Waiblingen Corona: Schutz in Postbank noch ausbaufähig

Symbolbild. Foto: ZVW/Joachim Mogck

Waiblingen.
Warum tragen die Mitarbeiter in der Postbankfiliale in der Mayenner Straße 63 in Waiblingen trotz des grassierenden Coronavirus weder einen Mundschutz noch Handschuhe, obwohl sie ständig Pakete und Bargeld von Kunden annehmen? Die Mitarbeiter, die Postdienstleistungen für die Kunden anbieten, hatten am Dienstagvormittag, 24. März, beides nicht an.

Auch fehlten Plexiglasscheiben, die beim Kundenkontakt am Schalter für Schutz sorgen. Davon konnten wir uns bei einem zunächst privat veranlassten Besuch der Filiale mit eigenen Augen überzeugen. Wie kann das sein, obwohl die Filiale von sehr vielen Kunden täglich aufgesucht wird?

In Supermärkten haben die Beschäftigten an der Kasse zunehmend Mundschutz und Handschuhe, es gibt auch Plexiglasscheiben. In der Postbankfiliale in Waiblingen war am Dienstag nur ein Hinweis am Eingang leicht erkennbar, dass sich nicht mehr als vier Leute im Kundenbereich aufhalten sollen und es gab den Hinweis, am Schalter 1,50 Meter Abstand zu halten. Letzteres ist aber auch nur schwer möglich, wenn man Bargeld übergibt oder ein Paket abgibt. Als dann an jenem Dienstagvormittag mehr als vier Leute in der Filiale waren, hat kein Mitarbeiter etwas zu den Kunden gesagt.

Grundversorgung gewährleisten

Die Postfiliale in der Waiblinger Mayenner Straße ist ein Postbank-Finanzcenter, das von der Postbank AG betrieben wird. Wir haben die Pressestelle mit unseren Erlebnissen konfrontiert. „Ich kann nachvollziehen, dass Sie sich zu dem Thema Schutz von Kunden und Mitarbeitern in unseren Filialen Gedanken machen“, schrieb Sprecherin Iris Laduch auf unsere Anfrage. „Wir beobachten derzeit sehr genau, wie sich die Situation um das Covid-19-Virus entwickelt und wie die Situation von Regierungsbehörden eingeschätzt wird – und passen dementsprechend auch unsere Präventionsmaßnahmen an.“

Nach Darstellung der Sprecherin wird untersucht, wo Mitarbeiter und Kunden am stärksten von der Bedrohung durch das Virus betroffen sein könnten. Das Unternehmen folge den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und habe den Mitarbeitern entsprechende Hygiene- und Verhaltensempfehlungen nahegelegt.

Zugleich verweist Iris Laduch auf die Aufgaben ihres Unternehmens. „Gemeinsam erfüllen Deutsche Post und Postbank für die Bevölkerung den gesetzlich verankerten Grundversorgungsauftrag mit postalischen Dienstleistungen. Wir sind verpflichtet, diesen Aspekt bei sämtlichen Überlegungen zu möglichen Einschränkungen unserer Services im Auge zu behalten.“

Um Kunden und Mitarbeiter vor einer Infektion zu schützen, nutzt die Postbank nach Angaben von Pressesprecherin Iris Laduch in ihren Filialen verschiedene Mittel.

Mitarbeitern mit Kundenkontakt sollen folgende Hilfsmittel bereitgestellt werden:

  • Abstandsmarkierungen auf dem Boden
  • Plexiglasscheiben (zwischen Kunde und Mitarbeiter)
  • Gesichtsschutzmasken für Mitarbeiter
  • Spender mit Desinfektionsflüssigkeit am Schalter für Mitarbeiter und Kunden
  • Plakate mit Hinweisen auf empfohlenen Zwei-Meter-Abstand zu anderen Menschen (in Englisch, Türkisch und weiteren Sprachen)
  • Plakate für den Beratungsbereich: Verzicht auf Händeschütteln (in Englisch, Türkisch und weiteren Sprachen)
  • Plakate mit Hinweis auf Handhygiene (in Englisch, Türkisch und weiteren Sprachen)

Mundschutz und Handschuhe tragen ist nicht Pflicht

Die Sprecherin bittet um Verständnis, dass bei bundesweit 800 Filialen alles seine Zeit braucht. „Fakt ist: Sobald die Plexiglasscheiben in der Filiale in Waiblingen installiert sind, besteht ein weiterer Schutz für Kunden und Mitarbeiter.“ Zusätzlich zu den oben aufgeführten Hilfsmitteln informiere die Postbank die Mitarbeiter engmaschig über Verhaltens- und Hygieneregeln sowie über neue Entwicklungen im Rahmen der Pandemie.

Sie sagte zudem zu, die Kollegen in Waiblingen über die Anfrage der Zeitung und die Bedenken zu informieren. Mundschutz und Handschuhe sind indes nach wie vor kein Muss. „Selbstverständlich können unsere Mitarbeiter einen Mundschutz und Handschuhe tragen – aber sie sind dazu nicht verpflichtet.“

Kommt es zu einer Filialschließung, so werden laut der Sprecherin von umliegenden noch geöffneten Postbank-Filialen oder Partnerfilialen der Deutschen Post die Dienstleistungen übernommen. Kunden können sich über den Filialfinder unter www.postbank.de über die Öffnungszeiten informieren.

Deutsche Post DHL Group für Sicherheit zuständig

„Kunden, deren Paketsendung in einer geschlossenen Filiale eingelagert ist, können sich an die Telefon-Hotline der Postbank wenden, wenn es sich um lebenswichtige Medikamente oder Urnen handelt“, betont die Sprecherin der Postbank.

Für die Sicherheit von Postfilialen, die als Partnerfilialen zum Beispiel in Einzelhandelsgeschäften betrieben werden, ist nicht die Postbank zuständig, sondern die Deutsche Post DHL Group. Deren Sprecher Gerold Beck erläuterte, dass die Partner-Filialen trotz der außergewöhnlich hohen Nachfrage sukzessive mit Schutzwänden für den Tresen- und Thekenbereich ausgestattet würden.

„An viele der Partner-Filialen wurden bereits die für einen Pandemie-Fall vorgesehenen und von uns eingelagerten Schutzwände für den Tresen- und Thekenbereich versendet. Andere Filialen erhalten diese Schutzwände in den nächsten Tagen, so dass wir das Filialnetz nahezu vollständig aufrechterhalten können.“

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