Uwe Schneider verlässt die SG Schorndorf Trainerwechsel bei Topläuferin Hanna Klein

Hanna Klein, Silbermedaillengewinnerin mit der deutschen Mannschaft bei der Team-EM in Polen, geht im Training neue Wege. Foto: Glady Chai von der Laage

Es ist eine Zäsur: Hanna Klein, Topläuferin der SG Schorndorf, wird nicht mehr von Uwe Schneider gecoacht. Sie ist zu Isabelle Baumann, Ehefrau des Ex-Olympiasiegers Dieter, gewechselt. Dennoch trainiert Klein auch noch mit Schneiders Gruppe in Schorndorf. Den Coach schätze sie weiterhin sehr, sie wolle im Hinblick auf Olympia aber neue Impulse setzen.

Dass es keine einfache Entscheidung war, kann man sich denken. Unter Schneiders Führung ist Klein zur deutschen Spitzenathletin gereift. Im September 2012 stieß die gebürtige Pfälzerin zur Laufgruppe des Coachs, 2015 erfolgte der gemeinsame Wechsel von der LG Limes-Rems zur SG Schorndorf. 2018 wurde Hanna Klein Deutsche Freiluft-Meisterin über 5000 Meter, 2019 holte sie auch Gold bei der Hallen-DM über 1500 Meter. Der größte Einzel-Erfolg war der elfte Platz über 1500 Meter bei der Freiluft-WM 2017 in London. „Ich habe Uwe sehr, sehr viel zu verdanken und schätze ihn unheimlich“, sagt Klein. „Es wird leider von einigen unterschätzt, was er alles tut.“ Warum aber dann jetzt trotzdem der Trainerwechsel?

Grund für Wechsel sei rein sportlich

Mit den großen Problemen zwischen Schneider und der Führung des Gesamtvereins der SG Schorndorf habe der schon mal nichts zu tun, sagt Klein. Obwohl „es auch nicht schön ist, wenn der Trainer ein bisschen angegriffen wird“, sei ein ruhiges Training im Schorndorfer Stadion möglich gewesen. Der Grund für die Entscheidung, den Trainer zu wechseln, ist laut Klein rein sportlicher Natur. Es gehe darum, im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio neue Impulse zu setzen.

Nachwuchs-Landestrainer Christoph Thürkow empfahl der Läuferin Isabelle Baumann vom LAV Tübingen. Für Klein eine gute Wahl: „Sie hat einen großen Erfahrungsschatz, und ihre Trainingsphilosophie ist ähnlich wie die von Uwe. Außerdem wollte ich auch mal mit einer Frau zusammentrainieren und versuchen, noch ein paar Körner rauszuholen.“ Baumann schreibt nun die Trainingspläne für die 26-Jährige und gibt bei Wettkämpfen die Richtung vor. Ein- bis zweimal pro Woche ist die Läuferin, die mit ihrem Partner und SG-Kollegen Marcel Fehr in Urbach wohnt, beim Training in Tübingen. „Aber wenn ich zu Hause bin, trainiere ich in Schorndorf mit, und Uwe hat ein Auge auf mich.“

Auch für Kleins nun ehemaligen Heimtrainer Uwe Schneider ist es eine Situation, mit der er erst mal klarkommen muss. Enttäuscht sei er aber nicht von Kleins Entscheidung: „Ich finde es von Hanna mutig, neue Wege zu gehen.“ Sowohl mit der Athletin als auch mit Isabelle Baumann tausche er sich regelmäßig aus. „Wir haben eine offene Kommunikation, man redet über Wettkämpfe. Jetzt müssen wir abwarten, wie es sich weiterentwickelt.“

Uwe Schneider verlässt die SG Schorndorf

Auch der Trainer hat sich dazu entschlossen, einen Schnitt zu machen. Angesichts des nicht zu kittenden Konflikts mit dem SG-Gesamtvorstand – wie berichtet wirft Schneider den Verantwortlichen zu große Einflussnahme auf die Leichtathletik-Abteilung, insbesondere den Spitzensport vor, während die Verantwortlichen am Coach kritisieren, er zeige zu wenig Interesse für die Belange des Hauptvereins – wird der 60-Jährige nach der Saison die SG verlassen. „Ich bin vom Verein enttäuscht. An der ganzen unruhigen Situation in Schorndorf haben die Verantwortlichen maßgeblichen Anteil. Die Athleten wünschen sich ein ruhiges Umfeld und mehr Wertschätzung.“ SG-Geschäftsführer Benjamin Wahl lässt Uwe Schneiders Kritik so stehen und streicht stattdessen heraus: „Wir haben in den vergangenen Jahren gut mit Herrn Schneider zusammengearbeitet, insbesondere die Leichtathletik-Abteilung. Als Vater vieler sportlicher Erfolge schätzen wir sein außerordentliches ehrenamtliches Engagement sehr.“

Nach seinem Rückzug hat Schneider noch keine weiteren Pläne. Bis auf einen: „Ich mach’ auf jeden Fall mit Marcel bis Olympia 2020 weiter.“ Und was ist mit Hanna Klein? Wird sie der SG treu bleiben? „Darüber mache ich mir gerade keine Gedanken“, so die Läuferin. Sie konzentriere sich auf die Saison. Zwar rechnet sie nicht mehr damit, sich noch für die WM in Doha (Katar) zu qualifizieren. Dafür will sich die Athletin, die jüngst mit Deutschland Silber bei der Team-EM gewann, aber beim Länderkampf Anfang September in Minsk möglichst stark präsentieren.

Und bei welchem Club geht’s danach für die Topläuferin weiter? SG-Geschäftsführer Benjamin Wahl sagt dazu: „Unser letzter Stand ist der, dass Hanna Klein weiterhin für den Verein starten wird. Natürlich würden wir es sehr schade finden, wenn sie die SG Schorndorf als Spitzenathletin verlassen würde.“

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