Verkehrspolitik in Waiblingen Studenten erarbeiten Konzepte für Fronackerstraße

Die Fronackerstraße in Waiblingen: Ein Fall für das Verkehrskonzept „shared space“? Foto: ZVW/Gaby Schneider

Waiblingen. Die Verkehrspolitik in Waiblingen wird vom Auto regiert. Das behaupten die Grüne und die Alternative Liste. Deshalb haben sie Studenten in die Stadt geholt, um sich ein unabhängiges Bild zu machen und neue Ideen zu entwickeln. Eine davon: „Shared Space“ und weniger Parkplätze in der Fronackerstraße.

Auf Initiative der ALi und des Grünen-Ortsverbands haben sich neun Studierende aus Geislingen in ihrem internationalen Masterstudiengang Sustainable Mobilities (nachhaltige Mobilität) mit der Verkehrssituation in Waiblingen befasst. Ein frischer, unabhängiger Blick auf das Geschehen war gewünscht.

Unter Leitung des Mobilitätsforschers Prof. Dr. Sven Kesselring befragten die jungen Leute aus Deutschland, Südkorea, Syrien, Iran und Kenia Pendler nach ihren Eindrücken, testeten das E-Bike-Verleihsystem und knöpften sich besonders die Fronackerstraße vor, die unter Parkplatz-Suchverkehr und Zweitreihe-Parken stöhnt wie keine andere.

Die „Brötchentaste“ als unzeitgemäßer Auto-Magnet

Die Initiatorinnen, die Ali-Stadträtin Iris Förster und die frühere WKZ-Redakteurin Gisela Benkert, fühlen sich in ihrer Meinung zur Waiblinger Verkehrspolitik vollauf bestätigt. Diese sei „vorsintflutlich“ und einseitig aufs Auto ausgerichtet, während Fußgänger, Fahrradfahrer und Anwohner das Nachsehen hätten. Zu viel Innenstadtverkehr und zu viel Querverkehre mitten durch die Wohngebiete, so lautet ihre Diagnose.

Die Studenten hätten bestätigt, dass die breite Zufahrtsstraßen den Autoverkehr erst richtig in die Stadtstraßen lotsten. Die „Brötchentaste“ - einst als eine der ersten Maßnahme des neu gewählten Oberbürgermeisters Andreas Hesky habe gar für Amüsement gesorgt, da auch dieses Instrument den Autoverkehr erst recht in die Stadt locken würde – was aus Sicht des Einzelhandels gewollt sein mag.

Die Studierenden befänden sich mit ihren Ideen auf der Höhe der Zeit

Viele Ladenbetreiber hätten da aber eine falsche Vorstellung, glaubt Iris Förster. Die Mehrheit der Kunden komme aus dem Umkreis von 800 Metern und sei nicht auf Parkplätze vor der Ladentür angewiesen. Mit neuen Konzepten zur Verkehrsberuhigung und „shared spaces“ könnte die Aufenthaltsqualität in den Straßen erhöht und den Fußgängern und Radlern zu ihrem Recht verholfen werden. Mehr Aufenthaltsqualität – bedingt durch weniger Autos und mehr Grün – sorge für mehr Leben.

Dafür brauche es ein grundsätzliches Umdenken im Waiblinger Rathaus. Die Studierenden befänden sich mit ihren Ideen, anders als die bisherige Verkehrspolitik, auf der Höhe der Zeit. Das bestätigten nicht zuletzt die Erfahrungen von Professor Sven Kesselring aus Kopenhagen. Dass der Problemdruck groß ist, bestätige auch der Umstand, dass sich der Großteil der Haushaltsanträge 2018 im Gemeinderat mit Verkehrsfragen beschäftigt habe.

Denkbar sei auch eine Durchfahrtssperre

„Shared space“ bedeutet übersetzt „gemeinsamer Raum“ und meint ein Verkehrskonzept, das auf freiwillige Verhaltensänderung und gegenseitige Rücksichtnahme statt auf strikte Regeln und viele Schilder setzt. Sie soll Gleichberechtigung zwischen den Verkehrsteilnehmern schaffen und die Dominanz des Autos zurückdrängen. Um den geteilten Raum überhaupt erst zu schaffen, müssten im Fall der Fronackerstraße oberirdische Parkplätze weichen. „Die Tiefgarage der Volksbank ist nicht ausgelastet“, sagt Iris Förster. Denkbar wäre außerdem eine Durchfahrtssperre, damit die Straße von beiden Seiten nur je zur Hälfte befahrbar ist.

Weitere Ideen: Pendler größerer Firmen wie Stihl und Bosch könnten sich mittels einer App, die in Grundzügen bereits existiert, abstimmen und Fahrgemeinschaften bilden. Der E-Bike-Verleih allein am Bahnhof ergebe wenig Sinn, vielmehr müsse es Verleihstationen verteilt im ganzen Stadtgebiet geben.


Präsentation:

Über die Ergebnisse der Studenten können sich alle Interessierten am Dienstag, 1. Oktober, um 19.30 Uhr im Kulturhaus Schwanen, (Winnender Straße 4, informieren.

Nach der Präsentation wird das Thema „Verkehr in einer lebenswerten Stadt“ in einer Expertenrunde vertieft. Auf dem Podium sitzen unter anderem Professor Sven Kesselring von der HfWU Nürtingen-Geislingen und Valentin Gauß, persönlicher Referent von Landesverkehrsminister Winfried Hermann.

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