Von der Liebe zum Essen leben Foodblogger-Paar aus Rudersberg

In ihrer Küche in Rudersberg-Oberndorf kreieren Jens und Mirja Glatz allerhand Köstliches. Foto: Glatz

Rudersberg. Sie aus Kiel, er aus Thüringen, Wahlheimat Rudersberg. Die erste Begegnung: in Kanada. Drei Tage später steht sie mit Sack und Pack vor seiner Tür. Seitdem eint das Unternehmerpaar die Liebe zu Oberndorf, zum Essen, Kochen und Genießen. Mirja und Jens Glatz haben es bis in die oberste Liga der Foodblogger in Deutschland geschafft, betreiben mittlerweile eine eigene Firma – und sind nun im Magazin „Heilig’s Blechle“ vertreten.

Das Regiment im bezaubernden Häuschen der beiden in Rudersberg-Oberndorf führt ganz klar Ernold Schmidtchen. Graues Fell, sattgrüne Augen, für Schmuseeinheiten durchaus zu haben: Der Kater wirft sich umwerfend würdevoll mitten auf den Schreibtisch und aalt sich in herzzerreißender Schönheit.

Mirja Glatz, die Kielerin, hat den Kerl eingeschleppt. Vermutlich lockt sie ihn mit Maultaschen. Die Fotografin und „Küchenchaotin“, als die sie sich im Internet vorstellt, schwärmt für Maultaschen und Spätzle mit einer Inbrunst, die vermutlich kein Schwabe für die Mutter aller Leibspeisen aufbringen würde.

Sie kocht vegetarisch, er mag auch Fleisch und Fisch

Als sie vor sieben Jahren begann, liebevoll kreierte Rezepte und Profi-Fotos vom Ergebnis ihrer Küchenkunst online zu stellen, „hat das hauptsächlich meine Oma gelesen“. Für ihre ofengeröstete Kürbis-Blumenkohlsuppe mit Salbei, das chinesische Bratnudel-Omelett mit Knoblauch oder die Blätterteigteilchen mit Blaubeeren und Frischkäse interessiert sich mittlerweile jeden Monat eine sechsstellige Zahl an Menschen. Sie kocht vegetarisch und liebt dennoch Maultaschen, Jens Glatz lässt für seinen Blog „Kochhelden“ auch Fleisch und Fisch in Pfannen und Töpfe gleiten – und die Internet-Gemeinde schaut zu.

Mirja Glatz: "Die Leute merken, dass ich mit Herzblut dahinterstecke"

Vermutlich denken trotzdem noch immer manche Mitmenschen, die beiden seien arbeitslos oder so, weil sie tagelang und länger ihr Häuschen nicht verlassen. Doch Oberndorf hat Internetanschluss. Die Glatz Media GmbH der beiden Oberndorf-Bewohner lebt vom, mit, im Internet. Doch, doch, das geht, anscheinend ziemlich gut sogar. Sofern man einen Namen hat in der unüberschaubaren Schar derer, die Fotos von Essen posten, übers Essen schreiben, Videos vom Kochen und Essen ins Netz stellen. Geld verdient, wer aufgrund seiner Reichweite für attraktive Partner interessant ist. Schnell nicht mehr interessant für Blog-Nutzer ist, wer seine Glaubwürdigkeit verliert, weil er wahllos Werbung macht. Mirja Glatz, im Unternehmen fürs Kreative zuständig, befindet sich in einer Position, die ihr die Ablehnung von 95 Prozent der Anfragen potenzieller Partner möglich macht. Es dringt nur durch, betont sie, wer zu ihrem Konzept passt, wessen Produkte sie aus voller Überzeugung empfehlen kann und will. „Die Leute merken, dass ich mit Herzblut dahinterstecke“, erklärt die 29-Jährige ihren Erfolg.

Das Paar hat sich noch ein paar weitere Standbeine aufgebaut. Die beiden füttern Facebook und Instagram im Auftrag von Kunden, entwerfen Kochbücher, fertigen Fotostrecken und Videos für ihre Auftraggeber, darunter ganz Große in der Medienbranche: „Wir kreieren Inhalte.“ Jens Glatz, von Haus aus Betriebswirt, kocht in Shows vor Publikum, tritt im Fernsehen auf, reist mit Mirja durch die Lande, immer auf der Suche nach neuen Ideen rund ums Essen und Genießen.

Ländliche Idylle: „Wir lieben es hier“

Nachbarn in Oberndorf profitieren davon. Was in der Glatz’schen Testküche im Ofen schmort und im Kochtopf brutzelt, können die beiden nicht immer restfrei selbst verputzen. Wie gut, dass es in Oberndorf so eine „schöne Dorfgemeinschaft“ samt Abnehmern von Törtchen gibt, sagt Mirja Glatz. „Wir lieben es hier“, ergänzt ihr Gatte: „Man hört den Kauz schreien. Und nachts ist es hier dunkel.“ Kein Witz jetzt. Der 43-jährige Internet-Freak würde sich nicht wohlfühlen in einer Großstadt, in der nie die Lichter ausgehen, die immer brodelt und bebt.

Unterdessen räkelt und streckt sich Ernold Schmidtchen genüsslich vor den Großbildschirmen. Jetzt wär’ Mittagessen-Zeit, findet er vermutlich. Welche kulinarischen Köstlichkeiten an diesem Tag auf den Tisch seiner Mitbewohner kommen, bleibt ein Geheimnis, und auch auf die unvermeidliche Frage nach Platz eins in der privaten Lieblings-Essen-Rangliste gibt’s keine abschließende Antwort. „Das ändert sich ständig“, sagt Mirja Glatz, die allen Ernstes in Ungarn Veganes genossen hat.

Und in Oberndorf bestimmt wieder Maultaschen. Vegetarische.

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