Tierheim Schorndorf Sommerferien: Horrorzeit für Haustiere

Schorndorf. Die Sommerferien – eigentlich ein Grund zur Freude und zur Entspannung. Nicht so sehr im Tierheim Schorndorf. Ausgesetzte Tiere, angebundene Hunde, weniger Besucher: In der Ferienzeit vernachlässigen manche Menschen ihre Tiere, um in den Urlaub zu fahren. Oft kennen die Tierheim-Mitarbeiter dann nicht einmal den Namen oder die Vorgeschichte der Fundtiere.

Kurz vor Beginn der Sommerferien: Wieder mal wird ein Hund gefunden. Da er nur drei Beine hat, ist er relativ leicht wiederzuerkennen, aber gemeldet hat sich im Tierheim Schorndorf niemand. Die Mitarbeiter gehen davon aus, dass der Hund entweder ausgesetzt wurde, oder von weiters her, zum Beispiel aus Norddeutschland, kommt. Die Geschichte bleibt kein Einzelfall: Erst diesen Dienstag wurde wieder ein angebundener Hund gefunden. „Die Sommerferien sind zwar fast zu Ende, aber vielleicht gibt es doch noch Menschen, die erst noch in den Urlaub fahren“, mutmaßt Tierheim-Leiterin Petra Ehmann. Insgesamt haben die Mitarbeiter auch in diesen Ferien gemerkt, dass es mehr Abgabe- und Fundtiere gab.

In den letzten Wochen kamen zudem weniger Besucher vorbei, die sich für eines der Tiere interessieren. Die meisten Menschen waren in den Ferien. „Seit letzter Woche merken wir aber, dass wieder mehr Leute vorbeikommen“, so Ehmann.

Unkomplizierte Hunde sind schnell vermittelt, andere bleiben länger

Glück hatten die Mitarbeiter in den letzten Monaten bei der Vermittlung ihrer Hunde. „Wir hatten wirklich viele freundliche, nette Hunde da“, berichtet Ehmann. Auszubildende Tamara Köppler freut sich: „Die waren alle nach ein oder zwei Monaten wieder weg.“ So gut läuft es nicht immer. Der letzte Hund, der etwas „schwieriger“ war, musste zwei Jahre lang im Tierheim bleiben. „Am Ende werden die meisten Tiere vermittelt“, sagt Sabine Hermann. „Bei manchen dauert es allerdings länger als bei anderen.“ Wenn die neuen Besitzer dann Fotos und Berichte schicken, auf denen vorher angeschlagene Tiere sich offensichtlich pudelwohl fühlen, gibt das der Ersten Vorsitzenden des Tierschutzvereins die Freude und Kraft, die nötig sind, um ihr Ehrenamt weiter auszuüben.

Das Aussetzen eines Hundes ist eine Ordnungswidrigkeit, die den Täter eine Geldbuße von bis zu 25 000 Euro Strafe kosten kann. Selbst wenn man die moralischen Implikationen beiseitelässt, ist das Aussetzen der Tiere – selbst in Nähe des Tierheims – auch schlichtweg einfach unpraktisch für die Mitarbeiter, die sich bestmöglich um das Tier kümmern wollen. „Bei ausgesetzten Tieren wissen wir nicht, wie lange sie schon draußen waren“, gibt Sabine Hermann zu bedenken. „Wir kennen dann weder die Krankheitsgeschichte des Tieres noch die Besonderheiten, die bei der Haltung wichtig sind.“

Auch Petra Ehmann bittet Tierbesitzer darum, erst einmal Kontakt mit dem Tierheim herzustellen. „Wir helfen Menschen, wenn sie Probleme mit ihren Tieren haben“, sagt sie. „Wenn es gar nicht anders geht, nehmen wir die Tiere auch auf. Das braucht den Besitzern nicht peinlich zu sein. Wir verurteilen niemanden.“

Schwarze Katzen aus einer Wohnungsräumung

Im Moment wohnen sehr viele schwarze Katzen im Tierheim. Sie kommen aus einer Wohnungsräumung. Von den elf Katzen, die in der Wohnung lebten, hat das Tierheim Schorndorf sieben übernommen. Es kooperiert oft mit anderen Tierschutzvereinen in der Umgebung; die Katzen kamen zum Beispiel aus Waiblingen, wo es kein lokales Tierheim gibt.

Das Tierheim hat Fundtierverträge mit den Gemeinden Schorndorf, Winterbach, Rudersberg und Remshalden. Alle Tiere, die in diesen Bereichen gefunden werden, landen bei ihm. „Die Stadt hat die Pflicht, Tiere, die gefunden werden, sechs Monate aufzubewahren – wie bei Fundsachen auch“, erklärt Sabine Hermann. „Damit würden sie sich aber bei Lebewesen eher schwertun.“ Die meisten Bürgermeister und Bürgermeisterinnen wollen vermutlich keine Katzen in ihrem Büro beherbergen. Durch die Verträge mit ortsansässigen Tierheimen können Gemeinden ihrer Pflicht nachkommen. Dafür unterstützen sie das Tierheim finanziell.

Die Finanzierung 

Von den Gemeinden Remshalden, Rudersberg und Winterbach bekommt das Tierheim eine Fundtierpauschale von 40 Cent pro Einwohner. Von der Stadt Schorndorf gibt es mit 50 Cent pro Kopf etwas mehr. Trotzdem liegen die Gemeinden damit weit unter der Empfehlung des Deutschen Tierschutzbundes, der zu einem Euro Fundtierpauschale pro Einwohner rät. Die könnte das Tierheim gebrauchen. „Zwischenzeitlich konnten wir unsere Kosten nicht decken“, sagt Sabine Hermann. „Wir sind zwar ein gemeinnütziger Verein, aber am Ende des Jahres sollten wir trotzdem auf null kommen.“

Tierarzt- und Personalkosten: Das sind die größten Posten, die anfallen. Finanzieren kann sich das Tierheim mit der Unterstützung der Gemeinden, den Beiträgen der Mitglieder des Tierschutzvereins Schorndorf und Umgebung, den Abgabegebühren für die Tiere und natürlich durch Spenden. Bei regelmäßigen Spenden geht die Tendenz aber eher abwärts, meint Hermann.

Weil das Gelände des Tierheims eigentlich zu klein für die Tiere ist, überlegt sich der Tierschutzverein, es zu erweitern oder nach einem neuen Gelände zu suchen. In Stein gemeißelt ist aber noch nichts. „Das wäre natürlich ein Riesenprozess“, meint Sabine Hermann. „Da müssten wir erst einmal schauen, wie es finanziell aussieht und ob wir die nötigen Zuschüsse bekommen könnten.“

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