiner Mitteilung überzeugt, „dass die Verpackungstechnik eine andere Aufstellung benötigt, um flexibler auf die spezifischen Anforderungen des Marktes für den Sondermaschinenbau reagieren zu können“.

Die Messe Achema in Frankfurt liegt erst zwei Wochen zurück. Seinerzeit hatten sich die Geschäftsführer der Bosch Packaging Technology, Uwe Harbauer und Dr. Stefan König, bei einer Pressekonferenz in Frankfurt nicht zu den Verkaufsgerüchten äußern wollen. Von einer stabilen Geschäftsentwicklung der Robert Bosch Packaging Technology GmbH war die Rede. Für den Bereich Pharma berichteten die Führungskräfte sogar von deutlichen Auftragssteigerungen. Bei Bosch zeigt man sich einerseits vom zukünftigen Erfolg des Geschäfts in dieser Sparte überzeugt – man verkauft aber trotzdem.

„Wir werden als starker, stabiler Bereich zusammenbleiben und als bewährtes Team auch unter einem neuen Eigner unseren Kunden hervorragende Produktionslösungen und Services bereitstellen“, wird Dr. Stefan König in der Mitteilung zitiert. Der Bereich werde sich künftig „noch spezifischer für den Bedarf der Branche aufstellen können“. Zwar habe der Geschäftsbereich in den beiden vergangenen Jahren in einzelnen Bereichen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Unter neuer Führung habe das Unternehmen jedoch erfolgreich begonnen, sich neu auszurichten. Man erwarte eine steigende Nachfrage. Der Bereich Pharma entwickele sich aufgrund seiner hohen technischen Differenzierung erfreulich und wachse. Der Bereich Food habe seine Kerngebiete gestärkt und wolle seine Marktposition weiter ausbauen.

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