Tiny House Ein Wohnkonzept der Zukunft

Madeleine Krenzlin baut weiter an ihrem Tiny House. Foto: Büttner / ZVW

Winterbach/Schorndorf. Zu wenig Platz für Wohnungen in Städten und explodierende Kosten - um in Zukunft noch eigenen Wohnraum finanzieren zu können, müssen wir uns von traditionellen Konzepten verabschieden. Madeleine Krenzlin aus Winterbach setzt auf einen alternativen Wohntrend aus den USA: Sie baut ein mobiles Minihaus, bei dem sie das Thema ganz neu und speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten entwickelt.

Zu zweit auf 100 Quadratmetern wohnen - das mag vor Jahren noch möglich gewesen sein, aber angesichts der steigenden Immobilienpreise und des Mangels an überhaupt verfügbarem Wohnraum werden sich die meisten Menschen in Zukunft wohl mit deutlich weniger begnügen müssen. Und das muss kein Grund zur Wehmut sein, sondern ein Anlass, das Thema Wohnen von Grund auf neu zu denken. So macht es Madeleine Krenzlin. Sie ist Teil einer Bewegung namens „Sharing Economy“, die darauf setzt zu teilen oder zu mieten, statt alles selbst zu besitzen, was man ohnehin nicht ständig in Gebrauch hat.

Platz sparen: Was ausgeliehen werden kann, wird ausgemistet

„Muss ich eine Skiausrüstung selbst besitzen, wenn ich eh nur einmal im Jahr zum Skifahren gehe? So was kann ich mir ausleihen“, erklärt Krenzlin die Idee. Nach diesem Prinzip könne man ausmisten und später mit viel weniger Platz auskommen. Sie selbst legte sich alle Dinge des vermeintlichen Alltags auf einen Tisch und versuchte damit täglich zu leben. Was nicht gebraucht wurde flog raus - was zusätzlich häufig benötigt wurde kam dazu. So reduzierte sie ihren Besitz, der von einer großen Wohnung bald in das winzige mobile Häuschen umziehen soll, das sie gerade in einer Schorndorfer Werkstatt baut.

Raus aus dem Haus und auf öffentliche Plätze ausweichen

Auf den knapp 20 Quadratmetern des Minihauses ist Platz für Geselligkeit: Acht Personen passen bequem an den Kaffeetisch - das hat die Häuslebauerin zenitmetergenau ausgemessen. Aber: Bei der Planung hat sie natürlich auch bedacht, dass zwei Erwachsene in dem Tiny House leben sollen, und die brauchen ab und an etwas Privatsphäre.

Es gibt keine Tür, die man hinter sich schließen kann - außer der zum Badezimmer. Das hat eine wichtige Folge für die Bewohner: „Ich möchte und muss dann mehr raus. Öffentliche Plätze werden wichtiger.“ Und die findet sie in Zukunft „in der Natur oder im Café…“, erklärt Krenzlin. Je nachdem wo man sich gerne aufhält, wird die passende Infrastruktur rund um das kleine Zuhause wichtiger.

Baukosten sind mit durchschnittlich 50 000 Euro nur gering

„Wir müssen bezüglich unserer Ressourcen umdenken“, findet auch Paul Kuhn, Inhaber des Holzfachhandels Videre in Geradstetten. Er unterstützt das Projekt von Madeleine Krenzlin, indem er ihr Holz für den Bau zur Verfügung stellte aus tiefster Überzeugung: „Ich finde es toll, wenn junge Leute alternative Wege gehen. So viel Platz ist nicht nötig. Ein Tiny House könnte aber auch Leuten helfen, die bei den Mieten an ihre Grenzen stoßen.“ Und tatsächlich sind die durchschnittlich 50 000 Euro Baukosten nur ein Bruchteil dessen, was beim Bau eines konventionellen Wohnhauses anfallen würde. Kuhn wünscht sich Unterstützung von Stadt und Land, die durch weniger Auflagen ermöglichen könnten, dass Menschen mit solchen alternativen Ideen nicht von vornherein die Lust vergeht. Wie berichtet, ist derzeit allerdings keine Sonderregelung für den Bau von mobilen Minihäuschen geplant.

Ökostrom fürs alternative Wohnkonzept

Dabei sind die Häuser häufig autark - das heißt unabhängig von Strom- und Wasseranschlüssen, die derzeit für den Stellplatz eines dauerhaft bewohnten Häuschens erforderlich sind. Auch wenn es also einen Anschluss geben wird - der Strom in Krenzlins Haus wird von einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach kommen. So ist es jedenfalls geplant. „Derzeit bin ich aber noch auf der Suche nach einem Projektpartner“, sagt Krenzlin - am liebsten wäre ihr ein Unternehmen aus der Region.

Am vergangenen Wochenende ist die Unterkonstruktion für die geplante Anlage entstanden: das Dach. Der Bau findet im Rahmen von Workshops statt, bei dem Menschen, die selbst schon konkrete Pläne für ein Tiny House haben lernen, wie so ein Häuschen gebaut wird. Um diesen zweiten Workshop geht es in der kommenden Woche in der Fortsetzung der Tiny-House-Reihe.


Sharing Economy

Die Sharing Economy ist eine „Wirtschaft des Teilens“. Es geht nicht mehr darum Dinge selbst zu besitzen, sondern um den Zugang zu Gütern und Dienstleistungen. Man teilt oder mietet statt zu kaufen. Das ist natürlich keine neue Idee, doch durch Internet und Technik wird vieles erleichtert. Deshalb sind in diesen Markt einige große Unternehmen eingestiegen. Daimler hat mit „car2go“ den größten Car Sharing Pool in Stuttgart gestartet. Neben Autos werden aber auch Wohnraum (beispielsweise über AirBnB) und sogar Backformen (so angeboten von der Bücherei in Schwaikheim) geteilt.

Übrigens: Der Termin für den „Tag der offenen Werkstatt“ ist auf den 13. Mai verschoben worden. Die Jugendfeuerwehr wird Getränke ausschenken und Würstchen grillen. Damit es für alle reicht, wird um eine kurze Anmeldung gebeten. Die Adresse wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Wir begleiten den Bau des Tiny Houses mit Bildern, Texten und Videos.

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