Trotz Aktenzeichen XY Schorndorfer Uhrenraub bleibt weiter ungelöst

Schorndorf. Der Schorndorfer Uhrenraub ist trotz eines Beitrags in der Sendung „Aktenzeichen XY“ bis heute nicht geklärt. Mit gezogener Pistole war ein junger Mann am Abend des 24. September 2018 ins Juweliergeschäft Greiner am Schorndorfer Marktplatz gestürmt. Er hatte es gezielt auf wertvolle Unikate abgesehen. Sieben handgefertigte Uhren im Wert von mehreren Zehntausend Euro steckte er ein – und verschwand unerkannt.

Bevor der maskierte Mann das Juweliergeschäft betrat, hatte er sich sehr auffällig in Schorndorf verhalten. Er grüßte Passanten in fremden Sprachen, trug ein Tuch vorm Gesicht, tänzelte seltsam herum.

Dass ein Räuber sehr gezielt nach ganz besonderen Unikaten verlangt, die etwas versteckt im Schaufenster bei Juwelier Greiner ausgestellt waren – das ist mehr als ungewöhnlich. Solche Stücke dürften aufgrund ihrer Einzigartigkeit besonders schwierig zu Geld zu machen sein. Dieser Raub erregte so viel Aufsehen, dass selbst die Redaktion der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ darauf aufmerksam wurde. Sieben Monate nach dem Raub, am 24. April, sendete das ZDF einen Beitrag zu diesem Fall. Danach gingen bei der Polizei zwar Hinweise ein, aber „nur vage“, berichtet Polizei-Pressesprecher Ronald Krötz: Bis jetzt liege zu diesem Fall „nichts Konkretes“ vor.

Und jetzt?

„Wir rätseln alle. Uns ist das auch unerklärlich“, sagt Günter Salomon, Inhaber des Juweliergeschäfts Greiner. Er und seine Frau hatten sich im Laden aufgehalten, als der junge Mann an jenem Montag im September gegen 18.10 Uhr hereinstürmte. Günter Salomon schreckt noch heute hin und wieder zusammen, wenn jemand draußen vorbeirennt oder ihn das Äußere eines Passanten an den Räuber erinnert. Im Großen und Ganzen hätten er und seine Frau aber den Vorfall gut verkraftet, erzählt der Inhaber. Keine 50 Sekunden dauerte der Raub, erinnert sich Günter Salomon, und der Täter habe, trotz vorgehaltener Pistole, nicht wirklich aggressiv gewirkt.

Das Ehepaar Salomon musste sich im Zuge der Vorbereitungen zum Beitrag in Aktenzeichen XZ nochmals der Erinnerung stellen – aber dann „hat sich alles wieder gelegt.“ Und jetzt? Jetzt ist man so weit wie zuvor: Niemand weiß, wer der Mann war, wo die Uhren sind und warum er genau diese Exemplare haben wollte. Das Aktenzeichen XY blieb – dem Titel der Sendung entsprechend – ungelöst.

Aktenzeichen XY: Seit 1967 auf Sendung

Bei Raub liegt die Erfolgsquote der Sendung bisher bei gut 31 Prozent. Der Schorndorfer Fall zählt nun zu einer langen Reihe von knapp 1340 Raubdelikten, die „Aktenzeichen XY“ seit Bestehen der Sendung aufgegriffen hat. „XY ist eine der ältesten TV-Sendungen im deutschen Fernsehen überhaupt“, so Chefredakteurin Ina-Maria Reize-Wildemann. Am 20. Oktober 1967 ging die Reihe erstmals auf Sendung. Eduard Zimmermann gab den Startschuss mit den Worten: „Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung nutzen, das ist der Sinn dieser Sendereihe.“

„Der Kern des Formats ist absolut unverändert geblieben, aber die Umsetzung wurde natürlich vorsichtig und behutsam modernisiert und den aktuellen Sehgewohnheiten angepasst“, erläutert Ina-Maria Reize-Wildemann. Menschen interessieren sich für Kriminalfälle – das war schon immer so. Warum das so ist, dazu gibt’s diverse Theorien. Die Chefredakteurin glaubt, „dass das große Interesse am Thema Kriminalität etwas sehr grundlegend Menschliches ist. Man will wissen, woher Gefahr droht“.


Aktenzeichen XY

Auf zwei verschiedenen Wegen gelangen Kriminalfälle in die Sendung „Aktenzeichen XY“. Entweder die Redaktion hört von spektakulären Fällen und fragt bei der entsprechenden Polizeidienststelle an, ob sich der Fall für die Sendung eignet. Oder die Polizei oder die Staatsanwaltschaft wenden sich mit einer Anfrage an die Aktenzeichen-XY-Redaktion.

Im Fall des Schorndorfer Uhrenraubs war die ZDF-Redaktion von sich aus auf den Fall aufmerksam geworden.

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