TVB 1898 Stuttgart Das Personal kränkelt, die Moral ist intakt

Der junge Max Häfner (hier gegen Patrick Zieker und Tim Suton) bekam in Lemgo viel Spielzeit. Der variable Youngster durfte auf Linksaußen, im linken Rückraum und auf der Spielmacherposition ran. Foto: Cohen

Auch wenn das Resultat enttäuschend war für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart: Die 21:24-Niederlage beim TBV Lemgo nach missratenen ersten 30 Minuten war – zumindest teilweise – zu erklären. Die Möglichkeiten von Markus Baur, personell zu reagieren, waren erneut überschaubar. „Wir haben gezeigt, dass wir trotzdem Qualität haben“, sagt der Trainer.

Wie sagt der Schwabe, wenn Kleinigkeiten den Ausschlag gegeben haben über Erfolg und Misserfolg? Ein „Muggeseggele“ fehlte, dann hätten die Bittenfelder aus der Lipperlandhalle in Lemgo zumindest einen Punkt mitgenommen. Deshalb ärgerte sich der TVB-Trainer Markus Baur nicht nur unmittelbar nach dem Schlusspfiff über die verpasste Chance, die angesichts der fahrigen ersten 30 Minuten eigentlich gar nicht mehr vorhanden schien, sondern auch noch am Tag danach.

Baur: "Ich denke, wir hätten einen Punkt verdient gehabt"

Nachdem sich der Coach das Spiel noch einmal in der Konserve angesehen hatte, sah er sich in seiner Erstmeinung bestätigt: Der letzte Siebenmeter für Lemgo, den Christoph Theuerkauf zwei Minuten vor Schluss zur 22:21-Führung versenkte, war für Baur – vorsichtig ausgedrückt – äußerst zweifelhaft. Beim anschließenden Freiwurf, der Chance zum Ausgleich, sei der Abstand der Lemgoer Mauer zum Schützen zu gering gewesen. „Ich denke, wir hätten einen Punkt verdient gehabt“, sagt Baur.

30 Minuten lang hatte es ganz und gar nicht danach ausgesehen, dass die Bittenfelder auch nur an einem Punkt schnuppern könnten. „Da hatten wir Glück, dass Lemgo nur mit sechs und nicht mit zehn Toren führte“, sagt Baur.

Schwache Wurfquote

Nach dem starken Auftritt in Göppingen war der TVB selbstbewusst zum Tabellennachbarn gefahren – und wurde kalt erwischt. Die nach Baurs Geschmack „harte“ Rote Karte gegen Tobias Schimmelbauer, der Isaias Guardiola im Gesicht traf, habe seine Spieler komplett verunsichert. Dass ausgerechnet der Spanier zum gefährlichsten Angreifer des Gegners avancierte, passte ins Bild. Die schwache Wurfquote, die ersten sieben Angriffe des TVB endeten im Nirwana oder beim Lemgoer Keeper Peter Johannesson, taten ihr Übriges. „In dieser Phase waren wir auch viel zu ängstlich in unseren Angriffsaktionen“, sagt Baur.

Kraus mit Wadenproblemen auf der Bank

Einer, der in solchen Situationen normalerweise das Heft in die Hand nimmt, war gehandicapt: Michael Kraus ging mit Wadenproblemen in die Partie. In der zweiten Halbzeit blieb er auf der Bank. Auch in der heißen Schlussphase. Anders als gegen die Eulen Ludwigshafen, wo Kraus entscheidende Akzente setzte. „Ich habe nicht darüber nachgedacht, ihn zu bringen“, sagt Baur. „Das Risiko war mir zu groß.“

Heimteam nach der Pause immer unsicherer

Auch ohne seinen torgefährlichen Spielmacher hätte der TVB die Partie noch drehen können, er meldete sich nach der Pause eindrucksvoll zurück und ließ dem TBV Lemgo keine Luft mehr zum Atmen. Die Deckung knüpfte an die Leistung aus dem Göppingen-Spiel an, und die Angriffe wurden mit deutlich mehr Überzeugung abgeschlossen. Von Minute zu Minute wurde das Heimteam unsicherer. „Lemgo hat offensichtlich nicht daran geglaubt, dass wir noch einmal zurückkommen“, sagt Baur.

Personal fehlte

Am Ende haben dem TVB nicht nur in der einen oder anderen Situation das Glück oder ein Pfiff der Schiedsrichter gefehlt, sondern auch das Personal. Die Bittenfelder mussten nicht nur den frühen Ausfall Schimmelbauers verkraften. Gar nicht mit nach Lemgo fuhr der erkrankte Rechtsaußen Finn Kretschmer. Damit war Bobby Schagen auf dieser Position der einzig Verbliebene – was dem TVB die Option nahm, Kretschmer und Schagen gleichzeitig aufs Feld zu schicken. Zuletzt hat diese Variante ordentlich funktioniert. Weil auch Kraus nicht mehr einsatzfähig war, wurde es dünn im Rückraum.

Kretschmer und Kraus gegen Gummersbach im Einsatz?

So kamen die beiden Youngster Florian Burmeister und Max Häfner zu Spielanteilen. Beide erledigten ihre Aufgaben ordentlich, Burmeister warf sein erstes Bundesligator für den TVB. „Wir haben auch in dieser Konstellation gezeigt, dass wir Qualität haben“, sagt Baur. Den einen oder anderen gestandenen Spieler indes kann der TVB in den kommenden Wochen gut gebrauchen. Kretschmer und Kraus dürften bis zum Sonntag in der Porsche-Arena (Ab 12.30 Uhr in unserem Liveticker auf www.zvw.de/liveticker) gegen den VfL Gummersbach wieder einsatzfähig sein. Das Comeback von Marian Orlowski rückt zumindest näher. Spätestens im Pokalspiel in Lemgo in zwei Wochen soll der wurfgewaltige Rückraumspieler wieder bereit sein.

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