Waiblingen Der Mann hinter der Clownsmaske

In der Manege. Foto: Habermann / ZVW

Waiblingen. Vorhang auf für den Clown: Mehrmals täglich darf David Lorenzo Carnevale durch den roten Manegenvorhang treten. Als „Mr. Lorenz“ wird er vom Publikum, vor allem von den kleinen Besuchern sehnsüchtig erwartet. Der Weihnachtszirkus von Familie Sperlich hat dieses Jahr den 37-jährigen Spross einer italienischen Zirkusfamilie im Programm.

Wenn Kinder einen Clown malen sollen, kriegt er fast immer eine rote Nase verpasst. „Mr. Lorenz“ verzichtet bewusst auf das Erkennungszeichen im Gesicht. Er deutet es nur an, durch etwas stärker aufgetragenes dunkelrotes Make-up auf der Nasenspitze. Als Clown mit roter Nase sei er festgelegt auf Nummern eher für Kinder. Er aber will „ein Clown für jede Altersgruppe“ sein. Damit sich Komik und Witz seiner Reprisen auch auf Erwachsene übertragen, wähle er die Rolle eines „Old Gentleman“. Filmlegenden der 50er und 60er Jahre hätten ihn inspiriert zu seiner stolzen Erscheinung, mit edlen Koteletten und dem Clark-Gable-Moustache. Er sagt, er liebe die alten Zeiten und fühle sich „ein paar Jahrzehnte zu spät“ geboren. Zur Welt kam er in Verona, aufgewachsen ist er im italienischen Zirkus Medrano-Casartelli, wo er acht Jahre arbeitete. Es folgten Stationen in Zirkussen in halb Europa.

Auch privat "funny" und ein bisschen schräg

Ein richtiges Zirkuskind also, beide Eltern haben das Berufsleben auf Reisen vorgelebt. Seine Mutter stammt aus der italienischen Zirkusfamilie Caroli. Lorenzo ist der Cousin des Weißclowns Yann vom Musicalclown-Duo „Les Rossyann“. Als Zwölfjähriger habe er schrittweise in seine Rolle in der Manege gefunden. „Zuerst habe ich alles gemacht, von Popcornverkauf bis Jongleur“, sagt er. Aus der Zeit stammt die bis heute gezeigte clowneske Jonglage auf der freistehenden Leiter. Seit zehn Jahren macht er als „Mr. Lorenz“ seine Späße mit dem Publikum. Keine leichte Aufgabe.

„Wenn die Menschen ihr Zuhause verlassen und in den Zirkus kommen, dann erwarten sie etwas Spezielles, dass sie Sorgen und Stress vergessen können, das muss ein Clown bieten.“ Seine Geschichten und die Maske habe er in der Heimat Italien entwickelt, während seiner Engagements im Zirkus Medrano. Rührend, wenn er mit Kuhglocken musiziert und sich der Klang im ganzen Zelt verteilt. Einmal tut er so, als esse er eine Kerze, und verwandelt sich in eine lebende Lichtquelle. Etwas Närrisches, ein bisschen Hanswurst, eine Prise Tölpel, das ewige Kind – diese Assoziationen erfülle er. Er sei auch privat „funny“ und ein bisschen schräg. Das „Handwerk“ - die Metaphorik, Mimik und natürlich das Schminken - habe er sich selbst angeeignet, als klar war: Das „Komische“ liegt ihm.

Eine Stunde vor Showbeginn verschwindet „Mr. Lorenz“ in seinem Campingwagen, beugt sich über seinen Koffer und hantiert routiniert mit Schwämmchen, Pudern, Pinseln. „Meine Frau braucht eine Stunde, ich zehn Minuten“, sagt er grinsend. Eine Sommersprosse aus schwarzem Kajal „wächst“ auf seiner Wange. Mit Kajalstift verstärkt er die Form seines markanten Oberlippenbärtchens und zieht die Bögen der Augenbrauen länger, die Lippen trägt er weiß. Den Haaransatz überstreicht er mit grauem Make-up, für den graumelierten Anstrich des vornehmen alternden Herrn.

Das Timing ist wichtig

„Mit der Clownsfigur kann ich vor jedem Publikum, auch in Dinner- oder Theaterzirkussen auftreten“, sagt er. Als Clown ist er Kosmopolit. Einer, der an vielen Ecken der Welt Station macht, Publikum erlebt, das Verhalten beobachtet und spiegelt. Der Kontakt mit Menschen und deren Begeisterungsfähigkeit treiben ihn an. Das Spiel des Clowns sei eine Sache des richtigen Timings. Er erzählt, dass seine Reprisen jeden Abend anders verlaufen: „Ich verfolge die Show, reagiere auf die Situation und integriere die Reaktionen.“ Darum sei es nie langweilig, „das liebe ich am Clownsein“. Damit die Mimik überall verstanden wird, sei eine Art „interkultureller Humor“ gefragt. Er weiß: „Humor verbindet, als Clown habe ich die Power, verschiedenste Menschen zum Lachen zu bringen.“

Die Leute in Waiblingen mögen es, einbezogen zu werden

David Lorenzo Carnevale hält es für wichtig, „mit dem Publikum zu lachen, nicht über es zu lachen oder es lächerlich zu machen“. Das ist besonders wichtig bei den Mitmach-Nummern. Die Reaktionen seien in Waiblingen sehr positiv: „Sie vertrauen mir und mögen es, einbezogen zu werden“, stellt er mit Freude fest. Bei ihm habe niemand etwas zu befürchten: Es gebe weder billige Gags auf Kosten des Publikums noch Klamauk unter der Gürtellinie. Das Lachen beziehe sich auf die kleinen menschlichen Schwächen, die er aufdeckt. „Die Menschen sollen sich in mir wiedererkennen und lachen“, erklärt er. Übertreibung und Komik führen ihr Eigenleben in seiner Figur, mit der er noch bis zum 7. Januar in Waiblingen die Zuschauer begeistern möchte.


Zweimal täglich

Clown „Mr. Lorenz“ war beim Zirkusfestival in Monte Carlo und Budapest zu erleben und arbeitete beim ungarischen Nationalzirkus Richter. Im Sommer 2018 ist er im österreichischen Zirkus Knie zu sehen.

Vorstellungen des Weihnachtszirkus auf dem Festplatz Rundsporthalle: täglich 15.30 Uhr und 19.30 Uhr.

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