TVB 1898 Stuttgart Bitter und Kraus: Kein Spiel mehr 2017

In diesem Fall ist geteiltes Leid wohl kein halbes Leid: Für den TVB-Torhüter Johannes Bitter (links) und den Spielmacher Michael Kraus ist das Kalenderjahr nach Muskelfaserrissen gelaufen. Foto: Marco Wolf

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart muss für den Rest des Kalenderjahres nicht nur auf Torhüter Johannes Bitter verzichten, sondern auch auf Michael Kraus. Der Spielmacher hat sich in der Partie gegen Lübbecke nicht nur eine Zerrung zugezogen, sondern wie sein Weltmeisterkollege einen Muskelfaserriss. Daniel Sdunek wird sein Bundesliga-Comeback feiern.

„Schlimmer hätte das Wochenende für uns wirklich nicht laufen können“, sagt Jürgen Schweikardt. Erst die bittere Heimpleite gegen das Schlusslicht TuS Nettelstedt-Lübbecke. Dann die Nachricht, dass Johannes Bitter die restlichen fünf Spiele bis zur EM-Pause wegen eines Muskelfaserrisses an der Rückseite des linken Oberschenkels verpassen wird.

Schweikardt: Noch schlimmer als in der vergangenen Saison

Tags darauf folgte die nächste Hiobsbotschaft, die dem TVB-Geschäftsführer die Laune vollends kräftig verdorben hat: Die Zerrung an der Wade, die bei Michael Kraus zu Beginn der Woche noch diagnostiziert worden war, stellte sich nun nach einer sorgfältigen Untersuchung ebenfalls als Muskelfaserriss heraus. Das bedeutet, auch Kraus wird 2017 nicht mehr aufs Spielfeld zurückkehren.

„Diese Nachricht setzt unserer ganzen Verletzungsmisere die Krone auf“, sagt Schweikardt. „Uns trifft’s noch schlimmer als in der vergangenen Saison, wir stecken jetzt richtig in der Scheiße.“ Nichtsdestotrotz genieße der Rest des Teams sein volles Vertrauen. „Wir werden versuchen, das Maximale aus der Situation herauszuholen und uns mit allem zu wehren, was wir haben.“ Die Mannschaft müsse nun noch enger zusammenrücken.

Not-Transfer im letzten Jahr

Den Monat November möchte Johannes Bitter am liebsten aus dem Kalender streichen – und seine Oberschenkel künftig in Watte packen. Fast exakt vor einem Jahr hatte er sich – im Training – dieselbe Verletzung am anderen Bein zugezogen. Sechs Partien verpasste Bitter, zwei Spiele absolvierte er noch im Jahr 2016: Die 19:23-Niederlage beim späteren Absteiger HBW Balingen-Weilstetten verhinderte auch seine gute Leistung beim Comeback nicht. Am 28:26-Sieg des TVB am zweiten Weihnachtsfeiertag gegen den SC DHfK Leipzig hatte Bitter dagegen wesentlichen Anteil.

Die Verantwortlichen des TVB reagierten im vergangenen Jahr auf Bitters Ausfall. Nach dem 30:29-Sieg gegen den TBV Lemgo, mit dem starken Dragan Jerkovic im Tor, und der Niederlage gegen die SG Flensburg-Handewitt (28:46) verpflichteten sie einen Ersatz für Bitter – auch, weil sich zu allem Übel Jerkovic eine Wadenverletzung zuzog und sein Einsatz im folgenden Spiel gegen FA Göppingen unsicher war: Mihai Pop, zuletzt beim rumänischen Erstligisten Baia Mare unter Vertrag, war Mitte Dezember vereinslos und deshalb sofort verfügbar.

Diesmal vor der Saison vorgesorgt

Über einen Not-Transfer machten sich die TVB-Verantwortlichen dieses Mal keine Gedanken – weil sie vor der Saison vorgesorgt hatten. Mit der Verpflichtung von Daniel Sdunek (37), der von 2009 bis 2015 das Bittenfelder Trikot getragen hatte und mit dem TVB in die erste Liga aufstieg, sollte nicht nur der Kader des Württembergligateams verstärkt werden. „Wir hatten damals schon im Hinterkopf, dass wir mit Daniel einen bundesligaerfahrenen Torhüter in der Hinterhand haben werden, falls Not am Mann wäre“, sagt Jürgen Schweikardt. „Und ich traue ihm die Rolle auf jeden Fall zu.“ Sdunek sei ein ähnlich emotionaler und charakterstarker Typ wie Bitter.

„Jonas hat auch in der ersten Liga schon gute Spiele gemacht“

Daniel Sdunek wird zusammen mit Jonas Maier (23) und Nick Lehmann (18) das Torhüter-Trio bilden, solange Bitter zum Zuschauen verdammt ist. Die beiden jungen Keeper genießen ebenso Schweikardts Vertrauen wie Sdunek. Jonas Maier, der vor der Saison vom Ligakonkurrenten TBV Lemgo gekommen war, hat in seinen bisherigen (Kurz-) Einsätzen nur wenig Akzente gesetzt. Daniel Sdunek ist jedoch von den Qualitäten des gebürtigen Schwetzingers überzeugt. „Jonas hat auch in der ersten Liga schon gute Spiele gemacht“, sagt der 37-Jährige – und hofft, dass sein Kollege schon am Sonntag in Wetzlar sein Können zeigen wird. „Ich habe kein Problem damit, 60 Minuten auf der Bank zu sitzen, es geht nur um die Punkte für den TVB.“

Sdunek musste nicht lange überlegen

Als die Verantwortlichen an ihn herangetreten seien mit der Bitte, in die Bresche zu springen, habe er nicht lange überlegen müssen, sagt Sdunek. „Es ist schließlich eine klasse Sache, mit dem TVB noch einmal in der 1. Liga zu spielen.“ Er habe zwar seit zweieinhalb Jahren nicht mehr auf höchstem Niveau trainiert, traue sich aber zu, punktuell zu helfen. „Sonst hätte ich nicht zugesagt“, so Sdunek. „Ich möchte jedenfalls nicht, dass die Leute sagen, was wollt ihr denn mit dem alten Mann da.“

In diesem Fall ist geteiltes Leid wohl kein halbes Leid: Für den TVB-Torhüter Johannes Bitter (links) und den Spielmacher Michael Kraus ist das Kalenderjahr nach Muskelfaserrissen gelaufen. Bild: Wolf

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