Wahl-Check Plüderhausen Schaffer nach der Wahl: „Ich sehe das wirklich als Stärkung“

Am Wahlabend haben Ute Stammler-Schaffer (rechts) und Andreas Schaffer viele Glückwünsche erhalten. Hier gratulierte Claudia Jensen. Foto: Habermann / ZVW

Plüderhausen. Einen freien Tag haben sich sowohl Andreas Schaffer, als auch Christian Maier nach der Bürgermeisterwahl nicht gegönnt. Beide waren gestern schon wieder bei der Arbeit. Christian Maier hat Andreas Schaffer nicht zur Wahl gratuliert und hat auch nicht mehr vor, das zu tun. Maier erwägt eine erneute Kandidatur in Plüderhausen für den Fall, dass Andreas Schaffer bereits in zwei Jahren aufhören sollte.

Der Wahlsieger war gestern wieder im Rathaus. Er sortiere Unterlagen, dann sei Amtsleiterrunde, „dann geht es richtig los“, zählt Andreas Schaffer auf. Nach der Arbeit hat er die Mitarbeiter der Gemeinde zu einem Glas Sekt eingeladen. Sonst noch größere Feiern? „Noi“, sagt der schwäbische Schultes.

Hat Andreas Schaffer den Wahlkampf schon etwas „verdaut“? „Ja. Mit so einem Ergebnis im Rücken hat man schon eine gewisse Entspannung und fast schon Euphorie. Ich sehe das wirklich als Stärkung, für mich und für meine Mitarbeiter. Letztendlich ist das auch ein Vertrauensbeweis für das Gesamte.“

Andreas Schaffer: „Es wurden einige rote Linien überschritten“

Der Wahlkampf hatte es in sich, war auch für Schaffer persönlich nicht einfach. Bleiben Narben? „Es wurden einige rote Linien überschritten“, resümiert der Bürgermeister. Das werde nicht dazu führen, „dass man das immer vergisst“. Er und die Familie seien nicht nur in Facebook beleidigt worden. Aber: „Das sind wirklich Randerscheinungen“, ordnet Schaffer ein. „Es gab auch andere Begegnungen, sehr viele positive.“ Er habe einige Ermunterungen erhalten, mit denen er nicht gerechnet habe, und sehr viel Zuspruch.

„Das von interessierten Kreisen ausgerufene Projekt ‘Schaffer muss weg’ ist damit gescheitert“, hatte der wiedergewählte Bürgermeister am Sonntag in einer kurzen Rede gesagt und in dem Zusammenhang auch Fraktionsvorsitzende erwähnt. Was hatte es damit auf sich? Schließlich können diese Kandidaten unterstützen, wenn sie wollen. Das sieht auch Andreas Schaffer so. „Das gehört zur Demokratie.“ Er wundere sich, sagt Schaffer, „dass ein Kandidat ohne Verwaltungserfahrung und Kompetenz für das Amt unterstützt wurde von Verantwortungsträgern im Gemeinderat“.

Wahlergebnis aus Walkersbach hat Schaffer nicht überrascht

Wie soll die weitere Zusammenarbeit aussehen? „Das wird ganz streng an der Sache orientiert sein“, betont Schaffer. Er werde keinem etwas nachtragen.

Stichwort Walkersbach: Hier hatte Schaffer 33 Prozent der Stimmen erhalten. „Das ist eine Momentaufnahme“, sagt der Bürgermeister. Das Ergebnis habe ihn nicht überrascht. Bei der Kandidatenvorstellung und nach Rückmeldungen habe er doch die Hoffnung gehabt, dass es einen Ausgleich oder ein Unentschieden geben könnte. „Offensichtlich waren doch die Probleme größer, die mir da nachgesagt werden.“

Maier hält Wahlbeteiligung für bedenklich

Christian Maier hat sich gestern ebenfalls keine Auszeit gegönnt. Wie ging es ihm am Tag nach der Wahl? „Sehr gut.“ Hat er das Ergebnis schon „verdaut“? „Da gibt es nichts zu verdauen. Mein Potenzial war eindeutig, die Nichtwähler zu motivieren.“ Bei einer Wahlbeteiligung von 30 Prozent habe er die Chance gesehen, anzugreifen, so Maier. Die nun bei dieser Wahl erreichte Wahlbeteiligung, es waren rund 56 Prozent, hält Maier für „bedenklich“.

"Das ist ein Ergebnis, mit dem ich leben kann"

Sein Fazit zum Wahlkampf? „Mein Fazit ist, dass ich wahnsinnig hohen Zuspruch erhalten habe in der Kürze der Zeit“, sagt Maier unter anderem. Er erhielt 24,61 Prozent der Stimmen. „Das ist ein Ergebnis, mit dem ich leben kann.“ Er ergänzt: „Ich werde Herrn Schaffer beim Wort nehmen, dass er das, was er versprochen hat, auch umsetzt.“ Er werde das Geschehen in Plüderhausen weiter verfolgen. Falls Andreas Schaffer in zwei Jahren aufhören sollte, erwägt Maier eine erneute Kandidatur.

Wie hat er den Wahlkampf empfunden? „Er war auch leider sehr unfair“, findet Maier. Er sei „enttäuscht darüber, wie man Wahlkampf im Hintergrund führt“. Gemeinderäte und Pfarrer würden sich „hinreißen“ lassen, auf Wahlprospekte zu gehen, Maier findet das „bedenklich“.

Wird er dem Wahlsieger noch gratulieren? „Nein. Nachdem ich weiß, wie er seinen Wahlkampf geführt hat, kann ich ihm nicht gratulieren“, sagt Christian Maier.


Die „Sonstigen“

77 Stimmen haben die Plüderhäuser Wähler am Sonntag an Personen vergeben, die nicht auf dem Stimmzettel standen. Die einzelnen Ergebnisse spielten sich dabei im einstelligen Bereich ab. Der „Stimmenkönig“ unter den als „Sonstige“ Erfassten ist Nick Schuppert, Vorsitzender des Walkersbacher Bauerntheaters, mit neun Stimmen, gefolgt von Martina Schaaf mit acht Stimmen, CDU-Gemeinderat Ulrich Scheurer mit sieben Stimmen und FW-FD-Gemeinderätin Claudia Jensen mit vier Stimmen. Platz fünf, wenn man so will, teilen sich SPD-Gemeinderat Klaus Harald Kelemen und der Gesamtelternbeiratsvorsitzende Oliver Roggenkamp mit jeweils drei Stimmen. Weitere Stimmen erhielten darüber hinaus beispielsweise auch Richard Arnold, Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, die Bürgermeistergattin Ute Stammler-Schaffer sowie der evangelische Pfarrer Thomas Scheiner.

Bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag gab es 7519 Wahlberechtigte. Es fielen 52 ungültige Stimmen an. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,24 Prozent.


„Ich bin froh, dass die Wahl vorbei ist“

Was sagen die Fraktionsvorsitzenden des Plüderhäuser Gemeinderats zum Wahlergebnis und zum Wahlkampf? „Ich bin froh, dass es so gekommen ist. Der Herr Schaffer hat in den letzten 32 Jahren auch nicht alles falsch gemacht“, sagt Claudia Jensen (FW-FD). „Ich denke, er hat sich entschlossen, noch mal Gas zu geben. Er will ja mit uns zusammen so richtig was bewegen in den nächsten vier Jahren.“ Claudia Jensens Fazit: „Die Entscheidung ist richtig gefallen.“ Welche Eindrücke hat sie vom Wahlkampf? „Alles ist Demokratie. Jeder hat die Chance, sich zu bewerben“, stellt die FW-FD-Fraktionsvorsitzende grundsätzlich fest. „Aber ich finde es schade, dass der Wahlkampf nicht zum Wahlkampf genutzt wird, sondern für Klamauk und persönliche Präsentation.“ Dass Kandidaten nicht unbedingt Bürgermeister werden wollen: „Was soll der Quatsch?“, fragt Claudia Jensen. Ihr Fazit: „Das hat Plüderhausen und dem Amt geschadet. Das sagt aus, so ernst nehmen muss man das gar nicht mehr, nur ein bisschen laut sein, und dann klappt es.“

Markus Proschka, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender, sagt zum Wahlausgang: „Zum Glück ist es so ausgegangen, wie ich gehofft habe, zum Glück für Plüderhausen.“ Zwei der Kandidaten hat Markus Proschka als gar nicht geeignet empfunden, einen als fachlich nicht geeignet, das Amt richtig auszufüllen, erzählt er. Stichwort Wahlkampf: „Für mich war es erschreckend, wie wenig Respekt noch da ist vor dem Amt des Bürgermeisters.“ Thomas Hornauer habe eine Grenze überschritten, Proschka empfand ihn auch als persönlich beleidigend. Der Wahlkampf von Christian Maier sei „so weit in Ordnung“ gewesen, „die anderen beiden waren so weit untragbar“, schildert Proschka seine Meinung zu den Bewerbern. Er sei viel angesprochen worden, auch in Richtung Stuttgart. „Das ist rumgegangen. Es ist eigentlich alles ins Lächerliche gezogen worden. Ich bewundere da Herrn Schaffer. Er hat es wirklich gut und souverän gemacht.“

„Ich bin froh, dass die Wahl vorbei ist“, so Erich Wägner. „Der Wahlkampf war zum Teil ja nicht so, dass wir da positiv dastanden als Kommunalpolitiker. Das färbt ja immer auch ein bisschen auf uns ab.“ Der GLU-Fraktionsvorsitzende sah niveaulose und unsachliche Vorwürfe und berichtet von einer Drohung gegen den Gemeindewahlausschuss, „dass wir uns zusammenreißen sollen“. Wägner empfindet Maier als „schwachen Verlierer“ insofern, als dass dieser nicht dem Bürgermeister gratuliert habe. Er habe zudem einer Leserbriefschreiberin Vorwürfe gemacht. Im Wahlkampf machte Erich Wägner Selbstdarsteller aus. „Ich habe immer auf die Mündigkeit der Plüderhäuser gesetzt. Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist.“

„Ich bin froh, dass es vorbei ist“, sagt auch Klaus Harald Kelemen. „Es ist ein klares Mandat, und es ist gut so, dass das Mandat klar ist.“ Er habe den Mitgliedern des SPD-Ortsvereins und der Gemeinderatsfraktion geschrieben, „dass wir klar an den Sachthemen entlang diskutieren und eventuelle persönliche Befindlichkeiten nun wieder wegmüssen“, so Kelemen. Dass gegensätzliche Meinungen persönlich genommen würden, lasse sich in einer Gemeinde nicht verhindern. „Mancher hat mir das schon übelgenommen. Wie kann man gegen den Bürgermeister sein. Das ist doch so ein netter Mann.“ Er habe nichts gegen den Menschen Andreas Schaffer. „Ich bin manchmal kommunalpolitisch anderer Auffassung“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende, der im Wahlkampf Christian Maier unterstützt hat. „Aber ich habe ihn nicht geholt“, betont Kelemen. 

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