Waiblingen Betrugsfalle Onlinedating

Wer im Internet die große Liebe sucht, muss vorsichtig sein. Foto: chagin - Fotolia

Waiblingen. Sie hat sich die große Liebe aus dem Internet erhofft und wurde am Ende zur Geldwäscherin für einen Betrüger. Dafür musste sich nun eine 53-jährige aus Fellbach vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten.

Im Sommer 2017 lernte die Fellbacherin via Onlinedating im Internet einen Mann kennen. Es entwickelte sich ein enger, emotionaler Kontakt. Die beiden schrieben fast täglich miteinander. Der unbekannte Mann gab sich als ehemaliger, amerikanischer Soldat aus, der nach seiner Zeit in Afghanistan nun in einem Hotel in Ghana lebte. Weil es angeblich Probleme mit seinem Gepäck gibt, bittet er die Frau immer wieder um finanzielle Unterstützung. Telefonisch meldete sich sogar eine angebliche Diplomatin bei ihr, die das Problem mit dem Gepäck bestätigte: aus irgendeinem Grund könne der Mann nicht ausreisen.

Daraufhin überwies ihm die Angeklagte immer wieder Geld nach Ghana – insgesamt fast 3000 Euro. Als sie selbst kein Geld mehr zur Verfügung hatte, bat der Mann die Angeklagte, das Geld von zwei anderen Frauen, die er ebenfalls über die Datingplattform kennengelernt habe, entgegenzunehmen. Unter der Bedingung, dass er sowohl ihr als auch den anderen Frauen das Geld zurückzahlt, willigte sie ein.

Tochter versuchte der Mutter die Augen zu öffnen

Sie gibt vor Gericht zu, das Geld, das sie von den beiden anderen Geschädigten erhalten hat, insgesamt rund 5700 Euro, nach Ghana transferiert zu haben. Ob sie da nicht langsam stutzig geworden sei, fragt Richter Dustin Dautel. „Nein“, sagt die Angeklagte, „er hat ja versprochen das Geld zurückzugeben.“ Das Geld benötigte der unbekannte Betrüger angeblich für Essen, Kleidung und Hotelkosten – die nächste Ungereimtheit. Ehemalige Soldaten sind doch finanziell gut versorgt, gibt der Richter zu bedenken. Dem widerspricht die Angeklagte und begründet die finanzielle Not ihrer Bekanntschaft damit, dass die amerikanischen Banken keine Transfers zwischen Amerika und Ghana zulassen. Als sie nach einiger Zeit ihrer Tochter davon erzählt, wird diese sofort hellhörig. Sie versucht ihre Mutter davon zu überzeugen, dass sie da wohl einem Betrüger aufgesessen sei. Nur ist das deutlich schwieriger zu akzeptieren, wenn man für den Betrüger schwärmt ...

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten leichtfertige Geldwäsche mit Geld aus gewerbsmäßigem Betrug vor. Die Fellbacherin sagt, sie habe nicht gewusst, dass sie mit den Überweisungen nach Ghana Geldwäsche betrieb.

Zahlungsauflage geht ans Olgäle

Die abschließende Frage von Richter Dustin Dautel, ob sie auf eine erneute Bitte des Betrügers wieder Geld an ihn überweisen würde, verneint die Angeklagte. Da sie nicht nur Täterin, sondern auch Opfer ist, bietet Richter Dustin Dautel an, das Verfahren gegen eine Zahlungsauflage von 600 Euro einzustellen. Sowohl die Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft willigen sofort ein – die 600 Euro möchte die 53-jährige ans Olgäle in Stuttgart spenden.

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