Waiblingen Hess-Areal: Bebauungsplan beschlossen

Radtour mit Vertretern von Provelo und der Stadtverwaltung im Hess-Areal: Von links Silke Hernadi, Patrik Henschel, OB Andreas Hesky, Monika Winkler, Iris Förster, Andreas Schwager und Michael Seeger. Links zu sehen ist die Bahnlinie, an der auf Wunsch von Provelo der Radweg verlaufen soll. Die Verwaltung hat Provelo einen runden Tisch zur Verbesserung des Radverkehrs in Waiblingen vorgeschlagen. Provelo begrüßt den Vorschlag. Foto: Provelo

Waiblingen. Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat den Bebauungsplan für das Hess-Areal beschlossen. Damit steht der Daimler-Ansiedlung beim Ameisenbühl nichts mehr im Wege. Unabhängig davon wird der umstrittene Radweg durch das Areal überarbeitet, nachdem sich der neue Grundstückseigentümer offen für einen Radweg an den Gleisen gezeigt hatte. Auch mit der Bahn soll verhandelt werden.

Vor der Abstimmung hatte CDU-Rat Ingo von Pollern eindringlich an die ALi-Fraktion appelliert, diesen „grundlegenden Beschluss für Waiblingen“ mitzutragen. Die Alternative Liste hatte sich zuvor mehrfach klar gegen den Bebauungsplan ausgesprochen. Für einen Glücksfall für die Stadt hält die Daimler-Ansiedlung dagegen von Pollern. „Wenn Sie schon nicht zustimmen können, dann enthalten Sie sich“, beschwor er die ALi – allerdings vergeblich. Die Alternative Liste stimmte ebenso wie Christel Unger von der SPD gegen den Bebauungsplan. Nicht, weil sie Daimler bekämpfen wollten, wie ALi-Sprecher Alfonso Fazio betonte, sondern weil sie andere Vorstellungen für die Entwicklung des Areals hätten. Ansonsten herrschten Freude und Erleichterung im Rat, nachdem nach vielen Beratungen der Plan abgeschlossen war und der Daimler-Ansiedlung nichts mehr im Weg steht.

„Waiblingen muss sich weiterentwickeln“

„Wir freuen uns, dass wir die Planung auf den Weg gebracht haben und der Weg jetzt frei ist“, gab CDU-Chef Siegfried Kasper zu Protokoll. Auch die FDP begrüßte den Satzungsbeschluss. „Man muss sich weiterentwickeln, die Stadt kann nicht stehen bleiben“, sagte Julia Goll. Auch Peter Abele (CDU) freute sich über die seiner Meinung nach zukunftsträchtige Weiterentwicklung eines der letzten Gebiete in Waiblingen: „Schade“, sagte er, „dass diese wichtige Tatsache wegen des Radwegs etwas in Hintergrund getreten ist.“

Radweg für 800 000 Euro an dieser Stelle sinnvoll?

Tatsächlich wird der Radweg den Gemeinderat weiter beschäftigen. Nachdem der Planungsausschuss auf erneute Gespräche mit dem neuen Grundstückseigentümer gedrängt hatte, hatte sich dieser Oberbürgermeister Andreas Hesky zufolge überraschend offen für einen Radweg an den Bahngleisen gezeigt. Allerdings, betonte Hesky noch einmal, sei das Gelände aufgrund der Hanglage sehr schwer bebaubar. Zu überlegen sei, ob ein Radweg für 800 000 Euro an dieser Stelle sinnvoll sei. Nach einer gemeinsamen Radtour mit Provelo wurde ein runder Tisch vereinbart, um über die Verbesserung des Radverkehrs in Waiblingen zu diskutieren. Der Radweg auf dem Hess-Areal kommt wieder auf die Tagesordnung, wenn neue Zahlen und Pläne vorliegen. Infrage kommen verschiedene Varianten, unter anderem auch auf den stillgelegten Gleisen unterhalb der Böschung, auf die ein Bürger in der Bürgerfragestunde verwies. Ein anderer Mann, der sich selbst als Alltagsradler bezeichnete, hielt den Radweg allerdings für völlig unnötig.

Auf große Zustimmung stieß die Neuplanung indes im Gemeinderat. „Wenn wir einen Plan und belastbare Zahlen auf dem Tisch haben, wird man abwägen müssen“, sagte Siegfried Kasper. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis müsse in einem vernünftigen Verhältnis stehen: „Wir haben noch andere Probleme. Wir brauchen jeden Cent für den sozialen Wohnungsbau“, erinnerte er. Auch nach Ansicht von Silke Hernadi (DFB) müssen die Planungen abgewartet und dann entschieden werden, ob dem Rat die Mehrkosten bei der deutlich teureren Radwegtrasse wert sind. Die Stadtverwaltung solle sich nicht nur auf eine Lösung fokussieren, verlangte Urs Abelein (SPD). Julia Goll freute sich, dass das Thema Radverkehr bei den Verantwortlichen angekommen sei, kritisierte aber, dass der städtische Fahrradbeauftragte am Bebauungsplan nicht beteiligt war – was aus ihrer Sicht routinemäßig der Fall sein müsste.


Eine Fahrradstraße

Bei einer Fahrradtour haben Vertreter von Provelo und der Verwaltung neuralgische Punkte abgefahren. Unter anderem führte die Radtour in die Fronackerstraße. Wie in Fellbach sollte die Straße nach Ansicht der Radler zwischen dem Alten Postplatz und der Dammstraße eine Fahrradstraße werden, die für „Anlieger Kfz-frei“ ist.

Eine echte Win-win-Situation wäre das nach Ansicht von Provelo-Chef Andreas Schwager: In der Fronackerstraße wären die Radfahrer ungefährdet und in der Bahnhofstraße müssten Autos und Busse keine Rücksicht mehr nehmen. 

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