Wahl-Check Plüderhausen Rathaus ruft Polizei wegen Hornauer

Thomas Hornauer in der Staufenhalle. Foto: Schneider / ZVW

Plüderhausen. Eigentlich war ein ganz normales Gespräch zur Bürgermeisterwahl geplant, darüber, wie man richtig wählt, wann am Sonntag das Ergebnis feststeht, wie man wählen kann, wenn man krank wird, und so weiter. Letztlich aber wurde die Polizei gerufen: Bürgermeisterkandidat Thomas Hornauer filmte Redakteurin und Rathaus-Mitarbeiter, erhob den Vorwurf der Wahlmanipulation und weigerte sich zunächst, das Vorzimmer des Bürgermeisters nach der Aufforderung dazu zu verlassen.

Jede Stimme zählt: Auch die Schorndorfer Nachrichten möchten, dass möglichst viele Wähler am Sonntag zur Bürgermeisterwahl gehen. Wie vor anderen Bürgermeisterwahlen auch, wird daher am Tag vor der Wahl, am Samstag, ein Service-Artikel erscheinen, der erklärt, was beim Wählen zu beachten ist, wann die Wahllokale geöffnet sind, was man tun kann, wenn man seine Wahlunterlagen vergessen hat, Grippe kriegt, den Ausweis zu Hause liegen ließ, und Ähnliches. Wegen dieses Artikels war die Redakteurin gestern im Rathaus. Und natürlich sollte auch ein Foto gemacht werden. Ein Mitarbeiter stellte fürs Bild die Briefwahlurne kurzzeitig ins Rathausfoyer und hielt einen verschlossenen Briefwahlumschlag fürs Foto kurz über den Schlitz.

Hornauer erhebt Vorwurf der Wahlmanipulation

Thomas Hornauer, selbst Bürgermeisterkandidat, kam hinzu, drängte sich ins Bild. Beim Gespräch der Redakteurin mit dem für Wahlen zuständigen Mitarbeiter kam er mit in dessen Büro, zückte sein Handy und filmte Rathaus-Mitarbeiter und Redakteurin. Er wolle während des Gesprächs dabeibleiben, betonte er. Die Bitte, das Filmen zu lassen, ignorierte er, ebenso wie die Aufforderung, den Raum zu verlassen. Die Auseinandersetzung verlagerte sich ins Vorzimmer des Bürgermeisters. Der machte Hornauer in höflichen Worten darauf aufmerksam, dass er nicht filmen dürfe. Hornauer bestand in herrischem Ton darauf, dass er Journalist seines Kanals sei, sehr wohl filmen dürfe, und erhob den Vorwurf der Wahlmanipulation. Der Bürgermeister teilte ihm nach erneuter Aufforderung, das Filmen zu unterlassen und das Zimmer zu verlassen, mit, dass man andernfalls die Polizei rufen müsse. Hornauer ließ sich immer noch nicht bewegen, so dass eine Rathausmitarbeiterin die Polizei verständigte. Andreas Schaffer bat die Redakteurin und den Mitarbeiter, in ein nahes Büro zu gehen, und redete erneut mit Hornauer, der dann letztlich das Vorzimmer verließ. Dann teilte der Bürgermeister den nebenan Wartenden mit, sie könnten nun wieder herauskommen.

Mitarbeiter: Verunsichert und beobachtet

Unsere Zeitung hat nach Recherchen erfahren, Hornauer sei in der vergangenen Woche nahezu täglich im Rathaus gewesen. Er sei zu Mitarbeitern gegangen, habe sich zu Vorgängen erkundigt und Skandale aufklären wollen. Hornauer und eine Mitarbeiterin hätten sich zudem über Stunden im Rathausfoyer aufgehalten und dort auch zeitweise laut telefoniert, die Rathaus-Mitarbeiter hätten sich dadurch verunsichert und beobachtet gefühlt. Nach Aufforderung sei er aber dann letztlich gegangen. Einige sachliche Anliegen Hornauers hätten sich schnell erledigen lassen, Mitarbeiter hätten sich durch ihn aber auch bedrängt gefühlt. Bisher hat sich das alles ohne Polizei klären lassen.

Viele Bürger sollten teilnehmen

Ein Hauptanliegen Hornauers waren laut Recherchen unserer Zeitung die Kosten für den provisorischen zweiten Rettungsweg für die Empore in der Gemeindehalle, der für die Ausnahmsweise-Nutzung der Empore bei der Podiumsdiskussion der Zeitung und der Kandidatenvorstellung der Gemeinde nötig war. Die Kosten habe die Gemeinde zunächst nicht herausgegeben, weil es die Gerüstbaufirma nicht gewünscht und die Gemeinde die Notwendigkeit nicht gesehen habe. Inzwischen ist der Chef der Firma aus dem Urlaub zurück, man hat ihn gefragt, er ist mit der Nennung der Kosten einverstanden: Die Aufstellung der Fluchttreppe hat insgesamt rund 5100 Euro gekostet. Diese Kosten haben sich Gemeinde und Zeitung jeweils zu 50 Prozent geteilt. Der Grund für diese Ausnahme mit der Aufstellung der Fluchttreppe war der Wunsch, dass möglichst viele Bürger an den Wahlveranstaltungen teilnehmen können sollten, um sich zu informieren.

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