Waiblingen-Beinstein So funktioniert der „Feldsalat-Whirlpool“

Waiblingen-Beinstein.
In übereinander gestapelten grünen Kisten steht der gepflückte und schlammige Feldsalat zur Reinigung bereit. Er wächst auf Lehmlösboden, auf Feldern zwischen Beinstein und Korb. „So dreckig sieht er aus, so schlammig“, sagt Daniel Schmid. Der 50-Jährige ist Landwirt und Marktbeschicker. Er greift in eine der Kisten hinein und präsentiert auf seiner Handinnenfläche das grüne Büschel, an dem noch jede Menge Erde und Schlamm hängt. Das soll sich jetzt ändern: Schmid nimmt die Reinigungsanlage in Betrieb, die er selbst als „Feldsalat-Whirlpool“ bezeichnet. Der Motor brummt, die Düsen fangen an zu arbeiten, das Wasser in der Wanne sprudelt. Daniel Schmid hebt eine Kiste an und kippt den Inhalt in die Wanne. Der Feldsalat taucht kurzzeitig unter. Durch die Erde und den Schlamm wird das Wasser in der Wanne braun. Vom Wasser getrieben, wandert der Feldsalat durch die Anlage, wird an drei Stellen zusätzlich mit Wasser abgebraust, ausgesiebt und landet abschließend – größtenteils von Erde und Schlamm befreit – auf einem Fließband. Mitarbeiter, die an der Anlage stehen, sortieren den gesäuberten Feldsalat in eine neue Kiste ein. Vom Startpunkt der Anlage aus zeigt Daniel Schmid auf die Endstation und sagt: „Da hinten ist’s fast küchenfertig.“

Reinigungsanlage wurde schon auf dem Markt präsentiert

Um den Marktkunden das Prinzip vorzuführen, habe der Marktbeschicker einen Teil seiner Reinigungsanlage mit auf den Wochenmarkt genommen. Die Begeisterung sei groß gewesen. „Die Leute haben gar nicht geglaubt, dass der Feldsalat so dreckig ist“, sagt Schmid.

Auf seinen Freilandfeldsalat ist der Marktbeschicker besonders stolz. „Der hat viel mehr Geschmack, weil er langsam wächst“, sagt er. Der Freilandfeldsalat unterscheide sich geschmacklich von einem im Treibhaus gezüchteten Feldsalat. Insbesondere Kunden auf dem Markt schätzten diesen, sagt Schmid. Allerdings: „Den Feldsalat zu ernten, ist ein harter Job“, sagt Schmid. In der Erntesaison beschäftigt der Landwirt auf dem Feld 80 Hilfskräfte. Außerhalb der Saison kümmern sich 18 Mitarbeiter um Salat, Gemüse und Obst auf Schmids Hof, der an der Grenze von Beinstein zu Korb liegt. Seit fast 30 Jahren steht der 50-Jährige auf dem Wochenmarkt. In die Welt der Landwirtschaft sei er wie viele Marktbeschicker hineingeboren worden. Doch obwohl sein Vater in Kernen schon einen Wein- und Gemüsebaubetrieb aufgebaut hatte, wollte der Junior seinen eigenen Weg gehen – und machte sich selbstständig. Im Jahr 1995 kaufte der Wahl-Beinsteiner die Gärtnerei, auf der heute sein Haus, sein Büro und seine Produktionshalle stehen. „Dann ging’s los.“ Rückblickend sagt er: „Wir sind aus dem kleinen Familienbetrieb herausgewachsen.“

Auf rund 85 Hektar Land (also fast so viel wie 120 Fußballfelder) baut der Landwirt vieles an – von grünem Spargel über Erdbeeren bis Kürbis. Wichtig ist für ihn die Transparenz: „Dass die Kunden sehen können, wie wir und wo wir produzieren“, sagt er. Und die Vielfalt, die er seinen Kunden anbietet. Für den Wochenmarkt kauft die Familie Schmid von einer Gärtnerei aus Öffingen Gurken, Tomaten und Paprika dazu. „Der kauft von uns Erdbeeren“, sagt Schmid. Ein Geben und ein Nehmen.

In 30 Jahren sind auf dem Markt auch Freundschaften entstanden

Neben Gemüse bietet der Landwirt auch Erdbeeren und Himbeeren an. Nicht nur klassische, sondern auch spezielle Sorten, bei den Erdbeeren zum Beispiel „Lambada“. Das Besondere: Sie sei extrem süß und weich. Bei der Ernte müssen seine Leute deshalb sehr vorsichtig sein: „Nur 15 Leute dürfen Lambada pflücken – die wissen, wie sie gepflückt werden müssen“, sagt Schmid. Für die Marktkunden werden die Erdbeeren in den frühen Morgenstunden gepflückt. Einen Hinweis gibt der Marktbeschicker seinen Kunden immer mit: „Spätestens am Abend muss die Lambada verzehrt werden. Die hält im Prinzip keinen Tag.“

Nicht nur das vorsichtige Pflücken der Erdbeeren, sondern die gesamte Arbeit der Landwirte müsse wertgeschätzt werden, findet der Marktbeschicker. „Wenn man wertgeschätzt wird, hat das eine Eigendynamik.“ Deshalb steht für den 50-Jährigen fest: „Ich würde den Wochenmarkt gar nicht mehr machen, wenn ich kein Feedback erhalten würde.“ In den 30 Jahren sind auf dem Markt auch Freundschaften entstanden: „Das Verhältnis zu den Kunden ist auf freundschaftlicher Basis. Es gibt Kunden, die mir zum Geburtstag gratulieren“, sagt er.

Auch wenn Daniel Schmid nicht den Familienbetrieb in Stetten übernommen hat, freut er sich umso mehr, dass seine Frau Maike und ihre beiden Töchter Alissa und Sina mit im Boot sind. Alissa habe Wirtschaftspsychologie studiert, arbeite nun aber mit im Familienbetrieb – sie ist für die Vermarktung zuständig. Seine jüngere Tochter Sina habe vor, Gartenbau zu studieren. „Sie ist immer samstags auf dem Wochenmarkt vor Ort“, sagt er. „Das ist sehr spannend, dass die Mädels weitermachen.“

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