Wahl-Check Urbach Das Waldhaus – der große Zankapfel

Das Modell „Hochsitz“ hat der Urbacher Gemeinderat vor fast einem Jahr fürs Waldhaus ausgewählt. Ob’s gebaut wird, entscheidet sich am 22. April beim Bürgerentscheid. Foto: Habermann / ZVW

Urbach. Die Kritiker der Remstal-Gartenschau, beziehungsweise der für 2019 in Urbach geplanten Projekte, wollen nicht Gegner genannt werden. Sie sind aber zumindest Gegner des Waldhauses, das ihrer Meinung nach nicht gebaut werden soll. Wohl kein Thema hat die Gemeinde Urbach und ihre Bürger so gespalten wie dieses Waldhaus. Ein Bürgerentscheid bringt Klarheit.

Bürgerentscheid? Das hatten wir doch schon einmal in Urbach. Knapp zehn Jahre ist es her, dass die geplante Kunst im Kreisverkehr beim Marktplatz durch das Votum der Bürger gekippt wurde. Heute stehen dort wieder Kunstwerke, Leitvögel nämlich, das Urbacher Symbol für die Remstal-Gartenschau schlechthin. Das ist vielleicht eine etwas profanere Kunst als die seinerzeit vorgesehene. Aber eine nicht weniger bedeutende.

Bürgerentscheid zum Bürgerhaus

Zumindest für die Urbacher, die für die Remstal-Gartenschau sind, wie sie ursprünglich geplant wurde. Also mit Waldhaus, auch wenn es inzwischen nicht mehr an dem Platz gebaut werden soll, an dem es einst geplant war. Unterhalb des früheren Bundeswehrdepots nämlich. Zu weit im Wald und vor allem vom Parkplatz weg, sagen die Gegner. Jetzt gibt es einen Alternativstandort. Er liegt näher am Parkplatz Hagsteige.

So denn das Waldhaus überhaupt gebaut wird. Ein Bürgerentscheid, der mit der Bürgermeisterwahl stattfindet, wird endgültig Aufschluss darüber geben. Angestoßen wurde er von den Gegnern des Waldhauses, die gleichzeitig Kritiker der Remstal-Gartenschau sind. Wobei sie sagen, sie seien nicht gegen diese Remstal-Gartenschau, sondern nur gegen manche der Urbacher Beiträge für diese Veranstaltung.

Am Anfang der Planungen war alles Friede, Freude, Eierkuchen. Zumindest schien es so. Urbach entschied sich dafür, im Zusammenhang mit der Remstal-Gartenschau ein waldpädagogisches Konzept zu verwirklichen. Die Gemeinde hatte damit ein Alleinstellungsmerkmal unter allen 16 Kommunen, die sich an der Remstal-Gartenschau beteiligen. Ein zweites Alleinstellungsmerkmal nach dem Erdrutsch aus dem Jahr 2001. Fast auf den Tag genau 17 Jahre ist dieses Naturereignis jetzt her.

Eine denkwürdige Einwohnerversammlung im Oktober

Die Gegner des Waldhauses vertraten die Meinung, Urbach habe mit dem Erdrutsch schon ein Alleinstellungsmerkmal. Das reiche. Urbach brauche kein zweites. Außerdem stehe das Waldhaus bei der Remstal-Gartenschau nicht an der Rems, sondern im Wald. Worauf von Forstmann Volker Speidel vor Jahren in einer Bürgerversammlung der ebenso legendäre wie richtige Hinweis kam, neben der Rems gebe es in Urbach nun mal keinen Wald und ein Waldhaus müsse, wie der Name schon sage, zwingend im Wald stehen. Alles andere mache keinen Sinn.

Worauf die Gegner/Kritiker nun die Finanzen als Argument ausgruben. Und darauf hinwiesen, dass sich das Ganze an der Rems abspielen müsse. Sie vergaßen dabei aber, dass die Gartenschau im Remstal stattfindet. Und zu einem Tal gehören auch Hänge, sonst ist es kein Tal.

Wie dem auch sei: Vermutlich haben Verwaltung und Gemeinderat die Bedenken nicht ernst genug genommen. Vielleicht war die Bürgerbeteiligung auch nicht gut genug – in welchem Sinne auch immer. Es kam im Oktober zur denkwürdigen Bürgerversammlung, die jetzt Einwohnerversammlung hieß. Einziges Thema: Remstal-Gartenschau.

Sie war denkwürdig, weil sie in weiten Teilen entwürdigend war. Anschließend waren nicht nur die Fronten noch mehr verhärtet, sondern das Tischtuch endgültig zerschnitten. Das Bürgerbegehren, angezettelt auch von Menschen, die persönliche Rechnungen glauben begleichen zu müssen, war die Folge. Der Bürgerentscheid dann nur die logische Konsequenz.

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