Waiblingen-Beinstein 954 Unterschriften für Erhalt des Geldautomaten

Bei der anlässlich der Beinsteiner Vorweihnacht am Rathausbrunnen gestarteten Unterschriftenaktion, die in mehreren Läden fortgesetzt wurde, kamen insgesamt 954 Unterschriften zusammen. Jetzt hat BdS-Vorsitzender Horst-Michael Böckel (Dritter von rechts) die Listen an die Vertreter der Volksbank Frank Fischer (Dritter von links) und Ulrich Friz (Vierter von links) übergeben. Foto: Ralph Steinemann

Waiblingen-Beinstein.
In Beinstein sind die Wogen hochgegangen, nachdem die Volksbank Stuttgart angekündigt hatte, nicht nur die dortige Filiale zu schließen, sondern auch den Bankautomaten abzubauen. Am Mittwochabend haben Vertreter von BdS und Ortschaftsrat den beiden Volksbank-Regionaldirektoren Ulrich Friz und Frank Fischer Unterschriftenlisten mit 954 Unterschriften übergeben. Die Unterzeichner fordern: Der Geldautomat in Beinstein muss bleiben. Doch wie soll es nun weitergehen in Beinstein?

Volksbank-Regionaldirektor äußert Verständnis für die Aufregung

Nicht nur in Beinstein, sondern auch in Hohenacker, Schnait, Strümpfelbach und weiteren Orten hat die Volksbank ihre Filialen bereits geschlossen, dafür aber eine rollende Bank-Filiale in Aussicht gestellt. Doch mit Misstrauen sieht man in Beinstein die mobile Filiale, die laut Volksbank-Vorstandsvorsitzendem Stefan Zeidler ab Sommer unterwegs sein wird. Bis die Filiale rollt, kann in Beinstein und den anderen betroffenen Orten weiterhin Geld am Automaten abgehoben werden.

„Kurzfristig bis Sommer bleibt der Automat zumindest in Betrieb, bis die mobile Filiale in Betrieb geht, von deren Nutzen ich allerdings nicht viel halte“, sagte der ehemalige Beinsteiner Ortschafts- und Waiblinger Stadtrat Friedrich Kuhnle bei der Übergabe der Listen. Was Kuhnle und seine Mitstreiter bei ihrem Kampf besonders umtreibt: Kunden, die woanders Geld abheben, kaufen womöglich auch woanders ein. Das wiederum wäre fatal für den Beinsteiner Cap-Markt samt den umliegenden Läden wie Schäfer, Schöllkopf und die Apotheke.

Wiewohl Volksbank-Regionaldirektor Ulrich Friz Verständnis für die Aufregung äußerte – eine Verantwortung für das von Kuhnle skizzierte Ladensterben wies er schon mal klar zurück: „Es liegt nicht an der Volksbank, wenn nachher weniger los ist. Es liegt auch am Verhalten der Bürger, die gleich in Endersbach einkaufen, wenn sie dort Geld abheben“, sagte er. Seine Bank müsse Kosten reduzieren, mit der mobilen Filiale sei aber eine Lösung gefunden worden. Details wie Öffnungszeiten und Standorte sollen nun mit den Ortsvorstehern geregelt werden. Bis dahin sollen die Bankomaten bestehen bleiben, die nach Angaben von Ulrich Friz die Volksbank jedes Jahr jeweils 15 000 Euro kosten.

Geld gibt es an der Cap-Markt-Kasse

Wo die Beinsteiner schon jetzt Geld bekommen können, ist an der Kasse des Cap-Markts. Ab einem Einkauf von zehn Euro können die Kunden bis zu 200 Euro mitnehmen. Auch wenn Volksbank-Mitarbeiter Ulrich Friz eigenen Angaben zufolge dort selbst immer wieder mal abhebt und gute Erfahrungen gemacht hat: Die ideale Lösung ist dies für Friedrich Kuhnle ganz und gar nicht. Wenn viele Kunden abheben wollten, sei nicht genug Geld in der Kasse, gab er zu bedenken. Zudem sei man zum Einkauf verpflichtet, die Hemmschwelle zum Geldabheben groß. Noch ganz andere Probleme haben allerdings die Selbstständigen mit dem Wegfall der Automaten.

„Die Selbstständigen wurden im Stich gelassen“

Diese seien von der Volksbank völlig im Stich gelassen worden, beklagte Bäcker Uwe Füssenhäuser. Er erinnerte daran, dass die Selbstständigen abends ihre Einnahmen loswerden müssen. Er werde sich aber nicht trauen, mit dem Geld in das Volksbank-Mobil einzusteigen. „Ich bin seit 40 Jahren Kunde bei euch“, sagte er. „Aber wir wurden vergessen. Ich bin sehr verärgert.“ Dass ein Bus, der ein- oder zweimal in der Woche Halt macht, den Bankomaten ersetzen kann, bezweifelte auch Apotheker Horst-Michael Böckel. Gar nicht verstehen konnte es Friedrich Kuhnle, dass sich die Bank „so unbeliebt macht wegen eines so geringen Betrags“ von 15 000 Euro.

Ulrich Friz versprach, die Bedenken weiterzuleiten, erinnerte aber auch an andere Möglichkeiten im nahen Umkreis (bei den Filialen in Endersbach, Korb, Waiblingen und die Korber Höhe), Geld abzuheben. Auch sein Kollege Frank Fischer kündigte an, dieses „starke Signal der Kunden“ weiterzugeben.


Wo kann man noch Geld abheben?

  • Im Supermarkt Cap-Markt in Beinstein können Kunden bei einem Einkauf ab einem Wert von zehn Euro bis zu 200 Euro abheben.
  • In Waiblingen können Kunden beim Discounter Lidl in der Devizesstraße seit Ende 2019 ab einem Einkaufswert von fünf Euro Geld abheben. Zuvor war das erst ab einem Betrag von zehn Euro möglich. Auch hier liegt die maximale Auszahlungshöhe bei 200 Euro, wie bei allen anderen Supermärkten in Waiblingen.
  • Ebenfalls in Waiblingen, bei Aldi Süd in der Düsseldorfer Straße, können Kunden seit Ende Januar ab einem Einkaufswert von fünf Euro Geld abheben.
  • Im Drogeriemarkt DM in der Marktgasse kann man schon ab dem Kauf eines einzigen Produktes Geld abheben – egal ob das Produkt ein oder sieben Euro kostet. Auch hier liegt der maximale Auszahlbetrag bei 200 Euro.
  • Im Drogeriemarkt Müller am Alten Postplatz in Waiblingen muss man für zehn Euro einkaufen, um bis zu 200 Euro abheben zu können.
  • In den Rewe-Märkten in Waiblingen, Neustadt und Hegnach können Kunden ab einem Einkauf von zehn Euro Geld abheben. 
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