Urbach Wird der Bahnhof modernisiert?

Der Urbacher Bahnhof: Im Gegensatz zur Station in der Nachbarkommune Plüderhausen eigentlich kein größerer Problemfall. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Urbach/Plüderhausen.
Bereits Ende des vergangenen Jahres verkündeten Pressemitteilungen der Landtagsabgeordneten Claus Paal (CDU) und Petra Häffner (Grüne), dass die Bahnhöfe in Schorndorf und Urbach im Rahmen eines neuen Programms zur Bahnhofmodernisierung Fördergelder für einen barrierefreien Ausbau erhalten sollen. Mit dem „Bahnhofsmodernisierungsprogramms II“ wollen das Land und die Deutsche Bahn dafür sorgen, dass in Baden-Württemberg bis 2029 rund 50 Stationen modernisiert und barrierefrei umgebaut werden.

Für die Gemeinde Urbach kam diese Nachricht überraschend. „Wir freuen uns, aber wir wissen noch nicht, über was“, sagt die Bürgermeisterin Martina Fehrlen. Der Bahnhof sei in Urbach kein großes Thema. „Die Unterführung ist nicht schön und teils richtig eklig“, so die Bürgermeisterin. Da es aber möglich sei, ebenerdig die Gleise zu überqueren, müsse man die Unterführung nicht zwingend nutzen. „Wir sind nicht darüber informiert, welche Maßnahmen bei uns konkret geplant sind, und haben auch keine angemeldet“, so die Bürgermeisterin.

In Urbachs Nachbarkommune Plüderhausen regte CDU-Gemeinderat Ulrich Scheurer sich kürzlich darüber auf, dass in Urbach aus seiner Sicht bereits ein barrierefreier Bahnhof bestehe, die Bahn aber trotzdem Gelder für den Umbau zur Verfügung stelle. „Das kannst du den Leuten nicht erklären“, meinte er. Der Hintergrund der Aussage ist eine lange Vorgeschichte um den Plüderhäuser Bahnhof, der nicht barrierefrei überquert werden kann. Die Mehrzahl der Plüderhäuser Gemeinderäte kritisierte die Bahn in der Vergangenheit scharf, weil diese von der Gemeinde erwartet, sich mit viel Geld finanziell an der Planung für einen barrierefreien Umbau zu beteiligen.

Warum wird Urbach gefördert?

Warum wird also Urbach, ohne dass die Gemeinde sich besonders darum bemüht hätte, im Rahmen des neuen Programms gefördert, die Nachbarkommune Plüderhausen mit ihrem Problembahnhof aber nicht?

„Diese Frage haben wir auch gestellt“, sagt der Plüderhäuser Bürgermeister Andreas Schaffer auf Nachfrage. Die Erklärung: Damit ein Teil des Förderprogramms auch dem ländlichen Raum zugutekommt und nicht nur größeren Bahnhöfen, wurden zwei Gruppen für Stationen mit über beziehungsweise unter 1000 Reisenden pro Tag gebildet. So sollen auch kleinere Stationen von den Fördermitteln profitieren.

Plüderhausen konkurriert mit größeren Städten

Urbach fällt mit weniger als 1000 Fahrgästen pro Tag in eine andere Kategorie als Plüderhausen, das mehr als 1000 Fahrgäste am Tag verzeichnet – und so mit Kommunen wie Ulm, Tübingen und Schorndorf um eine Förderung konkurriert. Welche Bahnhöfe modernisiert werden, wird innerhalb der Kategorien nicht nur anhand der Fahrgastzahlen, sondern auch mit Hilfe anderer Kriterien wie zum Beispiel der Knotenfunktion der Stationen und des Anlagealters bestimmt. Insgesamt ist Plüderhausen bei der Bewertung trotz seiner Mängel nicht auf einem der vorderen Ränge gelandet.

Auf die Nachfrage, warum Urbach gefördert wird, Plüderhausen aber nicht, antwortete ein Sprecher der Bahn zudem, dass für Plüderhausen eine Finanzierung nach einem Gesetz zur Landesgemeindeverkehrsfinanzierung in Aussicht stehe, die mit den Bedingungen des Bahnhofsmodernisierungsprogrammes vergleichbar sei.

Wie lange die Planungen für einen barrierefreien Umbau in Plüderhausen noch in Anspruch nehmen, konnte der Sprecher nicht beantworten. Seit der Unterzeichnung eines Planungsvertrags im vergangenen Juni habe die Gemeinde Plüderhausen keine weiteren Informationen geliefert.

Entscheidung in den kommenden Monaten

Das hat damit zu tun, dass die Finanzierung der Planung im Plüderhäuser Gemeinderat umstritten ist. Im Haushalt 2020 der Gemeinde waren dafür ursprünglich 80 000 Euro vorgesehen, die der Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsberatungen auf 30 000 Euro gekürzt und mit einem Sperrvermerk versehen hat. Die Verwaltung soll prüfen, ob andere Fördermöglichkeiten bestehen, bevor die Gemeinde viel Geld investiert. Das Bundesprogramm, das dafür infrage kommt, ist laut Andreas Schaffer aber noch nicht in trockenen Tüchern.

Wie es in Urbach weitergeht, wird sich indes in den kommenden Monaten entscheiden. Im Frühjahr wird die Rahmenvereinbarung zum Modernisierungsprogramm zwischen dem Land und der Bahn final unterzeichnet. Anschließend geht die Bahn auf die berücksichtigten Kommunen zu und stimmt mit ihnen in Einzelvereinbarungen ab, welche Maßnahmen umgesetzt werden und wer welchen Anteil bei der Finanzierung übernimmt. In Urbach könnte laut der Bahn die Infrastruktur der Bahnsteige und deren Ausstattung in Form von Sitzbänken und Wetterschutz erneuert werden.

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