Wahl-Check Urbach Kandidatin Martina Fehrlen im Gespräch

Martina Fehrlen will am 22. April, einen Tag nach ihrem 40. Geburtstag, Bürgermeisterin von Urbach werden. Foto: Büttner / ZVW

Urbach. Am 21. April wird Martina Fehrlen 40 Jahre alt. Einen Tag später könnte sie ihr wertvollstes Geschenk bekommen. Denn am 22. April sind in Urbach Bürgermeisterwahlen. Würde sie aus diesem Urnengang als Siegerin hervorgehen, wäre das für die Kandidatin nicht nur das schönste Präsent, sondern die Erfüllung eines Traums, den sie schon lange hat: „Ich wollte immer Bürgermeisterin werden.“

Video: Bürgermeisterkandidatin Martina Fehrlen im Gespräch.

Es ist noch nicht allzu lange her, da wäre dieser Traum fast Wirklichkeit geworden. Anfang Dezember 2017 ist Martina Fehrlen in Altbach im zweiten Wahlgang äußerst knapp gescheitert. 21 Stimmen haben ihr am Ende gefehlt und den Ausschlag für den SPD-Mann Martin Funk gegeben. Die CDU-Frau hatte also verloren.

Von Mitglied des Gemeinderats angesprochen

Fast auf den Tag genau drei Monate nach dieser denkbar knappen Niederlage hat die 39-Jährige aus Esslingen wieder ihren Hut in den Ring geworfen. Dieses Mal hat sie sich Urbach ausgesucht. Warum so schnell? Martina Fehrlen sagt, eigentlich habe sie nach Altbach nicht so schnell wieder kandidieren wollen. Dann aber sei eine Anfrage aus Urbach gekommen („Ich bin explizit von einem Mitglied des Gemeinderats angesprochen worden“ – den Namen nennt Fehrlen nicht, aber es ist klar: Detlef Holzwarth von der CDU war’s). Sie habe sich mit ihrer Familie beraten, länger beraten, sei mit ihrem Mann ins Remstal gefahren und habe sich Urbach angeschaut. „Lebens- und liebenswert“, so das Urteil, sei diese Gemeinde, zudem von der Infrastruktur her und überhaupt gut aufgestellt. „Urbach – lebens- & liebenswert“ steht jetzt auch auf ihrem Wahlprospekt.

Klar ist für Martina Fehrlen: Wenn sie gewinnt, zieht sie nach Urbach

Ein bisschen was zu klären gab’s dann aber schon noch, ehe es endgültig zur Kandidatur kam. Ihr Mann, ein eingefleischter Esslinger, brauchte etwas Bedenkzeit. Dann aber war klar: Sollte seine Frau gewählt werden, zieht die Familie nach Urbach um, obwohl sie erst vor nicht allzu langer Zeit in Esslingen eine Wohnung erworben hat.

Dabei mag eine Rolle gespielt haben, dass aus Altbach zu hören war, Martina Fehrlen hätten dort die entscheidenden Stimmen gefehlt, weil sie damals gesagt hatte, sie bleibe in Esslingen wohnen, die Entfernung nach Altbach sei ja nicht so groß. Nun ist die nach Urbach größer, und Fehrlen meint: „Urbach erleben heißt, auch dort zu leben.“ Das wird sie im Falle ihrer Wahl auch sofort tun, indem sie sich eine Wohnung nimmt. Zeitnah will sich die Familie dann in Urbach ein Haus kaufen.

Verschiedene Posten bei der CDU

Martina Fehrlen ist Mitglied der CDU und macht daraus auch kein Hehl. Das kann sie auch nicht. Denn die 39-Jährige bekleidet bei den Christdemokraten verschiedene Posten. Sie ist seit März 2014 Vorsitzende der Frauen-Union der CDU Kreis Esslingen, außerdem Beisitzerin des CDU-Kreisverbands Esslingen und Sprecherin des Kommunalpolitischen Arbeitskreises des CDU-Stadtverbands Esslingen. Sollte sie Urbacher Bürgermeisterin werden, ist für sie klar, dass sie diese Posten nicht mehr ausüben wird, denn „dann will ich meine Energie ganz für Urbach einsetzen“. Von jetzt auf sofort wird sie die Ämter aber nicht hinschmeißen, das ist ihre Sache nicht. Fehrlen spricht von einem „geordneten Übergang“, vor allem was die Frauen- Union betrifft. Dort müsse erst eine geeignete Nachfolgerin gefunden werden.

Streitpunkt Waldhaus: "Meine Meinung spielt da im Moment keine Rolle"

Mit ihren Gedanken ist die Frau aber schon sehr und oft in Urbach. Sie denkt an das Problem, das in der Remstalgemeinde derzeit wohl mit das größte ist: der Streit ums Waldhaus, sagt dazu, „meine persönliche Meinung spielt da im Moment keine Rolle“. Es gebe einen Bürgerentscheid, und dessen Ausgang „hat der Bürgermeister zu akzeptieren“. Martina Fehrlen schätzt die Situation im Zusammenhang mit dem Waldhaus so ein: Da stünden sich zwei Parteien unversöhnlich gegenüber, „die Energie fließt gegeneinander“. Wenn diese Energie in eine Richtung gebündelt werden könne, könne viel erreicht werden. Sie könne dabei als neutrale, von außen kommende Person, Mediatorin sein, denn „dass ist das, was Urbach gerade fehlt“. Zudem könne sie andere motivieren, „sich zu engagieren, an einem Projekt zu arbeiten“.

Nahversorgung in Oberurbach muss gewährleistet sein 

In ihren Gesprächen mit Urbachern hat Martina Fehrlen erfahren, dass die Schließung des Bonus-Marktes hohe Wellen schlägt. Sie hält es für „wichtig, dass in Oberurbach die Nahversorgung gewährleistet wird“, und kann sich das durchaus vorstellen in Form eines familiär geführten Obst- und Gemüseladens mit einem erweiterten Angebot. Auch an ein Bio-Lädle könne gedacht werden. Im Zusammenhang mit dem Thema Bonus-Markt lobt die Kandidatin die Gemeindeverwaltung für die „tolle Idee“ mit dem Bürgerbus, vor allem weil sie innerhalb kurzer Zeit umgesetzt worden ist. Das könne allerdings nur eine Übergangslösung sein.

Ausruhen vor dem Wahlkampf-Endspurt

Seit Martina Fehrlen ihre Kandidatur für den Posten des Urbacher Bürgermeisters abgegeben hat, wirbt sie um Stimmen. Über Ostern freilich geht sie mit Mann und Tochter ein paar Tage zum Wandern ins Allgäu. Um ausgeruht zu sein für den Endspurt im Wahlkampf, der am 20. April endet. Einen Tag später feiert sie dann ihren runden Geburtstag. Mit Bier vom Fass und Gegrilltem. Es dürfte lang gehen, denn wie sagt Martina Fehrlen: „Mein Mann und ich sind ziemliche Hocker bei Festen. Das war schon immer so.“ Und das wird am 21. April ganz sicher nicht anders sein.


Die Einladungen waren schon verschickt

Wenn ein Schwabe 40 wird, ist das was Besonderes. Denn dann wird er g’scheit. So ein Wiegenfest will also sehr gut vorbereitet sein. Martina Fehrlen hat das auch getan und frühzeitig Einladungen verschickt für die Feier am 21. April. „Daran sieht man, dass die Kandidatur in Urbach nicht geplant war“, sagt sie. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Feier einen Tag vor der Wahl vermutlich nicht so groß ausgefallen wäre, hätte Fehrlen sich bereits entschieden gehabt, sich zu bewerben.

Apropos Schwäbin. Rein von der Sprache her nimmt man das Martina Fehrlen nicht ab. Sie wurde aber in Stuttgart geboren, wuchs in Ludwigsburg auf und studierte in Konstanz. Schwäbisch spricht sie trotzdem nicht. Warum? „Meine Mutter stammt aus dem Rheinland, war Deutschlehrerin und hat darauf geachtet, dass zu Hause nicht Schwäbisch geredet wird.“ Schwäbische Gepflogenheiten legt die Mutter einer Tochter (Katharina) aber sehr wohl an den Tag. Sowohl sie als auch ihr Mann sind beispielsweise Kenner und Liebhaber des Weins aus dem Remstal. Dabei bevorzugen sie mineralischen Riesling.

Martina Fehrlens Freizeitgestaltung war und ist keine von der Stange. Fernsehen kommt für sie beispielsweise – wenn überhaupt – nur über die Mediathek infrage. In jungen Jahren ist sie viel gereist, war unter anderem drei Monate mit dem Rucksack in Indien unterwegs. Allein. Gleiches gilt für Sumatra. Auch allein. Und auf einem Teil des Jakobswegs (520 Kilometer von Burgos nach Santiago de Compostela) war sie ebenfalls ohne Begleitung auf Schusters Rappen unterwegs. Jetzt macht sie mit Mann und Kind gerne Wanderungen. Vornehmlich im Allgäu.

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