Stuttgart/Rems-Murr-Kreis Verwirrung um "Positivkommunikation" bei der Bahn

, aktualisiert am 12.08.2019 - 16:17 Uhr
Symbolbild. Foto: Habermann / ZVW

Waiblingen/Stuttgart. Eine S-Bahn fällt aus, und weder Anzeige noch Durchsage weisen darauf hin. So soll es am 26. Juli an der Haltestelle Stuttgart-Stadtmitte passiert sein. Auf Twitter sorgt dieser Fall gerade für jede Menge Diskussionen - wegen einer Stellungnahme der Deutschen Bahn. Wir haben nachgehakt.

Am Samstag fragte der Nutzer "Earl Y. Bird" auf Twitter: "Wie findet ihr die neue Art der 'Positivkommunikation' an den S-Bahnstationen im Tunnel der Stammstrecke? Keine Anzeige und Ansage von Ausfällen und Verspätungen, um die Fahrgäste nicht unnötig zu belästigen?"


Anm. d. Red.:  Der Begriff "Stammstrecke" bezeichnet laut Bahn alle Haltestellen von Stuttgart-Hauptbahnhof (tief) bis -Schwabstraße.


In der anschließenden Diskussion bat "Earl Y. Bird" auch unsere Zeitung, sich die Sache einmal genauer anzuschauen.

Eins vornweg: So, wie in der Frage dargestellt, verhält es sich nicht. Sagt ein Pressesprecher der Deutschen Bahn. Über Twitter hatte das Unternehmen zuvor jedoch etwas anderes behauptet. Aber der Reihe nach.

Ein Zug fällt aus, die Bahn reagiert auf Twitter

Am Nachmittag des 26. Juli fiel eine S1 von Plochingen nach Herrenberg wegen einer technischen Störung aus. Der Nutzer "Sbahnfreund Stuttgart" fragte via Twitter bei der Bahn nach, warum an der Haltestelle Stadtmitte nichts durchgesagt oder angezeigt worden war.

Eine ausführliche Antwort des offiziellen Twitteraccounts der Deutschen Bahn erfolgte erst am 5. August. Sie lautete: "Es ist kein Fehler, sondern eine auf S-Bahn Netze abgestimmte Reisendeninformation. D.h., dass man auf der Stammstrecke wg. des sehr dichten Takts 'Positivkommunikation' betreibt & daher Zugausfälle nicht kommuniziert (angezeigt oder angesagt) werden..."

Positivkommunikation?

Wir fragen bei der Bahn in Stuttgart nach. "Das stimmt so nicht", sagt ein Pressesprecher, den wir mit den Tweets konfrontieren. "Wir wollen keine Verspätungen oder Ausfälle verschweigen." Allerdings gebe es tatsächlich das Konzept einer "Positivkommunikation" für die Bahnhöfe im Raum Stuttgart und dem Rems-Murr-Kreis. Schon seit Herbst 2018. 

"Es ist tatsächlich so, dass wir lange darüber geredet haben, welche Information für Kunden bei einer Betriebsstörung entscheidend ist", so der Sprecher. Man habe sich dann darauf geeinigt, die Reihenfolge der Informationen, die Fahrgäste per Durchsage bekommen, zu tauschen. Zuerst wird über mögliche Anschlüsse informiert, dann darüber, dass Züge ausfallen.

Positiver Effekt: Schallreduzierung? 

"Wir sagen Zugausfälle auf jeden Fall durch", bekräftigt der Sprecher. Aber es gebe auch Ausnahmen: "Natürlich kann es auf der Stammstrecke zu Situationen kommen, wo der Takt so dicht ist, dass mal eine Information wegfällt, weil am Nachbargleis schon die nächste durchgesagt werden muss."

Die Gefahr sei bei vielen Durchsagen ohnehin hoch, dass dem Fahrgast eine Information "durchrutsche". Deshalb habe man sich an den Haltestellen der Stammstrecke für eine "Schallreduzierung" entschieden. Was laut Sprecher bedeutet, dass Verspätungen überhaupt nicht mehr durchgesagt werden.

Und was ist mit den Anzeigen?

Auch auf die Anzeigen an den Bahnhöfen in Stuttgart und dem Rems-Murr-Kreis hat die "Positivkommunikation" Auswirkungen. Wenn eine Bahn Verspätung hatte, wurde diese Verspätung bis Herbst 2018 auf dem Display am Gleis angezeigt. Nun findet sich dort nur noch ein "Countdown", der angibt, wann der Zug einfährt. Ob er dann pünktlich ist, oder mit einer Stunde Verzögerung kommt, ist nicht ersichtlich.

Auch der "Einzelfall" werde nicht mehr angezeigt, sagt der Sprecher der Deutschen Bahn. Das heißt: Wenn ein einzelner Zug ausfällt, erfährt man das nicht über die Anzeige. Dort werden nur noch größere Störungen gemeldet, mit dem Hinweis, dass es zu Ausfällen und Verspätungen kommen kann. Der "Einzelfall" wird nur noch per Durchsage vermeldet.

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