"The Masked Singer" Wie MC Bruddaal zum Favoriten-Tipp für den Astronauten wurde

Ist MC Bruddal (rechts) wirklich der maskierte Astronaut? (Montage: Tantschinez) Foto: ProSieben / ZVW/Joachim Mogck

Waiblingen. Die Rate-Show "The Masked Singer" auf Pro Sieben ist der Überraschungserfolg des Jahres im Deutschen Fernsehen. Beim Rätselraten, welcher Promi unter welcher Maske live singt, dürfen auch die Zuschauer online mit tippen. Die Überraschung dabei: Ausgerechnet für den überragenden "Astronauten" gibt es einen ganz neuen Favoriten: Lokal-Matador und Schwaben-Rapper MC Bruddaal.

3,16 Millionen Zuschauer starrten am vergangenen Donnerstag gebannt auf die Bildschirme, als die letzten sechs verkleideten Interpreten um den Einzug ins Finale von The Masked Singer kämpften. Damit knackte Pro Sieben wieder einen neuen Quotenrekord, mit 29 Prozent Marktabdeckung bei den heiß begehrten 14 - 49-Jährigen. Welcher Promi unter den erstaunlich gut gemachten Masken steckt, bewegt die Nation. Natürlich darf bei dieser Live-Sendung nicht nur die vierköpfige, mal mehr oder weniger kombinationssichere Jury rätselraten, sondern auch das Publikum daheim. Via Internet. Unter themaskedsinger.de wird jedem kostümierten Star einfach ein Name zugeordnet - und anschließend gelistet, welche Namen am häufigsten genannt wurden. 

MC Bruddaal ist der heißeste Tipp für den Astronauten 

Jetzt gibt es bei "The Masked Singer" mal mehr, mal weniger talentierte Promis. Der bislang souveränste Interpret ist - auch nach Meinung des Internetkollektivs - der "Astronaut", der Swarowski-Steinchen-geschmückt und mühelos bislang jedes Song-Duell für sich entscheiden konnte. Und ausgerechnet für diesen im wahrsten Sinne des Wortes brillanten Sänger lautet momentan der heißeste Internet Tipp:  MC Bruddaal! Gut, es gibt Indizien, dass unter dem Astronauten-Helm ein Baden-Württemberger stecken könnte, der sonst auch gerne Kopfbedeckung bevorzugt. Aber ob das wirklich der Fliegermützetragende Schorndorfer "Schwoba-Rapper" MC Bruddaal sein kann und er sein gesangliches Repertoire bislang nur "schwobamäßig" bescheiden nie gezeigt hat? 

Immerhin 18375 Abstimmer sind online der Überzeugung, der schwäbelnde Hip-Hopper steckt im Raumfahrer-Kostüm (Stand Freitag, 26.Juli). Der südbadische Sänger und Kopfstimmen-Virtuose Max Mutzke, der nächste  Tipp, rangiert nur auf Platz zwei, mit rund 300 Stimmen weniger. Wie kommt es, dass die Nation den durchaus talentierten, aber doch eher regional bekannten MC Bruddaal für einen der besten Sänger bei der Show halten mag?

Ob da der Facebook-Post von MC Bruddaal vom 12. Juli eine Rolle spielt? "Dahanna könnet Ihr Tippa ob I d'r Aschtronaut ben... 👩‍🚀🤔" postet er und fügt praktischerweise den Link zur Abstimmung gleich hinzu. Praktisch ist auch, dass man sich für die Online-Abstimmung auf der Seite nicht registrieren muss und man theoretisch unbegrenzte Stimmen hat. 

Der Fanclub war aktiv

Alles also ein vom Schwoba-Rapper, der im wahren Leben Henrik Brislow heißt, selbst erdachter PR-Coup? "Ich guck die Sendung nicht einmal" gibt Brislow auf Nachfrage unumwunden zu. Und seine Idee sei das auch nicht gewesen.  Vielmehr hätten seine Fans schon die ganze Zeit heimlich für ihn gevotet, einer machte ihn via Instagram darauf aufmerksam. Da rangierte er gerade auf Platz Acht beim Astronauten-Tipp, gleich hinter Smudo von den Fantastischen Vier. Sein Fanclub schrieb ihm dann auch eine eMail :" Guck dahanna, wir hen di auf Platz zwoi hochgevotet, da gloschd, oder?", gehalten im typischen MC Bruddaal Schwoba-Slang. 

Witzige Aktion bringt neuen Ruhm

Witzige Aktion, dachte er da bei sich, und unterstützte die Entwicklung mit seinem Facebook-Aufruf. Dass dies aber solche Ausmaße erreichen würde, hätte er nicht gedacht. "Es ist ja technisch relativ einfach, da jemanden hoch zu pushen" beschwichtigt er, findet es aber erstaunlich, wie groß diese Sendung sei und wieviel Aufmerksamkeit sie wecke.

Ob er schon etwas von seinen neuen Ruhm bemerkt? Immerhin hat die Online-Seite "Promiflash" bereits unter die Lupe genommen, wie er als ein "mäßig bekannter Rapper" zum Voting-Phänomen werden konnte. "Es schreiben mir verstärkt Leute auf Twitter oder sie schauen auf mein Profil, um rauszufinden, wer ich eigentlich bin" sagt MC Bruddaal. Noch merke er aber nicht viel vom neuen Kult-Status als Astronaut. Er wisse auch noch nicht genau, wie er daraus Profit schlagen könne. Fernsehsender seien normalerweise nicht sehr humorvoll, wenn es um unbezahlte Promotion geht. "Da darf man nicht mal eine Jogginghose mit seinem Namen drauf tragen".

Aber einen Plan hat er zumindest: "Ich denke, ich muss die nächste Sendung von The Masked Singer echt mal anschauen. Vielleicht nennen sie ja tatsächlich meinen Namen." 

Die nächste Folge

Die letzte Folge von The Masked Singer läuft am Donnerstag, 1.August um 20.15 Uhr auf Pro Sieben. ProSieben zeigt die Show live. Das Vorbild ist die südkoreanische Sendung des TV-Senders MBC, das seit 2015 in Südkorea ausgestrahlt wird: „The King of Mask Singer” . Die Promis kommen aus allen Lebensbereichen – es könnten Musiker, Sportler, Schauspieler, Köche, Moderatoren, Politiker, Schriftsteller, Künstler, Trainer, Unternehmer oder andere bekannte Gesichter sein. Bislang entlarvt wurden als Teilnehmer: Volksmusik-Sängerin Stefanie Hertel (Panther), Topmodel Markus Schenkenberg (Eichhörnchen), Schauspieler Heinz Hoenig (Kakadu), Soup-Schauspielerin Susan Sideropoulus (Schmetterling), Sängerin Lucy Diakovska (Oktopus). 

MC Bruddal

Der 38-jährige Henrik Brislow vertont als MC Bruddaal gutgelaunten schwäbischen Hip-Hop. Der Schorndorfer hat jetzt sein viertes  Album "Heilligsplättle" veröffentlicht. Er selbst sagt übers sich auf seiner Webseite: 

Angefangen hat’s vor einer Weile im Stuttgarter Schlossgarten, die Sache mit MC Bruddaal. Schuld ist der Schwaben’ liebster Zankapfel „Stuttgart 21“. Sein Besuch in den Tipizelten mit schwäbischer Lagerfeuer-Romantik entfachte die Heimatliebe einfach „bruddaal“ und die wollte von nun an auch ausgedrückt werden – mit “Du bisch mei Number One”, einer gut gelaunten Schwabenrap-Liebeserklärung an seine Heimatstadt Stuttgart. Er war zwar auch schon woanders “…aber da hott mr oifachs Essa ned gschmeckt“.
 

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