Waiblingen Anja Wenninger: Eine taffe Frau am richtigen Ort

Das Leben als Ortsvorsteherin in Bittenfeld gefällt ihr: Anja Wenninger Foto: ZVW

Waiblingen-Bittenfeld. Wenn Anja Wenninger von Bittenfeld erzählt, kommt sie fast ins Schwärmen: Charmante Ecken, malerische Gärten, mit ihrem Ort verwurzelte Menschen hat sie in ihren ersten 100 Tagen kennengelernt. Erlebt hat sie aber auch Verkehrsprobleme, Ehekrisen, Schlaglöcher und einen falsch aufgestellten Spender für Hundekotbeutel – kurz: den prallen Alltag einer Ortsvorsteherin.

Die ersten 100 Tage im Amt sind gerade vorbei. Und Anja Wenninger ist begeistert. Ein buntes Leben habe sie als Ortsvorsteherin, aber eins, das sie „voll schön“ findet: „Ich bin sehr glücklich. Alles hat bisher gut geklappt.“

Die Bittenfelder werden sich freuen. Immerhin ruhen und ruhten nach dem Weggang ihrer Vorgängerin Simone Lehnert große Hoffnungen auf der Schwaikheimerin, die als Tochter des ehemaligen Fellbacher Sozialbürgermeisters Raimund Ulrich in Waiblingen 1984 ihre Ausbildung zur Diplom-Verwaltungswirtin begann und zuletzt in Ludwigsburg im Referat nachhaltige Stadtentwicklung gearbeitet hat. „Von Haus aus politisch denkender und geschulter Kopf, kommunalpolitische Erfahrung, wie Verwaltung funktioniert von der Pike aus erlernt, immun gegen zentrale Verwaltung und Bürgermeisterei in unserer Kreis-Hauptstadt“, hatte Bübi-Ortschaftsrat Horst Jung in einem Leserbrief gejubelt und prognostiziert, dass sich daraus sehr viel mehr entwickeln könne als ein Zweckbündnis auf Zeit.

„Ich lasse mich nicht in Schubladen stecken“

Nach den ersten Tagen im Amt zeigt sich: Anja Wenninger fühlt sich an ihrem neuen Schreibtisch pudelwohl. Ein Zweckbündnis ist das keineswegs, eher schon Liebe auf den ersten Blick in Bittenfeld. Wobei die 50-Jährige für ein Zweckbündnis wohl auch die falsche Frau wäre: „Ich lasse mich nicht gern in Schubladen stecken“, sagt sie im Gespräch mit der Zeitung. Eigene Ideen wolle sie auf den Weg bringen, und als Schwaikheimer Gemeinderätin scheue sie sich auch nicht, in der dritten Runde erneut den Finger zu heben: „Wenn mir was wichtig ist, versuche ich einen Weg zu finden.“

Dabei weiß sie durchaus, dass Ortsvorsteher beim Selberentscheiden an Grenzen stoßen können. „Man muss die Entscheidungswege beachten. Das ist okay“, sagt sie pragmatisch. Über unterschiedliche Ansichten müsse diskutiert, Vertrauen erarbeitet werden: „Dann hat man ein anderes Standing.“

Nicht ahnungslos, aber offen hat sie eigenen Worten zufolge Ende Oktober ihr Amt angetreten. Natürlich habe sie im Detail nicht gewusst, was eine Ortsvorsteherin macht. Drei Monate später weiß sie: Es geht von „ganz klein bis groß“. Kleinigkeiten gehen genauso über ihren Schreibtisch wie menschliche Dramen.

„Mich interessiert alles“, erzählt sie begeistert: „Anders kann man eine solche Stelle nicht machen.“ Ganz neu lerne sie Bittenfeld derzeit kennen. „Ich komme in viele Ecken und denke, oh wie schön.“ Einer der idyllischsten Termine habe sie mit dem Förster in den Wald geführt, „ein toller Eichenwald“, wie sie jetzt weiß. Zudem sei sie durch die Waiblinger Stadtverwaltung getourt und habe dort sehr hilfsbereite Kollegen angetroffen. Ein paar von ihnen kannte sie noch von früher, aus einer Zeit, die sie nie ganz losgelassen hat: „Waiblingen war immer meine Heimat.“ Die Große Kreisstadt Ludwigsburg sei ihr ans Herz gewachsen, aber sie fehle ihr nicht.

Genug zu tun gibt es auch in Bittenfeld. Die große Streitfrage, wie das neue Baugebiet Berg-Bürg erschlossen werden kann, ist entschieden, jetzt geht die Planung in die nächste Etappe. „Alle wollen das Baugebiet“, hat Anja Wenninger erfahren. Viele Bürger wollten in Bittenfeld bleiben, hätten aber keine Möglichkeit dazu gehabt. Die Bittenfelder seien mit ihrem Ort ganz besonders verwurzelt: „Wenn man weg ist, kommt man wieder.“ Für ihre Bittenfelder hat sie sich vorgenommen, mehr Leben ins Rathaus zu bringen. Die Foto-Ausstellung „Blende auf“ von Waiblingen Engagiert hat sie ins Rathaus geholt, danach folgt die Ausstellung des Bittenfelder Hobby-Astronoms Albert Sciesielski. Mit der Sanierung der Ortsmitte fortzufahren, kann sie sich mittelfristig vorstellen. Das wäre gut für energetische Sanierungen, aber auch für die der denkmalgeschützten Häuser, ist sie überzeugt. Bisher kommt die Neugestaltung des Fleckens beim Haus Elim ihrer Erfahrung nach bei den Bürgern prima an: Auch das Pflegeheim selbst sei toll für die Ortschaft: „Der Bedarf war da. Es sind überwiegend Bittenfelder eingezogen.“

Menschen und Interessen zusammenzubringen, das liegt ihr. Auch deshalb gehe sie jeden Tag gern zur Arbeit ins Rathaus. Natürlich habe sie sich schon auch mal überlegt, ob sie Bürgermeisterin werden wolle, bekennt sie auf Nachfrage. Doch der Zeitaufwand, den sie bei ihrem Vater mitbekommen habe, habe abgeschreckt.

Und dann sei auch nie ein Ort dabei gewesen, an dem sie es sich hätte vorstellen können. „Bittenfeld ist ein schönes Zwischending“, meint sie. „Man ist nicht Bürgermeister. Aber man hat viel mit Menschen zu tun.“ Und sie weiß: „Bittenfeld, das passt.“

„Blende auf“ heißt eine Ausstellung, die bis 26. Februar im Bittenfelder Rathaus zu sehen ist.

Geöffnet ist das Rathaus montags, dienstags und freitags 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr, donnerstags 14.30 Uhr bis 18.30 Uhr.

Im März sind Fotografien des Hobby-Astronomen Albert Sciesieslki zu sehen.

Mit Kunst und Kultur will Ortsvorsteherin Anja Wenninger mehr Leben ins Bittenfelder Rathaus bringen.

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