Wahl-Check Urbach Am Tag nach der Doppelwahl

Martina Fehrlen mit Familie. Foto: Habermann/ZVW

Urbach. Eine Schlacht war’s keine, die geschlagen werden musste. Eine Doppelwahl war’s am Sonntag in Urbach, deren Ergebnisse aber erst einmal verarbeitet werden müssen. Die Sieger freuen sich, die, die sich ein anderes Ergebnis gewünscht hätten, lecken die Wunden. Und die neue Bürgermeisterin Martina Fehrlen blickt am Tag nach der Urbacher Doppelwahl bereits in die Zukunft.

Gefeiert hat die künftige Urbacher Bürgermeisterin am Sonntagabend im „Rössle“, dabei „gute Gespräche“ geführt und sich bereits Gedanken gemacht, wie’s nach dem Ergebnis des Bürgerentscheids mit der Remstal-Gartenschau in Urbach weitergehen soll. Sie will „die Vorsitzenden der beiden Vereine einladen“ zusammen mit der Gartenschau-Managerin Barbara Troßbach. Laut Martina Fehrlen soll sich jeder Verein eine Option überlegen, was er während der Remstal-Gartenschau 2019 anbieten kann für die Besucher. Im Zusammenhang mit dem, was im Vorfeld des Bürgerentscheids abgelaufen ist, will die 40-Jährige „eine Brücke bauen“, man müsse Gespräche führen und dafür sorgen, dass die Leute aufeinander zugehen und sich einbringen. Fehrlen betont, dass der Wahlkampf fair geführt worden sei, und hofft, dass sie ihr neues Amt auf dem Chefsessel des Urbacher Rathauses bald antreten kann. Am Tag nach der Wahl hat sie vor allem „die vielen E-Mails“ genossen, die sie nach ihrem Wahlerfolg erhalten hat.

Schienmann sieht Zusammenhang zwischen Wahl und Bürgerentscheid

„Der Wahlkampf war fair“, sagt auch Dieter Schienmann, der natürlich „enttäuscht“ ist vom Ausgang der Bürgermeisterwahl. Er sieht „offensichtliche Parallelitäten“ zwischen dieser Wahl und dem Bürgerentscheid, „die Bürgermeisterwahl hatte viel mit dem Waldhaus zu tun“, hat Schienmann spätestens am Wahlabend erkannt. Bekanntlich hat er sich im Vorfeld klar zum Waldhaus bekannt – „das war schädlich in Bezug auf die Bürgermeisterwahl“, wobei man hinterher bekanntlich immer schlauer ist als vorher. Schienmann bleibt aber auch in der Niederlage dabei: „Ich halte meine Position nach wie vor für richtig.“ Den Ausgang der Bürgermeisterwahl hat er „wesentlich enger erwartet“, eben weil er nicht gedacht hat, „dass das Waldhaus eine so große Rolle spielt“. Dieter Schienmann war am Montagnachmittag schon wieder an seinem Arbeitsplatz im Remshaldener Rathaus.

Nach Ansicht der FW-Gemeinderatsfraktionsvorsitzenden Ursula Jud hatte Urbach „zwei fähige Kandidaten“. Die Freien Wähler „gratulieren Frau Fehrlen zur Wahl“ und bieten eine „gute Zusammenarbeit“ an. Man wolle in Urbach in nächster Zeit ja viel erreichen, auch mit Blick auf die Remstal-Gartenschau, „aber es gibt natürlich auch noch andere Dinge“. Sehr enttäuscht seien die Freien Wähler vom Ausgang des Bürgerentscheids, denn „viele von uns haben sich mit Herzblut eingebracht“. Außerdem habe man sich schon lange mit allen Projekten beschäftigt, das Waldhaus hätte das alles „stimmig und rund“ gemacht. Jetzt gehe die Welt aber „nicht unter“, vielleicht finde man ja noch ein gemeinsames Projekt, mit dem sich alle identifizieren können. Eine gute Remstal-Gartenschau in Urbach müsse nach wie vor das Ziel sein.

Holzwarth: "Ich sehe sie aber nicht als CDU-Bürgermeisterin"

„Zufrieden“ ist CDU-Gemeinderat Detlef Holzwarth, der Mann, der den ersten Kontakt mit Martina Fehrlen knüpfte. „Ich sehe sie aber nicht als CDU-Bürgermeisterin“, betont er. Vielmehr werde Martina Fehrlen ganz sicher mit allen Fraktionen im Urbacher Gemeinderat zusammenarbeiten. Er habe es im Vorfeld der Wahl „als meine Pflicht empfunden, nach einem geeigneten Kandidaten beziehungsweise einer Kandidatin zu suchen“, im Übrigen unabhängig vom Parteibuch. Dass jetzt diese Kandidatin Bürgermeisterin geworden sei, „freut mich schon ein bisschen“. Die Entscheidung zum Waldhaus „bedauere ich, das war eine nasse Watsch’n, die hat gesessen“. Laut Holzwarth hätte man das Vorhaben „besser kommunizieren sollen“, zum Beispiel hätte die Veranstaltung mit dem Gmünder Oberbürgermeister Richard Arnold am letzten Donnerstag „schon vor einem Jahr stattfinden müssen“. Der Termin jetzt drei Tage vor dem Bürgerentscheid sei „suboptimal“ gewesen. Holzwarth weist darauf hin, dass die Gemeinde Urbach auch nach dem Wegfall des Waldhauses Kosten für die Remstal-Gartenschau (zum Beispiel für WC und Bewirtung) habe, „das Geld wird jetzt aber nicht nachhaltig investiert, das Ganze ist ja in nicht einmal einem Jahr vorbei“.

Mit einem knapperen Ergebnis hat SPD-Fraktionsvorsitzender Joachim Habik bei der Bürgermeisterwahl gerechnet. Nicht sonderlich überrascht hat ihn allerdings der Sieg von Martina Fehrlen. „Sie hatte immer die Nase leicht vorn“, meint Habik, der aber betont: „Urbach hatte zwei kompetente Bewerbe, ich hätte es beiden zugetraut.“ Also auch Dieter Schienmann, dessen Fehler es laut Habik allerdings war, dass er sich für das Waldhaus ausgesprochen hat. Es sei von Fehrlen „ein geschickter Schachzug“ gewesen, „dass sie sich da herausgehalten hat“. Damit habe sie vermutlich bei den Gegnern dieses Baus gepunktet. Womöglich habe aber auch das Alter der beiden Kandidaten eine Rolle gespielt. Das Ergebnis des Bürgerentscheids hat Habik „in dieser Deutlichkeit überrascht“. Er habe allerdings schon beim Grundsatzbeschluss im Mai 2017 (er stimmte seinerzeit zusammen mit dem damaligen SPD-Gemeinderat Oliver Krötz dagegen) schon gesagt, dieses Vorhaben sei in der Bürgerschaft nur schwer zu vermitteln, „so ist es gekommen“. Viele hätten gesagt, „das brauchen wir nicht, was machen wir damit?“. Habik, der später die Gemeinderatsbeschlüsse zum Waldhaus mitgetragen hat, meint: „Das war von Anfang an schwierig, aber jetzt zum Schluss ging der Schuss total nach hinten los.“

Die Grünen freuen sich – trotz Waldhaus-Entscheid

„Wir Grünen freuen uns, dass die Themen Bürgerbeteiligung und umweltgerechte Mobilität in Zukunft mehr Gewicht bekommen“, lautet das Fazit von Grünen-Fraktionssprecher Burkhard Nagel zur Bürgermeisterwahl. Martina Fehrlen („Wir Grüne gratulieren ihr“) bringe hier einen Erfahrungs- und Wissensschatz mit. Auch Nagel hat mit einem knappen Ausgang („50 zu 50“) bei der Bürgermeisterwahl gerechnet. Die Bürger hätten aber klar einen Neuanfang gewollt. Jetzt seien die Grünen „guten Mutes“, dass Martina Fehrlen „das umsetzt, mit dem sie in den Wahlkampf gegangen ist“. Schade sei, dass das Waldhaus klar abgelehnt worden sei, „wir sind dahintergestanden als Grüne“, Waldpädagogik sei ein „urgrünes Thema“. Der Bau des Waldhauses, und was man damit bezweckt, sei aber „schlecht transportiert worden in die Bevölkerung“. Der Gemeinderat müsse sich, was Bürgerbeteiligung betreffe, „an die eigene Nase fassen“. Wichtig sei aber, dass eine klare Entscheidung gefallen sei. Vielleicht könne Urbach ja im Laufe der kommenden Jahre Waldpädagogik mit anderen Mitteln machen und „Schritt für Schritt weiterentwickeln“.


Die Prozentzahlen

Für etwas Verwirrung haben in der Montagausgabe unserer Zeitung die Prozentzahlen zum Bürgerentscheid gesorgt. Zu lesen war in der Tabelle, dass 36,13 Prozent mit „Ja“, also gegen das Waldhaus, gestimmt haben, 23,58 Prozent mit „Nein“, also für den Bau. Macht zusammen rund 60 Prozent. Wo bleiben aber die restlichen 40 Prozent?, fragten sich manche.

Die Erklärung: Die Prozentzahlen bezogen sich auf die Anzahl der Stimmberechtigten (6966 waren das), nicht auf die Anzahl derer, die an der Wahl teilgenommen haben. Anders ausgedrückt: Rund 60 Prozent der abgegebenen Stimmen waren gegen das Waldhaus, etwa 40 Prozent dafür.

Hier gibt es die Ergebnisse im Detail.

Die "Sonstigen"

Nein, Donald Trump haben die Urbacher nicht gewählt. Jogi Löw auch nicht. Und auch der Name von Angela Merkel erschien nicht auf den Stimmzetteln.

Dafür gab es aber 28 Stimmen für die sogenannten „Sonstigen“ (das sind im Übrigen acht mehr, als Fridi Miller insgesamt erhalten hat), deren Namen bei der Bürgermeisterwahl aber ausdrücklich auf die Wahlzettel geschrieben werden müssen. „Stimmenkönig“ ist ein gewisser Hans-Jörg Eberhardt, den acht Urbacherinnen und Urbacher gerne als neuen Bürgermeister gesehen hätten. Jeweils vier Stimmen bekamen Noch-Amtsinhaber Jörg Hetzinger, Achim Grockenberger, Wolfgang Schray, Bernd Kappel und Dr. Kirsten Kindermann.

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