Waiblingen/Fellbach Personenunfall: Wie die Feuerwehr den Einsatz erlebt hat

Etwa an dieser Stelle geschah der Personenunfall vom Dienstagabend. Oben drüber die Westumfahrungsbrücke. Im Hintergrund Waiblingen. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen/Fellbach.
Der gesamte Bahnverkehr zwischen Waiblingen und Fellbach war am Dienstagabend lahmgelegt. Die Strecke musste zwischen 17.40 und 19.25 Uhr wegen eines Personenunfalls komplett gesperrt werden. Die Gemüter der gestrandeten Bahnfahrer kochten und die Gerüchte schossen ins Kraut. Was genau war da los?

„Unfall auf dem Bahngleis unter der Brücke der Waiblinger Westumfahrung – Person unter Zug“. Eine solche Notruf-Meldung wie am Dienstagabend lässt selbst erfahrene Rettungskräfte schlucken, wenn sie zum Einsatz eilen. „Man erwartet das Allerschlimmste, und wir haben ja leider jeder schon einige grässliche Erlebnisse mit Personenunfällen auf Gleisen gehabt“, sagt Stephan Idler, Kommandant der Fellbacher Feuerwehr. „So wie im Sommer im Bahnhof Fellbach. Meistens sind es Suizide.“

Schwer verletzt, Notoperation

Mit 18 Mann rückte die Fellbacher Wehr am Dienstagabend gegen 17.40 Uhr aus. Die Waiblinger Kameraden mussten nicht ran. „Man spricht sich da spontan ab.“ Für solche Unfall-Einsätze alarmiere er stets die spezielle „Kleinschleife“ und nicht den normalen Löschtrupp. „In der Kleinschleife sind 20 Kameraden drin, die sehr erfahren sind, denen man zutraut, mit extremen Einsatzsituationen zurechtzukommen.“ Freilich stünde im Nachgang immer psychologische Betreuung zur Verfügung, sagt Idler.

Die Minuten, bis die Lage am Unfallort sondiert ist, können verdammt lang werden. Umso größer war am Dienstagabend zunächst die Erleichterung, als sich nicht etwa die Nachricht bestätigte, jemand sei unter den Zug gekommen, mitgeschleift und getötet worden. Sondern: Ein älterer Herr mit Fahrrad, der sich an den Gleisen aufgehalten hatte, sei zwar schwer verletzt, aber noch ansprechbar, so Idler.

Der 78-jährige Verunglückte schwebt jedoch weiter in Lebensgefahr, auch nach einer Notoperation im Klinikum Winnenden, betonte am Mittwoch ein Sprecher der Bundespolizei Stuttgart auf Nachfrage.

Nahm der 78-Jährige eine Abkürzung?

Ersthelfer und Notarzt hatten den 78-Jährigen am Dienstagabend neben den Gleisen erstversorgt. Die Feuerwehr hatte oben auf der Brücke der Waiblinger Westumfahrung und auf einer Radwegbrücke gegenüber große Scheinwerfer aufgestellt und den Unfallort unten in der tiefen Gleistrassenmulde ausgeleuchtet. Deshalb musste eine Spur der Westumfahrung mehr als eine Stunde lang bis gegen 19 Uhr gesperrt werden. Das führte zu Verkehrsbehinderungen auf der Straße. Wegen der Zugstreckensperrung zwischen Fellbach und Waiblingen herrschte an den Bahnsteigen bis gegen 19.30 Uhr Chaos.

Ungemach auch für den Zugfahrer und die etwa 100 Fahrgäste des Regionalexpresses, der von Gaildorf nach Stuttgart unterwegs gewesen war und den 78-Jährigen offenbar seitlich touchiert und umgeworfen hatte. Sie mussten auf offener Strecke in den Waggons des notgebremsten Zuges warten, bis die Bahnstrecke um 19.26 Uhr wieder freigegeben werden konnte.

Was der 78-Jährige mit Fahrrad neben dem Gleisbett zu suchen hatte, ist Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen, auch die Beantwortung der Frage, wie er dort hingelangte. Als „Abkürzung“ zur Überquerung taugt die tiefe Trassenmulde mit mehreren Gleisen, die zum Teil sogar noch über einen halben Meter erhöht sind, nicht. Neben der überquerenden Radwegbrücke führen auf beiden Seiten Stufen nach unten zum Gleisbett.

„Dort haben Kameraden, den Schwerverletzten in einer Schleifkorbtrage nach oben getragen. Der Rettungswagen wartete dort auf dem Radweg“, sagt Stephan Idler. Ob der 78-Jährige diese Stufen nahm, um hinunterzukommen, oder von weiter entfernt sich einige Zeit entlang der Gleise fortbewegte, ist unklar. Die beidseitigen Böschungen sind steil und mit Büschen und Gestrüpp überwuchert. Zurück in Richtung Waiblingen am DHL-Zentrum vorbei wird die Trassenmulde jedoch flacher.

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