Urbach Urbacher Waldhaus: Pro und Contra

Das Modell „Hochsitz“ hat der Urbacher Gemeinderat vor fast einem Jahr fürs Waldhaus ausgewählt. Ob’s gebaut wird, entscheidet sich am 22. April beim Bürgerentscheid. Foto: Habermann / ZVW

Urbach. Am kommenden Sonntag entscheiden die Urbacher nicht nur, wer neuer Bürgermeister wird. Sie haben vielmehr gleichzeitig auch die Möglichkeit, in einem Bürgerentscheid über das geplante Waldhaus abzustimmen. Im Vorfeld dieser Entscheidung geben wir in einem Pro und Contra den Befürwortern und den Gegnern dieses Walhauses Gelegenheit, Stellungnahmen abzugeben.

Pro

Die Befürworter des Waldhauses schreiben:

Ein Waldhaus ist für Urbach Chance und Gewinn - weil es im Zentrum von Rad- und Wanderwegen im Wald gelegen ist: Radfahren und Wandern sind „in“. Die Kühle des Waldes, das Rascheln der Blätter, das Rauschen der Bäche schenkt Regeneration und Wohlbefinden.

Das Waldhaus als „Südtor“ zum Naturpark „Schwäbisch-Fränkischer Wald“ ist Start und Ziel fantastischer Touren. - weil es eingebettet ist in eine Palette attraktiver, neu entstehender Freizeitangebote: Der erste Spatenstich hat Appetit verbreitet: Waldspiel- und Grillplatz, Waldtierpfad, Mountainbike-Flow-Trail - in guter Nachbarschaft vom Waldhaus als Info-, Treff- und Aufenthaltspunkt für Jedermann. - weil es ein Mitmach- und kein Prestigeobjekt für junge und ältere Naturfreunde werden soll: Willkommen und eingeladen sind Wissbegierige, Ideenreiche, Ruhesuchende und Aktivhungrige, Schulklassen, Kindergartengruppen, Vereine, kirchliche Gruppierungen oder Freundeskreise, die Naturkundliches bei Vorträgen und Exkursionen erfahren, die einen waldpädagogischen Tag erleben oder Kindergeburtstag feiern oder sich zu einem Workshop zurückziehen.

Groß ist der „Markt der Möglichkeiten“, den ein Waldhaus als Ort der Bildung, Begegnung oder auch Besinnung bietet. - weil es keine „Eintagsfliege“ ist: Urbachern und seinen Gästen steht das Waldhaus als „Grüne Stube“ über das Gartenschaujahr hinaus für viele interessante Aktivitäten zur Verfügung. - weil es gut angelegtes Geld ist: Jungen Menschen gehört die Zukunft, unsere Aufgabe ist es, ihnen den schonenden Umgang mit unseren Lebensgrundlagen zu vermitteln. Waldpädagogik ist Bildung in nachhaltige Entwicklung und in den Lehrplänen verankert.

Das ist wahrlich sein Geld wert. - weil es eine echte „Naturschutzoffensive“ darstellt: Der Standort beeinträchtigt kein schützenswertes Naturgut, ist aber naturnah gelegen. Waldpädagogen, Naturparkführer, Wanderbegleiter und ein Team junger Waldranger haben die Gelegenheit, das Waldhaus zu einer „Drehscheibe“ waldfachlicher Aufklärung zu machen. - Fazit: Weil uns ein Waldhaus ganz neue Möglichkeiten eröffnet, sind wir dafür.

Contra

Die Gegner des Waldhauses schreiben:

Das Waldhaus tangiert naturschutzrechtlich sensible Gebiete. Unsere Natur ist keine Spielwiese für Planer und Event-Hascher! Waldpädagogik findet grundsätzlich im Wald und nicht in einem Haus statt! Das Musikerheim im Bärenbachtal steht für besondere Anlässe zur Verfügung, es ist kein Neubau nötig!

Für die Waldpädagogik stehen auch das Waldmobil und die Waldbox bereit. Eine völlig freiwillige Aufgabe, wie das Waldhaus, erhöht die Verschuldung der Gemeinde. Die Verwaltung und Unterhaltung des Waldhauses wird die Finanzen der Gemeinde weit über das Gartenschaujahr 2019 hinaus erheblich belasten. Die geplanten Gelder könnten eingespart bzw. sinnvoller ausgegeben werden (z.B. Sanierung der Kanalisation /Straßen, Nahversorgung im nördl. Ortsteil, Feuerwehrhaus, Pflege/Erhalt der Streuobstwiesen).

Es besteht bisher kein pädagogisches Gesamtkonzept für das Waldhaus. Es gibt mehrere Waldhäuser bzw. ähnliche Einrichtungen in Deutschland (z.B. in Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg) – Urbach mit seinen knapp 9000 Einwohnern spielt in einer anderen Liga! Die Waldhäuser werden in der Regel nicht von einer Gemeinde, sondern von Gemeindeverbänden bzw. Landkreisen betrieben. Es gibt kein Verkehrskonzept betreffs des Waldhauses.

Die Hagsteige ist für zusätzlichen Verkehr nicht ausgelegt. Die Parkplätze am Freibad sind während der Badesaison bzw. am Hagparkplatz nicht ausreichend. Der Neubau eines Waldhauses ist eine Ressourcenverschwendung und widerspricht der Wirtschaftlichkeit und der Nachhaltigkeit. Als Prestigeobjekt wollen sich wohl einige Personen mit dem Waldhaus ein Denkmal setzen. Es besteht die Tendenz, dass zur besseren Auslastung des Waldhauses dieses nicht nur für die Waldpädagogik genutzt wird, was zusätzlichen Verkehr, Lärm, Müll … verursacht.

Zauberwort Zuschüsse: Zuschüsse sind Gelder, die der Steuerzahler an anderer Stelle bereits bezahlt hat bzw. über die Verschuldung des Zuschussgebers noch zu zahlen hat. Die Gebühr für die Benutzung des geplanten Waldhauses muss von den Waldpädagogen an die Teilnehmer weitergegeben werden, ihre Kurse verteuern sich hierdurch. Fazit: Das Waldhaus passt nicht zu den gegebenen Örtlichkeiten und den finanziellen Ressourcen unserer Gemeinde!


Der Bürgerentscheid

  • Wer am Sonntag ins Wahllokal geht (beziehungsweise Briefwahl beantragt hat), erhält zwei Stimmzettel. Einen für die Bürgermeisterwahl, einen für den Bürgerentscheid. Auf dem für den Bürgerentscheid steht die Frage: „Sind Sie gegen den am 12.12.2017 vom Gemeinderat beschlossenen Bau eines Waldhauses?“ Wer diese Frage per Kreuz mit „Ja“ beantwortet, ist gegen den Bau. Wer „Nein“ ankreuzt, ist für den Bau.
  • Unsere Redaktion berichtet am Sonntagabend live in Bild und Ton aus der Urbacher Auerbachhalle sowohl über die Bürgermeisterwahl als auch über den Bürgerentscheid. Alle Entwicklungen und Ergebnisse des Wahlabends kann man im Live-Stream ab 18.15 Uhr mitverfolgen unter www.zvw.de/wahlstudio und auf Facebook unter facebook.de/zvwonline. Außerdem gibt es ab 18 Uhr einen Wahlblog unter www.zvw.de/wahl-urbach.

Unsere Berichterstattung zum geplanten Waldhaus in Urbach

17.03.2017: Urbach: Plädyoers für den Bau des Waldhauses

15.07.2017: Heftige Kritik an der Gartenschau

21.10.2017: Keine Gartenschau mit Urbach?

14.12.2017: Urbach: Kein Bürgerentscheid zum geplanten Waldhaus

05.03.2018: Bürgerbegehren: Waldhaus-Gegner übergeben 729 Unterschriften

07.04.2018: Das Waldhaus der große Zankapfel

18.04.2018: Urbacher Waldhaus: Pro und Contra

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